Sonntag, 16. September 2018

Mitarbeiter des Offizialats Oldenburg fordert Tierbestattung mit kirchlichem Segen

Ein Mitarbeiter des Offizialates Oldenburg fordert eine kirchliche Bestattung für Haustiere. Er ist Leiter des Referates Erwachsenenseelsorge und zugleich auch Lektor und Kommunionhelfer in meiner Pfarrgemeinde. Man sollte denken, dass er beste Kenntnisse über die Lehre der katholischen Kirche hat, in deren Dienst er steht. Sein Wunsch nach einem kirchlichen Segen für eine Tierbestattung äußerte er in einem ->Standpunkt "Den Hund begraben" auf dem offiziellen Internetportal der katholischen Kirche. Kurz drauf folgte ein weiterer großer Artikel darüber in der Lokalzeitung vor Ort. Er begründet seine Forderung mit einem Ausriss aus der päpstlichen Enzyklika Laudato Si (Nr. 83). Dort heißt es:
"Der letzte Zweck der anderen Geschöpfe sind nicht wir. Doch alle gehen mit uns und durch uns voran auf das gemeinsame Ziel zu, das
Gott ist, in einer transzendenten Fülle, wo der auferstandene Christus alles umgreift und erleuchtet. Denn der Mensch, der mit Intelligenz und Liebe begabt ist und durch die Fülle Christi angezogen wird, ist berufen, alle Geschöpfe zu ihrem Schöpfer zurückzuführen."
Weiterhin begründet er seine Forderung aus pastoralen Gründen. Haustiere seien für viele Menschen wichtige Begleiter und Partner, deren Tod große Trauer auslöse. Tiere seien Geschöpfe wie Menschen, von Gott geliebt, äußert der Mitarbeiter des Offizialates. Im Zeitungsartikel setzt er sogar noch einen drauf: "Wenn ich mir meinen eigenen Hund angucke, kann ich nicht sagen, dass er keine Seele hat," - "Ich glaube, dass es oben eine große Hundewiese gibt" - "Ich mag mir den Himmel ohne meine Hunde nicht vorstellen", wird er zitiert.

Der Leiter des Seelsorgereferates im Offizialat Vechta kann sich sogar vorstellen, dass Teile eines katholischen Friedhofs für Tiere freigehalten werden, heißt es im Zeitungsbericht.

Die  Äußerungen werfen die Frage auf, ob sich seine Vorstellungen aus der Lehre der katholischen Kirche ableiten lassen. Zweifelos sind Tiere wie Menschen Geschöpfe Gottes. Wir sind berufen, verantwortungsvoll mit ihnen umzugehen. Nach der Lehre der katholischen Kirche dürfen Tiere "nicht ohne Rücksicht auf sittliche Forderungen genutzt werden" (KKK 2615). Allerdings sind Tiere dem Menschen nicht gleichrangig. Ausdrücklich heißt es im Katechismus: "Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt." (KKK 2618). Haustiere sind somit keine Familienmitglieder. Im Gegenteil, im Katechismus wird von einer Rangordnung gesprochen (vgl KKK 342, 2417). Tiere Familienmitgliedern gleichzustellen, ist unsittlich. Der Mensch soll über die Tiere herrschen, er darf sie nutzen und sich sogar von ihnen ernähren. Auch ist der Glaube an einer Seele in einem Tier lässt sich nicht aus der christlichen Glaubenslehre abzuleiten.
"In der Heiligen Schrift bedeutet der Ausdruck Seele oft das Leben des
Menschen [Vgl. Mt 16,25-26- Job 15,13.]oder die ganze menschliche Person [Vgl. Apg 2,41.]. Er bezeichnet aber auch das Innerste im Menschen [Vgl. Mt 26,38; Job 12,27.], das Wertvollste an ihm [Vgl. Mt 10,28; 2 Makk 6,30.], das, wodurch er am meisten nach dem Bild Gottes ist: ,,Seele" benennt das geistige Lebensprinzip im Menschen.
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Der Leib des Menschen hat an der Würde des Seins ,,nach dem Bilde Gottes" teil: er ist eben deswegen menschlicher Leib, weil er durch die geistige Seele beseelt wird. Die menschliche Person ist als ganze dazu bestimmt, im Leibe Christi zum Tempel des Geistes zu werden [Vgl. 1 Kor 6,19-20; 15,44-45.]." (KKK Nr. 363 und 364)
 Unweifelhaft gibt es bei einem christlichen Begräbnis einen seelsorgerlichen Aspekt. Die Angehörigen eines Verstorbenen sollen Trost im gemeinsamen Gebet durch die christliche Gemeinde erhalten. Aber gleichzeitig ist das Begräbnis Ausdruck der österlichenHoffnung des Christen auf Auferstehung nach dem Tode. Christen begleiten den Verstorbenen beim Begräbnis auf seinen letzten Weg ins ewige himmlische Leben. Das Leben des Tieres endet hingegen mit seinem irdischen Dasein.

Wie sieht der Himmel und das Leben nach dem Tode aus? Gibt es eine Hundewiese mit Hunden, wird unser Hund uns im Himmel wieder begegnen? Dies ist eher eine heidnische Vorstellung, die mit dem christlichen Glauben sicher nicht vereinbar ist. Genaue Beschreibungen, wie es im Himmel aussieht, gibt es in der christlichen Glauenslehre nicht. Aber ein deutlicher Hinweis ist, dass selbst die Ehe mit dem Tod endet und das Leben eines Auferstandenen im Himmel eine völlig neue Qualität erhält: "Denn nach der Auferstehung heiratet man nicht, noch wird man geheiratet, sondern die Menschen sind wie Engel im Himmel." (Mt 22,30) Wenn selbst die Ehe nach dem Tode endet, so wird der Hund dort sicher nicht der treueste Begleiter sein.

(Die Zitate aus der Zeitung stammen aus dem Bericht"Tote Haustiere sollen Segen der Kirche erhalten" Ausgabe der Oldenburgischen Volkszeitung vom 15. September 2018, Seite 9)

Zufällig habe ich einen Film gefunden, der eindrucksvoll dokumentiert, wie Hunde und Haustiere von vielen Zeitgenossen in übertriebener Weise vergöttert werden, also keinesfalls in christlicher Weise behandelt werden: