Sonntag, 7. Oktober 2018

Mit den Chören des Oldenburger Landes in Rom

Hautnah erlebt: Papst Franziskus in
Rom. Foto: G. Rosenbaum

Schon lange wollte ich einmal nach Rom, die Stadt des Vatikans und damit Zentrum unseres katholischen Glaubens. Kurzfristig erhielt ich die Möglichkeit, an einer gemeinsamen Fahrt mit den Chören des Oldenburger Landes Rom zu besuchen. Für mich war eine ideale Gelegenheit als Sänger einer katholischen Chorgemeinschaft. Eigentlich hätte ich mich schon lange vorher anmelden können, aber aus privaten Gründen konnte ich mich erst spät dazu entscheiden.



Eigentlich gab es sowohl die Möglichkeit, mit dem Flugzeug oder dem Bus zu reisen und entweder als Unterbringung das  Hotel oder in einem Bungalow auf dem Campingplatz zu wählen. Da ich aber zu spät mich anmeldete, gab es nur die Möglichkeit einer zweitägigen Busfahrt und die Unterbringung in einem einfachen Holzbungalow, das ich mit einem sehr netten älteren Ehepaar aus Rastede teilte. Wir fuhren in einer ersten Tagesetappe von Vechta aus bis Innsbruck. Dort machten wir in einem Hotel eine Zwischenübernachtung und erreichten am Sonntagabend die Campinganlage. Die Fahrt wurde gemeinsam vom Offizialat Vechta und dem Reiseunternehmen Höffmann organisiert.

In der Campinganlage wurden wir nach dem gemeinsamen Abendessen vom >Reiseunternehmer Hans Höffmann begrüßt, der uns mit seinem Sohn das Programm für den nächsten Tag vorstellte. Abends gab es eine Heilige Messe in der Campinganlage mit unserem Weihbischof Wilfried Theising. Es war schon beeindruckend, mit 500 Sängern aus den Chören diese Messe zu feiern. In Extraproben hatten sich die Chöre auf die Messen vorbereitet. Leider hatte ich daran nicht teilgenommen, aber ich sang so gut mit, wie ich konnte. Das Chorheft für die Pilgerfahrt ergatterte ich nach der Messe noch vom Regionalkantor Stefan Decker.

Am nächsten Tag besichtigten wir die Stadt. Leider hatten wir das seltene Pech, dabei von einem gewaltigen Platzregen überrascht zu werden, sodass ich den ganzen Tag mit klitschnassen Füssen unterwegs war. Nachmittags fuhren wir zur Kathedrale St. Paulus vor den Mauern, um dort mit unserem Weihbischof die Messe zu feiern. Bevor wir die Kathedrale betreten konnten, mussten wir uns einer sehr intensiven Sicherheitskontrolle unterziehen lassen. Diese Kontrollen gab es vor allen Kathedralen, am Petersplatz und den wichtigen Sehenswürdigkeiten. Sicherlich nicht ohne Grund: Rom ist ein Ziel für Terrorangriffen. Hier wurde mir bewusst, dass es nicht überall ungefährlich ist, Katholik zu sein. Es dauerte ziemlich lange, bis wir unseren Platz in St. Paulus vor den Mauern einnehmen zu können. Der Weihbischof erklärte die wichtige Bedeutung dieses Ortes für unser Bistum. Der Völkerapostel Paulus ist schließlich der Patron unseres Bistums Münster.

Wieder war das ein sehr beeindruckendes Erlebnis mit so vielen Sängerinnen und Sängern sehr schöne Lieder zur Ehre Gottes an diesem heiligen Ort vorzutragen. Danach hatten wir die Gelegenheit, das Grab des Paulus zu besuchen. Ich beschloss, dort kein Foto zu machen sondern stattdessen den heiligen Paulus zu bitten, Fürbitte einzulegen, dass ich mich so ähnlich bekehre, wie er es tat. Ich spürte eine unheimliche Kraft, als ich dieses Gebet hielt. Für mich war dies eines der Höhepunkte der Reise.

Am nächsten Vormittag feierten wir die Messe in der Laterankirche. Sie gilt als "Mutter aller Kirchen". Sie war ursprünglich die Papstkirche, bevor der Petersdom diese Rolle übernahm. Nachmittags gab es die Möglichkeit, entweder den Tivoli oder die Katakomben zu besichtigen. Ich meldete mich ab und nutzte die Gelegenheit, mit Freunden auf eigene Faust Rom zu erkunden. Wir besuchten unter anderem mehrere Kirche, die uns sehr beeindruckten, darunter die die Kirche Sant' Ignazio di Loyola. Sie ist dem Gründer des Jesuitenordens geweiht. Danach nahmen wir in einem typischen Lokal in einer Nebenstraße ein Mahl ein.  Wir pirschten noch weiter durch die Gegend, bis wir wieder zurück zur Campinganlage fuhren.

Am Mittwochmorgen ging es recht früh mit dem Bus zum Petersplatz. Dort nahmen wir an der Messe mit Papst Franziskus anlässlich der Eröffnung der Jugendsynode teil. Hans Höffmann hatte alles perfekt organisiert. Wir erhielten Einlasskarten, die uns eine Sitzmöglichkeit in der vordersten Reihe auf dem Platz zu erhalten. Vor uns saßen nur die Behinderten der Pilgerfahrt der Malteser. Neben mir saß eine Ordensfrau aus Peru, außerdem mehrere Sänger aus meiner Heimatgemeinde. Aus den Lautsprechern dröhnten die Orgeltöne der lateinischen Messgesänge, die zunächst vom Chor und den Musikern eingeprobt wurden. Schließlich zog der Papst mit den vielen Bischöfen und Kardinälen oben auf die Altarbühne und die feierliche Messe begann.

Von der Predigt des Papstes verstand ich nichts, aber den Rest des Ablaufs der Liturgie kannte ich. Schon oft hatte ich eine solche Messe im Fernsehen bei KTV oder EWTN verfolgt, diesmal war ich live dabei! Nach der Messe fuhr der Papst unmittelbar vor uns vorbei, um uns den päpstlichen Segen zu erteilen. Das war wiederum ein unvergesslicher Moment für mich wie für jeden katholischen Christen. Danach stand die Besichtigung der Vatikanischen Museen auf dem Programm. Ich wurde förmlich von der Masse an Kunst und des Besucherstromes erschlagen.

Natürlich wollte ich unbedingt in die Sixtinische Kapelle und folgte dem Rundweg mit den Hinweisschildern. Doch zunächst waren eine unendliche Zahl an Sälen mit Kunstwerken zu durchschreiten. Leider hatten wir nur wenig Zeit, sie näher zu betrachten. Für die Vatikanischen Museen braucht man eigentlich Tage. Außerdem ist es unmöglich, die Kunstwerke wirklich genießen zu können, weil der Massenandrang dies nicht zulässt. Als ich schließlich die Sixtinische Kapelle erreichte, wurde ich mit den anderen Besuchern gedrängt, sie schnell zu durchschreiten. Eigentlich schade, aber der Besuch dieses Ortes, in dem das Papstkonklave stattfindet, ist schon ein ganz kostbarer Moment.

Am nächsten Tag hatten wir die Gelegenheit, die heilige Messe in der Apsis des Petersdomes zu feiern. Auch hier hat nicht jeder die Gelegenheit dazu, denn der Ort des Petrusgrabes und der Kathedra, also des Sitzes des Papstes, kann nur von ganz wenigen besucht werden. Am zentralen Altar des Papstes zelebrierte unser Weihbischof die heilige Eucharistie und wir Sänger aus dem Oldenburger Land durften die Feier musikalisch mitgestalten. Am Nachmittag stand die Besichtigung des Kolosseum auf dem Programm. Abends aßen wir in Lokalen im romantischen Stadtteil Trastevere. Bei einem Dreigänge-Menu und Wein sangen und unterhielten wir uns. Nach dem Essen trafen wir 550 Sänger uns auf dem Marktplatz und sangen dort gemeinsam. Ein Orchester, dass ebenfalls auf Wallfahrt in Rom war, begleitete uns. Die Römer spendeten uns Beifall und einige fragten nach, wer wir seien. Ich erteilte auf Englisch gerne Auskunft.

Am Freitag und Samstag ging es auf gleichem Weg wie bei der Anfahrt zurück nach Vechta. Diese Romfahrt werden wir sicherlich nicht so schnell vergessen.

Fotos von der Romfahrt gibt es in meinem anderem Blog:

>Fotos: Romfahrt mit den Chören aus dem Oldenburger Land

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