Mittwoch, 20. September 2017

Auch in Korea gibt es Katholiken

Derzeit ist das geteilte asiatische Land im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Während Südkorea uns mit Smartphones, Flachbildfernsehern und Autos beglückt, bedroht Nordkorea die Welt mit einem Atomkrieg und schießt dazu testweise Raketen durch die Gegend. Die Weltgemeinschaft steht dem ratlos gegenüber und der amerikanische Präsident droht seinerseits Nordkorea mit "vollständiger Vernichtung".

Da gerät ein wenig in den Hintergrund, dass auch in Korea Christen leben. Heute gedenkt die Kirche koreanischen Märtyrern, dem hl. Andreas Kim Taegon und dem hl. Paulus Chong Hasan und Gefährten. Der hl. Andreas Kim wurde als erster Koreaner zum Priester geweiht und wurde gefangen genommen, gefoltert und enthauptet, weil er versucht hatte, Missionare ins Land zu bringen. Der hl. Paul Chong war Laienprediger und Katechet. Er wurde ebenso wie 103 weitere Märtyrer verfolgt und am Ende gehängt.

Möge ihr Märtyrerblut und ihre Fürsprache erwirken, dass der Koreakonflikt friedlich beendet wird und die Einheit des Landes wieder hergestellt wird. Vereinen wir uns mit unseren koreanischen Schwestern und Brüdern im Glauben im Gebet um Frieden.

Mehr zu den koreanischen Heiligen in >Ökumenisches Heiligenlexikon ...

Montag, 18. September 2017

Die Schwierigkeit mit Barmherzigkeit und Gerechtigkeit

Am gestrigen >Sonntag (24. Sonntag im Jahreskreis) stand das Thema "Barmherzigkeit" wieder auf der Predigtliste. Es ging um das Evangelium (Mt 18, 21-35) mit der berüchtigten Frage des Petrus an Jesus:

"Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal?"

Die Antwort des Herrn lautet bekanntermaßen: "Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal." Das soll jedes Mal heißen. Jesus stellt seine Antwort nicht unter Bedingungen, etwa, dass der Übeltäter sich vorher entschuldigt hat oder seinen Schaden beglichen hat. Unsere Barmherzigkeit gegenüber anderen soll grenzenlos sein.

Unser indischer Pfarrer predigte beim gestrigen Sonntagshochamt genau in diese Richtung und innerlich spürte ich zunehmenden Widerwillen, je länger ich mir seine Worte anhören musste. Ist es nicht ungerecht, jede Widerwärtigkeit mir gefallen lassen zu müssen? Auch von Leuten, die das gar nicht bereuen und eventuell es noch einmal machen würden? Muss ich wirklich die zweite Backe hinhalten, wenn mir jemand eine Ohrfeige gibt?

Mir ging dies genauso gegen den Strich, wie zu früheren Zeiten der Alten Messe so manchem Messbesucher die endlosen Bußpredigten mit Androhung fürchterlicher Fegefeuer- und Höllenleiden, wenn man für seine Sünden nicht Buße leistet und sie nicht ordnungsgemäß bereut und beichtet. Damals ging es um die Gerechtigkeit, die ebenso grenzenlos gilt, wie die Barmherzigkeit. Die Wahrheit von der grenzenlosen Gerechtigkeit und als Konsequenz auch die Möglichkeit der Hölle wird in der Kirche der Gegenwart ja leider so ziemlich tabuisiert, stattdessen wird immer nur von Barmherzigkeit geredet. Im >Heiligen Jahr der Barmherzigkeit wurde dies sogar ein ganzes Jahr lang getan!

Die Barmherzigkeit ist vordergründig ja auch ein viel schöneres Thema, vor allem wenn sie einem selbst gilt. Es ist angenehmer, Barmherzigkeit zu bekommen als selber Barmherzigkeit zu spenden. Wenn man es allerdings genauer betrachtet, ist Barmherzigkeit mit Gerechtigkeit untrennbar verbunden, wie auch aus dem nachfolgenden Gleichnis des Königs, der seinem Knecht die Schuld erläßt, hervorgeht. Der König erwartet von seinem Knecht Barmherzigkeit, weil dieser selbst Sünder ist und nur aufgrund von Vergebung leben kann.

Um vergeben zu können, muss ich mir meiner eigenen Schuld bewusst sein, die mir vergeben wurde. So kann ich aus meinem Egoismus heraustreten und aus Liebe und Dankbarkeit zu Gott jemand Vergebung schenken, der es genauso wenig wie ich verdient hat. Dieser schwierige Kampf um christliche Demut dauert wohl das ganze christliche Glaubensleben lang. Ohne diesen Kampf wird man weder in der Barmherzigkeit noch der Gerechtigkeit Fortschritte machen.

Wenn man das Evangelium des gestrigen Sonntags noch einmal liest, dort werden im Gleichnis die Konsequenzen unbarmherzigen (und letzten Endes auch ungerechten) Verhaltens keineswegs tabuisiert. Der Herr droht mit Folter, bis die ganzen Schulden bezahlt sind.