Dienstag, 22. Mai 2018

Eine Pfarrkirche wird zur Inszenierung für einen Fernsehgottesdienst

Fernsehgottesdienste sind wichtig, das sehe ich ein! Gerade für alte und kranke Menschen ist es oft die einzige Möglichkeit, am Leben der Kirche teilzunehmen. Kein Verständnis habe ich allerdings, wenn Gottesdienste inszeniert werden, um dem Anspruch einer Außendarstellung im Fernsehen gerecht zu werden.

Im Nachbardorf Langförden wurde am Pfingstmontag der Gottesdienst übertragen (-> Video ARD-Mediathek). Aufwändig wurde alles vorbereitet, damit dieses Ereignis glanzvoll auf den Bildschirm gebannt wurde. Für diesen Event leitete nicht der Pfarrer die Messe, sondern der Weihbischof. Das ist schön und gut, allerdings kommt das normalerweise nur vor, wenn gerade die Firmung in der Pfarrgemeinde gespendet wird. Sonst steht (nur) der Pfarrer Sonntag für Sonntag dem Hochamt in der Dorfkirche vor. Schade finde ich es, dass der Weihbischof den Gottesdienst nicht einmal mit dem örtlichen Pfarrer sondern einem auswärtigen Priester zelebrierte. Auch die Chöre der Pfarrei, es gibt einen Frauen- und einen Männerchor, gestalteten die Messe nicht mit, sondern auswärtige Sängerinnen und Sänger. Sogar ein anderer Organist soll eingesetzt werden sein. Ich habe gehört, dass darüber einige Mitglieder der Pfarrgemeinde verärgert gewesen sein sollen.

Im Zeitungsbericht am Tag danach las ich, das vor der Messe die Zuschauer gebeten worden seien, die "Lücken" im Hauptschiff zu schließen und während des Gottesdienstes kräftig mit zu singen, aber nicht in die Kamera zu winken. Außerdem soll am Pfingstsonntag eine 6-stündige "Generalprobe" stattgefunden haben, damit der Gottesdienst minutiös trainiert wurde. Sorry, aber eine solche Inszenierung ist nicht meine Welt!

Kommentare:

  1. Diasporakatholik23. Mai 2018 um 14:56

    Wir haben diesen Gottesdienst an unserem Urlaubsort im Fernsehen am Pfingstmontag voll großer Dankbarkeit mitfeiern können, weil meine Frau wegen ihrer Parkinson-Erkrankung mittlerweile nicht mehr an einer hl. Messe teilnehmen kann; allenfalls im Ausnahmefall in 2 hiesigen Pflegeheimen je 1 x im Monat.
    Ich selbst konnte hier am Pfingstmontag weder am Urlaubsort noch in der Nachbarstadt diesmal leider eine kathol. Messe besuchen, von der ich meiner Frau wie gewohnt die hl. Kommunion mitbringen konnte - es fanden nur ökumenische Gottesdienste statt.
    So haben wir also gemeinsam diesen sehr schönen Gottesdienst aus Langförden dankbar am Fernseher mitfeiern können und dürfen.
    Bitte seien Sie nicht darüber ungehalten, dass er vom Weihbischof sowie einem Diakon (nicht einem anderen Pfarrer) zelebriert wurde. Der Ortspfarrer hat übrigens während der Kommunionausteilung eine Meditation gehalten. Auch Bitte ich die Chöre etc. der Gemeinde nicht darüber ungehalten zu sein, wenn vielleicht fremde Musiker bzw. Chöre hier auftraten, die vielleicht perfekter sind. Es geschieht doch alles letztlich zur Ehre Gottes, und da ist doch das Beste gerade gut genug, nicht wahr? Und den Fernsehveratwortlichen Bitte ich auch nachzusehen, dass sie doch versuchen, Ihren Job möglichst zu machen und natürlich da auch üben lassen und gewisse notwendige Regieanweisungen erteilen müssen, damit gerade auch für die mitfeiernden Zuschauer vor den Bildschirmen es ein Gottesdienst - Erlebnis und nicht etwa ein Theater-Event o.ä. bleibt.

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  2. Ich habe nicht den Eindruck. Aber schön, dass Ihr Bedürfniss eines schönen Gottesdienstes erfüllt wurde.

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  3. Ich hätte es authentischer gefunden, wenn ein ganz normaler Gottesdienst übertragen worden wäre. Vielleicht mit einem Gemeindechor. Das wäre genauso schön. Und das Wichtigste ist doch die sakramentale Gegnwart des Herrn. Das ist der Hauptgrund, Eucharistie zu feiern. Wenn man es so machen möchte, braucht man keine Pfarrkirche sondern kann es in Fernsehstudio produzieren, lieber Diasporakatholik.

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  4. Diasporakatholik24. Mai 2018 um 16:59

    Lieber Georg Rosenbaum!
    Ich stimme Ihnen zu, dass meine Frau und ich auch mit der Übertragung eines einfachen katholischen Gottesdienstes am 2. Pfingsttag zufrieden gewesen wären.
    Andererseits haben wir uns gefreut, dass an beiden Pfingstfeiertagen diesmal sowohl vom ZDF am Pfingstsonntag ein Gottesdienst mit unserem Hamburger Erzbischof Stefan Heße aus der Kirche St. Nikolaus in Kiel und am 2. Pfingstfeiertag eben von der ARD der Gottesdienst aus Langförden mit dem Münsteraner Weihbischof übertragen wurden. Ein schönes Geschenk der öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten für ältere und kranke Christen an diesem uns besonders wichtigen christl. Hochfest.
    Wir sollten doch Verständnis haben, dass gerade an solchen Hochfesten der Christenheit das Fernsehen auch etwas Besonderes bieten will mit von Bischöfen oder dem Papst gehaltenen Messen, denn zumindest im ZDF wird ja alle 14 Tage ein kathol. Gottesdienst aus meist einer ganz normalen Pfarrgemeinde übertragen.
    Dass das Fernsehen die Übertragung möglichst professionell anstrebt, liegt in der Natur der Sache und ist nur zu begrüßen. Und dass auch die Kirche sich bemüht, bei solch einer Übertragung ein gutes Bild und Eindruck zu hinterlassen, ist ebenfalls völlig normal und nachvollziehbar.
    Ich habe in meinem Berufsleben auch einige Male das Fernsehen bei mir gehabt - da haben wir uns auch alle nach Kräften angestrengt, dass die Öffentlichkeit von uns einen guten Eindruck erhielt.
    Auch in meiner Zeit als Messdiener haben wir z.B. die großen und seltenen Liturgie des Gründonnerstags oder der Osternacht vorher im Beisein unseres Kaplans besprochen und geübt.
    Ähnlich dürfte es doch mit Chören sein: Niemand möchte sich doch öffentlich blamieren...

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  5. Sehr geehrter Herr Diasporakatholik, da habe ich vollstes Verständnis! Es gibt ja gerade an Hochfesten sehr zahlreiche Gelegenheiten, besonders großartige Gottesdienste mitzuerleben. An Christi Himmelfahrt war ich auf dem Festhochamt mit unserem Bischof Felix Genn. Wir haben vorher nicht geübt, aber es war wunderbar. Natürlich gab es jede Menge Vorbereitungen vorher. Eine gute Liturgie muss auch intensiv vorbereitet werden. Als Sänger in einem Cäcilienchor spreche ich da aus Erfahrung. Wir üben viele Stunden, bevor wir dann zum Beispiel ein Festhochamt mitgestalten. Allerdings braucht im Regelfall nichts inszeniert zu werden. Wir haben so viele Domkirchen, aus denen Festhochämter übertragen werden, oft auch aus Rom. Ich empfehle Ihnen EWTN Fernsehen, auch im K-TV wird übertragen. Oft sind es Liveübertragungen aus Rom.

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