Donnerstag, 18. Oktober 2018

Mit dem Pastoralplan in die Zukunft unserer Pfarrgemeinde?!

Ein Jahr lang hat man wenig davon gehört. Im Dezember 2017 wurde in meiner Kirchengemeinde St. Johannes Baptist Bakum der >Pastoralplan veröffentlicht. Zum 29. November lädt meine Pfarrgemeinde zu einer Pfarrversammlung ein, damit die ganze Gemeinde in diesen Plan mit eingebunden wird. Ist der Pastoralplan wirklich der Aufbruch in die Zukunft unserer Kirchengemeinde?

Wünschenswert wäre es. Als regelmäßiger Teilnehmer an den heiligen Messen nehme ich wahr, dass  die Bänke in den Sonntagsmessen immer leerer werden. An den Werktagsmessen nimmt nur ein kleiner Kreis eingeschworener Christen teil. Wir haben vier katholische Kirchen und eine evangelische Kirche in unserer Pfarrei mit ca. 6.000 Einwohnern. Alle katholischen Messbesucher könnte man spielend in nur einer Kirche mit einer Vorabendmesse am Samstag und einem Hochamt am Sonntag sowie mehreren Werktagmessen unterbringen.

Leere Messen sind ein Indiz dafür, wie krank unsere Pfarrgemeinde geistlich ist. Schließlich ist die Eucharistie Quelle und Mitte unseres Glaubens. Wenn katholische Christen nicht mehr aus dieser Quelle schöpfen, sie nicht mehr aus der Quelle der Sakramente leben, dann stirbt das geistliche Leben in unser Pfarrgemeinde aus.

Der Pastoralplan hat vier Projekte initiiert, mit denen das Leben in unserer Pfarrgemeinde erneuert werden sollen. Eine Projektgruppe beschäftigt sich damit, Neubürger in unsere Pfarrgemeinde einzuladen. Eine zweite Gruppe hat das Ziel, mit "neuen Liedern" das "Repertoire an Chorälen in unseren Gottesdiensten" zu erweitern. Eine dritte Gruppe kümmert sich um die Kinder- und Jugendpastoral, eine vierte Gruppe um "Öffentlichkeitsarbeit".

Sicher sind dies sehr wichtige und unterstützenswerte Projekte. Allerdings gibt es bereits schon jetzt eine große Vielfalt an Kirchenmusik in unserer Pfarrei. Dabei wirken drei Orchester, vier Chöre, eine Lobpreisgruppe und Kinderchöre mit. Sicher kann man die Qualität der Kirchenmusik noch erheblich verbessern. Dazu könnten zum Beispiel geeignete junge Organistinnen und Organisten beitragen. Die Orgel wird oft von älteren Menschen gespielt, denen es schwer fällt, eine qualitativ ansprechende Begleitung zu spielen.

Gegen die Erweiterung des Repertoires der Kirchenmusik mit neuen geistlichen Liedern, die junge Leute ansprechen, ist nichts einzuwenden. Allerdings sollten die klassischen Lieder gerade für die alten Leute nicht fehlen. Es ist fehl am Platz, in einer morgendlichen Werktagmesse "neue geistliche Lieder" zu singen, an der überwiegend nur Senioren teilnehmen. Die Frage bleibt, ob man mit einer "besseren" Kirchenmusik mehr Menschen an die Kirchengemeinde bindet, sie zu einer Vertiefung ihres Glaubens führt.

Das gleiche gilt für die Jugendpastoral. Die Zahl an Jugendgruppen in unseren vier Filialgemeinden können gar nicht gezählt werden. Es gibt mehrere Landjugendgruppen, Messdienergruppen, eine Kolpingjugend und zuletzt wurde sogar eine neue Pfadfindergruppe ins Leben gerufen. Regelmäßige jugendliche Messbesucher kann man allerdings an den Fingern abzählen. Auch viele Mitglieder der Chöre gehen nur noch unregelmäßig zur Messe. Geschweige denn, dass noch ein lebendiges Gebetsleben außerhalb der Messen und in den Familien gepflegt wird.

Die zentrale Frage bleibt für mich, ob der Pastoralplan zu einer größeren Verankerung eines geistlichen Lebens, einer Jüngerschaft Christi führt. Den geistlichen Kern unserer Pfarrgemeinde bilden meiner Ansicht nach alle Katholiken, die regelmäßig an der Gemeinschaft im Gebet mitwirken, besonders bei der gemeinsamen Feier der Eucharistie. Denn sie ist und bleibt die Quelle und Mitte unseres Glaubens und das Bindeglied unserer Pfarrgemeinde.

1 Kommentar:

  1. Wir erleben eine rasante Selbstprotestantisierung der katholischen Kirche hierzulande, wo die meisten eben nur noch äußerst sporadisch zum Gottesdienst gehen - wenn überhaupt.
    Erleben wir auch in der eigenen Familie. Die fast 50jährige Tochter sagte schon vor Jahren, dass der Gottesdienst ihr nichts gibt. Hält auch ihre beiden Töchter nicht zum regelmäßigen Messbesuch an - Reiten oder andere Freizeitaktivitäten am Wochenende sind viel "cooler".
    In unserem Haus mit 14 Wohnungen (fast alles über 60jährige und älter bis 90) sind meine Frau und ich die einzigen regelmäßigen Messbesucher...
    Am Gründungstag unser neuen Großpfarrei mit 20000 Mitgliedern verteilt über 6 sich über den ganzen Kreis erstreckenden Kirchstandorten fand nur ein einziger Gottesdienst am größten Standort (Kirche dort fasst max. 500 Leute) statt mit allen Pfarrern und Bischof...
    Alle anderen Messen fielen aus...

    Was wollen Sie da noch für die Zukunft erwarten?

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