Donnerstag, 27. Dezember 2018

Wer "Satire" als Bosheit entlarvt, kann viele Wutkommentare ernten

Wer trotz aller Skandale und Angriffe es noch wagt, sich zur katholischen Kirche zu bekennen, der braucht ein dickes Fell. Täglich wird seine Kirche beschuldigt, angeklagt und angegriffen. Die ganze Kirche ist mit ihren  antiquierten Wertvorstellungen, besonders in der Ehe- und Sexualmoral, angeblich veraltet, verkommen und unglaubwürdig. Wer die heutige Vorstellung von angeblicher sexueller "Freiheit" infrage stellt, gilt als rückständig und muss den Vorwurf einstecken, dass in der Kirche so viele Kinder missbraucht werden. In den Augen einiger Kirchenhasser ist jeder überzeugte Katholik ein Kinderficker und Frauenvergewaltiger. Vor allem gilt dies für Priester, denn das Zölibat neben der Sexualmoral für den Missbrauch der Kirche verantwortlich gemacht. Ich überspitze das ein wenig, aber so ist die Gemengelage, die im Moment aufgefahren wird.

Nicht wenige Katholiken verweifeln an ihrer Kirche, in der es so sehr Missbrauch gibt, folgt man der Lautstärke des gegenwärtigen Meinungspegels im gegenwärtigen Mainstream. Man ist besser nicht so fromm und distanziert sich lieber von der Kirche. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass der überwiegende Teil der Katholiken nie ein Kind missbraucht, der überwiegende Teil der Priester ihr Zölibat nie gebrochen haben. Es gibt kaum ein Tag an dem die katholische Kirche nicht zerrissen wird. Wagt man es, sich gegen diese Meinungsmehrheit zu stellen, dann führt dies zu  Shitstorm.

Dies bekam ich deutlich zu spüren, als ich einen kritischen Tweet zu einem >Zerriss von Kirche, Papst und Glauben des Postillons postete. Zugegeben, mein Post war provokativ. Auf der anderen Seite war er durchaus angebracht. Im angeblich humoristische Beitrag von Postillon, bei dem mir das Lachen im Hals stecken blieb, wurde kritisiert, dass Papst Franziskus auf der einen Seite den Kapitalismus kritisiere, auf der anderen Seite Chef einer Kirche sei, die sich mit Reichtum überhäufe.
Screenshot: Mein Tweet zum Beitrag des
Satiremagazins Postillon über Papst und Kirche.
Inzwischen ist der Tweet wieder gelöscht.

Die Kirche wurde als raffgieriger Konzern mit vielen Finanzskandalen dargestellt. Außerdem mache die Kirche sich durch das Verbot von Kondomen am Tod von Aidskranken mitschuldig. Unzweifelhaft hat die Kirche viel Vermögen, unzweifelhaft gab es auch zweifelhafte Finanztransaktionen der Vatikanbank. Aber die gesamte Kirche als profitgierigen Konzern darzustellen, ist eine Verdrehung der Fakten. Die Kirche hat nicht das Ziel, möglichst viel Profit zu machen. Sie ist übrigens auch eine Organisation, die karitativ enorm viel auf der Welt leistet und das Bildungssystem in vielen Ländern gewährleistet. Gerade Papst Franziskus, der selber auf Pomp so weit es sein Amt zulässt, verzichtet, ist ebenfalls eine Lüge. Der katholischen Kirche Mitschuld an der Verbreitung von Aids zu geben, ist ungerecht. Das Verbot von Verhütungsmitteln für gläubige Katholiken kann nur im Zusammenhang der gesamten Sexual- und Ehelehre gesehen werden, nach der ehelicher Verkehr nur in den geschützten Raum der Ehe gehört.

Der Vorwurf, Kirche mache sich mitschuldig am Tod vieler Menschen durch Aids, ist absurd! Der Aids Virus verbreitet sich vor allem bei häufigem sexuellen Verkehr mit wechselnden Partnern, sowie bei mangelnder Blutübertragung und Drogenkonsum mit Spritzen. Die wenigsten Leute, die häufigen Sex mit wechselnden Partnern durchführen, orientieren sich an der katholischen Sittenlehre mit dem Gebot der Keuschheit. Sie werden sicherlich auch das Kondomverbot ignorieren.  Mein Tweet erreichte eine sehr große Beachtung (mit mehr als 110.000 Impressions, fast 10.000 Interaktionen und über 100 Kommentaren, meist böse Häme), aber auch durchaus große Zustimmung (mit über 300 Likes).

Da ich alle Tweets, die ich einmal gepostet habe, nach relativ kurzer Zeit wieder lösche, tangiert mich das wenig. Jeder Sturm geht einmal vorbei. Und wie bereits schon anfangs betont, ist man als überzeugter Katholik ja gewohnt, sich ein dickes Fell zu bewahren.

Kommentare:

  1. Ich kann ein wenig Ihre Stimmung nachvollziehen.

    Kürzlich habe ich in dem KATHOLISCHEN Forum kath.net die Kardinäle Woelki und Marx gegen wörtlich zitierte maßlose Diffamierungen eines AfD-Politikers verteidigt, die - mir unverständlicherweise - überwiegend Verständnis und z.T. sogar Lob und unverhohlene Sympathie bei vielen sich als katholisch bezeichnenden Kommentatoren fanden:

    http://kath.net/news/66262

    Auch ich erntete da weit überwiegend Unverständnis, Häme, Spott bis hin zu persönlichen Beleidigungen - und das von angeblichen katholischen Glaubensgeschwistern!

    :

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  2. Lieber Diasporakatholik, kath.net lese ich nicht (mehr), genau aus den von Ihnen genannten Gründen. Ich zähle diese Seite nicht zu den katholischen Seiten. Dort wird eine bestimmte politische Richtung mit Inhalten aus oder über die katholische Kirche und Glauben vermischt. Wenn auf einer Seite Bischöfe und sogar der Papst offen und zum Teil sehr unsachlich kritisiert werden, ist es für mich ein Grund, mich anderswo zu informieren.

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    1. Diasporakatholik2. Januar 2019 um 23:18

      Lieber Georg Rosenbaum,
      auch ich hatte mal vor Jahren längere Abstinenz von kath.net, weil ich mich damals über bestimmte Foristen ärgerte, die m.E. von der Redaktion z.T. bevorzugt wurden.
      Kath.net ist sicherlich recht konservativ ausgerichtet, allerdings würde ich der Plattform nicht die Katholizismus absprechen.

      Es wird dort über Glaubens Dinge durchaus auch sehr tiefgehend, fundiert und niveauvoll debattiert, und ich habe da persönlich schon sehr viel für mich dazulernen können und davon im Glauben profitiert.

      Politisch allerdings gefällt mir vieles nicht - z.B. ein strikter Anti-Merkel-Kurs und CDU-kritischer Kurs, ebenfalls z.T. auch manche kirchenpolitischen Positionen einschl. die Haltung zur Kirchensteuer.

      Auch die DBK und manche Bischöfe kommen oftmals bei kath.net schlecht weg wg. zu liberaler Äußerungen etc..

      Im von mir zitierten Beispiel empfand ich den Beitrag von kath.net allerdings zwar etwas reißerisch, nicht jedoch als Angriff der Redaktion gegen die deutschen Kirchenführungen oder Kardinäle.

      Vielmehr wurde die harsche und m.E. maßlos überzogene Kritik des AfD-Politikers Nikolaus Fest wörtlich und unkommentiert zitiert und damit dem Forum quasi zur Kommentierung vorgestellt.

      Offensichtlich fühlten sich zahlreiche Kommentatoren dadurch ermutigt, den Diffamierungen Fests an z.B. den Kardinäle Woelki und Marx unverhohlen Verständnis entgegen zu bringen bzw. offenen Beifall zu zollen.

      Dagegen haben sich dann einige wenige Foristen - u.a. auch ich selbst - gewandt; mit den geschilderten Ergebnissen.

      Immerhin konnten ich und die anderen Kritiker unzensiert von der Redaktion dort unsere Meinung sagen - das möchte ich positiv für die kath.net-Redaktion werten.

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    2. Lieber Diasporakatholik, ich habe vor Jahren auch regelmäßig kath.net gelesen. Anfangs war auch ich von kath.net begeistert. Die Berichte aus Rom, die umfangreiche Wiedergabe von Predigten und Ansprachen des Papstes waren für mich der Grund. Je länger ich die Seite besucht habe, desto mehr widerte mich der geradezu sektiererische und tendenziöse Sprachstil dieser Seite an. Sie haben einige Beispiele genannt, die mit dem katholischen Glauben nichts gemein haben. Die Kritik an der CDU und die Sympathie für rechtspopulistische Parteien sind politische Haltungen der jeweiligen Autoren, die sie aus ihrem Glaubensverständnis her begründen, aber keinerlei verbindlich für Christen katholischen Glaubens sind. Kath.net ist ein Meinungssammelsurium rechter Leute. Diffamierungen von Kardinälen und und oft auch schroffe Behandlung und Ausgrenzung andersdenkender Menschen wiedersprechen dem Apostolat katholischer Medienschaffender, die den Auftrag haben, die Wahrheit und das Evangelium glaubhaft zu verbreiten. Die Kritik, die an den offiziellen Portalen der katholischen Kirche zu richten ist, gilt umso mehr für kath.net. Anders als die offiziellen Kirchenportale hat Kath.net aber keinerlei Anspruch, als katholisches Portal bezeichnet zu werden. Es bleibt eine private Initiative rechter (nicht konservativer!) Katholiken.

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    3. Diasporakatholik3. Januar 2019 um 13:03

      Lieber Herr Rosenbaum,
      selbstverständlich respektiere ich Ihr negatives Urteil zu kath.net, welches Ihre "Schmerzgrenze" offensichtlich überschritten hat.

      Ich selbst kann hier allerdings bislang meine dort manchen unbequeme Meinung bislang Frank und frei bekunden, ohne von der Redaktion beeinträchtigt oder eingeschränkt zu werden.

      Und das tue ich ähnlich wie Sie jüngst bei "Der Postillon".

      Alles Gute und vor allem Gottes Segen auch im neuen Jahr 2019 wünscht Ihnen
      Ihr Diasporakatholik

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    4. Diasporakatholik7. April 2019 um 15:02

      Da ich kürzlich dem Herausgeber von kath.net R. Noé, der dort selbst unter dem Nicknamen Gandalf gelegentlich kommentiert, mehrfach dezidiert zu einem von ihm selbst verfassten zum Kirchenaustritt animierenden Artikel widersprach, verlor ich zunächst einmal meinen Status als vertrauenswürdiger Kommentator, den ich der Fürsprache anderer User verdankte und längere Zeit dort inne hatte: D.h. ich konnte ab da nicht mehr direkt ohne zahlenmäßige Kommentarbegrenzung und ohne Prüfung der Redaktion mehr meine Meinung äußern, sondern musste meine Kommentare ab diesem Zeitpunkt einer Vorprüfung durch die Redaktion unterziehen lassen, und sie waren ab danach wieder auf max. 7 Kommentare pro Tag kontingentiert.

      Nur einen Tag später wurden dann auch kritische und dem Chef von kath.net offensichtlich nicht genehme Kommentare von mir zensiert - d.h. nicht veröffentlicht.

      Das ist natürlich höchst manipulativ und widerspricht dem Prinzip freien Diskurses, denn meine Kommentare waren zwar kritisch aber stets sachlich, nicht polemisch und keinesfalls etwa beleidigend o.ä..
      Ich habe mich daraufhin ebenso wie Sie, verehrter Herr Rosenbaum, aus kath.net gänzlich zurück gezogen, werde dort zumindest für längere Zeit nicht mehr kommentieren und das Portal auch nicht mehr lesen.

      Immerhin sah sich Herr Noé doch am Ende einer sehr lebhaften Diskussion zum Für und Wider der deutschen Kirchensteuer doch veranlasst, zumindest einzuräumen, "beide Seiten hätten wohl gewichtige Argumente"...

      Ich habe das noch vor meinem "Abmarsch" aus kath.net mit einer gewissen Befriedigung registriert...

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  3. Als eine gute Alternative empfehle ich zum Beispiel https://de.catholicnewsagency.com/

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