Donnerstag, 13. April 2017

Das vergessene Sakrament: eine Werbung für die Beichte

Das Sakrament der Versöhnung, die Beichte, gibt es in Deutschland nicht ansatzweise mehr, im Vergleich zu anderen Ländern. Dies äußerte der Präsident der Laienverbändeorganisation "Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK)" Prof. Thomas Sternberg in einem Interview auf >domradio.de. Und er mochte im genannten Interview auch nur "ungern" die sehr "persönliche" Frage beantworten, ob er selber vor Ostern zur Beichte geht. Ähnlich soll er sich gegenüber einer katholischen slowakischen Internetzeitung geäußert haben, berichtet >kath.net.  Er verneinte die Frage, ob er jemand im ZdK kenne, der noch beichtet.

Auch in meiner Pfarrei kenne ich nur wenige, von denen ich weiß, dass sie zumindest ab und zu einmal zur Beichte gehen. Bei der Bußandacht mit Andachtsbeichte verlässt die Mehrheit der kleinen Teilnehmerschar unsere Kirche, wenn der Pfarrer am Ende zur persönlichen Beichte ins Beichtzimmer und die Sakristei einlädt. Viele haben traumatische Erinnerungen an erzwungenen Beichten in ihrer Kindheit in einem dunklen Beichtstuhl. An eine Zeit, in der sie beichten mussten, dass sie ihren Klassenkameraden geärgert hatten und danach als "Strafe" aufgebrummt bekamen, drei Mal das "Vater Unser" aufzusagen. Natürlich gingen sie sowohl zur Beichte wie zu der Messe nur so lange, wie ihre Eltern noch das Sagen hatten.

Dabei ist die Eucharistie wie die Beichte die Quelle jeder persönlichen Glaubensbeziehung zu Jesus, der uns in beiden Sakramenten reich beschenken möchte. Zumindest vor Weihnachten und Ostern gehört es für mich zum Pflichtprogramm, zur Beichte zu gehen. Über das Jahr weiß ich nicht, wann es wirklich eine Beichtmöglichkeit in meiner Pfarrei gibt. Ich wartete auch schon mal umsonst vor dem Beichtraum. Wenn ich die Möglichkeit habe, fahre ich deshalb auch mal zu einer >Anbetungsnacht in eine 90 km entfernte Gebetsstätte ins Emsland, bei der man die sichere Gelegenheit zur Beichte hat. Eine Alternative ist die Kreisstadt, wo man bei den Dominikanern beichten kann.

 Natürlich kostet auch mir der Gang zur Beichte etwas Überwindung. Es beginnt mit einer gründlichen Gewissenserforschung. Was läuft schief? Wie steht es um meinen Glauben? Um meine Beziehung zu meinen Mitmenschen? Wo habe ich gefehlt? Gibt es etwas, was ich vor anderen, vor Gott, lieber verborgen halten möchte? Dunkle Ecken in meiner Seele? Verdränge ich etwas, was nicht gut ist? Manchmal bin ich mir nicht ganz klar, ob etwas eine Sünde war oder nicht. Auch dies muss geklärt werden.

Wenn ich dies alles offen und ehrlich vor Gott im Beichtstuhl bekenne, gehe ich am Ende befreit mit gestärktem Glauben und neuen Elan aus dem Beichtstuhl. Unser Pfarrer nimmt sich viel Zeit für ein geistliches Gespräch und gibt mir sehr praktische Tipps für mein (Glaubens)-Leben. Dankbar darf ich am Ende der Beichte die Lossprechung von meinen Sünden annehmen. Die Buße besteht in der Regel aus einer praktischen Übung, die mir täglich hilft, andächtiger zu werden und (wieder) tiefer in den Glauben hineinzuwachsen. Die Beichte ist also ganz anders, als viele Leute darüber denken. Sie ist die Quelle und der Schlüssel zu einem starken Glauben. Die Heilquelle für alle Gläubigen, die es in einer glaubensfeindlichen Umwelt nicht einfach haben, Salz der Erde zu sein, ein Licht in der Welt.

Ich möchte niemand in den Beichtstuhl reinschubsen. Aber Werbung für die Beichte möchte ich doch machen. Die beste Werbung sind positive Erfahrungen anderer mit der Beichte. Über dieses Thema hat die Theologin Petra Lorleberg ein Buch herausgegeben.

Lesetipp: >Beichte konkret - Positive Erfahrungen mit dem Bußsakrament

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