Sonntag, 16. Dezember 2018

Unser Pfarrer wird uns verlassen - ein paar Gedanken dazu

Lange galt es als ein Gerücht. Aber jedem in unserer Pfarrgemeinde war klar, dass unser Pfarrer nicht mehr lange in unserer Kirchengemeinde bleibt. Heute, am dritten Adventssonntag, wurde am Ende des Hochamtes offiziell verkündet, dass er im kommenden Frühjahr 2019 in eine Pfarrei wechselt. (>Bericht in meinem anderen Blog)

Es ist mittlerweile längst üblich, dass alle Pfarrer nach ein paar Jahren eine neue Aufgabe gestellt bekommen. Die Gründe hierfür sind sicher vielfältig. Ein Grund liegt im Priestermangel allgemein. So müssen immer wieder Stellen neu besetzt werden. Unser Pfarrer war zehn Jahre bei uns im Amt. Daher war es für viele klar, dass eine Veränderung ansteht.

Früher war es normal, dass ein Pfarrer sein ganzes Leben an einer Pfarrei blieb. Grabsteine der Pfarrer dieser Zeiten auf unserem Friedhof künden davon. Sie waren jahrzehntelang an einem Ort. Sie waren Seelsorger eines ganzen Dorfes, mit dem Leben und der Geschichte eines Ortes eng verbunden. Regelmäßig kehrten sie bei den Familien ein. Heute ist vieles anders. Viele Menschen haben der Kirche längst den Rücken gekehrt.

Welcher Priester im Dorf Pfarrer ist, ist vielen gleichgültig. Der Pfarrer hat heute nicht nur die Menschen eines Dorfes sondern gleich mehrerer Dörfer im Auge zu behalten. Er ist zwar auch Seelsorger. Besonders bei Kasualien (Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten). Vor allem aber ist er Verwalter und Leiter einer Pfarrei. Da tritt für viele das Seelsorgerische im Hintergrund. Der Pfarrer ist heute viel weniger sichtbar im Gemeindeleben. Ich habe unseren Pfarer oft wochenlang nicht gesehen. Die Sonntagsmessen werden oft von den drei anderen Priestern zelebriert, Werktagsmessen habe ich ganz selten mit unserem Pfarrer erlebt.

Unvergesslich bleiben aber seine Predigten, die feierlichen Messen an Hochfesten mit unserem Priester. Die Beichten, die er mir spendete. Und vor allem das Trauergespräch vor der Beerdigung meiner Adoptivmutter. Ich habe mit viele geistliche Begegnungen gehabt, die mich beeindruckten.Die eucharistischen Anbetungen. Die Lobpreismessen. Die gemeinsamen Proben mit der Lobpreisschola, die er initiierte. Daher trauere ich, dass unser Pfarrer uns nun verlässt.

Andererseits ist es aber auch sehr heilsam, dass Seelsorger regelmäßig wechseln. So wird uns immer wieder bewusst, dass nicht der Pfarrer sondern Jesus Christus der Mittelpunkt seiner Kirche ist. Kirche ist immer im Umbruch. Aber Pfarrer sind und bleiben wichtig, den sie verkörpern Kraft ihres Amtes und der Sakramente, die sie spenden, die Gegenwart Christi. Dies wissen alle Gemeinden, die ohne Priester auskommen müssen. Wenn ein neuer Pfarrer sein Amt antritt, ist dies ein Grund zum Feiern. Beten wir daher um die Berufung zum Priesteramt und um einen guten neuen Pfarrer für unsere Gemeinde.

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