Donnerstag, 3. August 2017

Gespräch am Gartenzaun über "Gott und die Welt"

Ich treffe gerade in der entfernteren Nachbarschaft einen Mann, der in seinen Garten arbeitet und wir kommen am Gartenzaun ins Gespräch.

Sagt der Mann: "Ob das mit der Klimaerwärmung so stimmt, weiß man auch nicht."
Ich frage: "Glaubst du denn nicht an die Klimaveränderung?"
Er: "Doch, aber die ist nicht menschengemacht. An den Autos kann es jedenfalls nicht liegen, das sind zu wenige. Wenn, dann liegt es an den vielen Schornsteinen."
Ich werfe ein: "Ach so. Aber die Mehrheit der Wissenschaftler ist doch der Meinung, dass es tatlächlich eine durch den Menschen verursachte Klimaerwärmung gibt."
Er erwidert: "Ja, aber Trump sagt was anderes. Und ich glaube, dass man uns nicht die Wahrheit erzählt."
"So?" frage ich. "Ja," meint er. "Es hat immer schon Klimaveränderungen gegeben, das ist völlig normal."

Und dann schwenkt er auf den Glauben um: "Auch das, was die Kirche uns immer so erzählt hat, weiß man auch nicht, ob das so stimmt.  Da war der Moses mit den zehn Geboten, aber vor ihm waren auch schon Propheten, die hatten noch viel mehr davon. Und der Moses hat sie auf zehn verkürzt, das kann man sich leichter merken."
Ich frage ihn: "Kannst du mir den alle Gebote aufzählen?"
"Nö, alle bekomme ich nicht hin," antwortet er, "aber da war dann der Jesus, der hat alle auf ein Gebot verkürzt, das Gebot der Nächstenliebe. Der kam damit aber gar nicht gut an, deshalb hat man ihn ans Kreuz geschlagen. Ob der Jesus wirklich keine Frau hatte, weiss man auch nicht so genau ...."

Ich werde immer ruhiger, will keinen Streit entfachen Es hat wenig Sinn, den Mann über den Glauben aufzuklären. Er war mal Lehrer, er ist jetzt in Rente. Und er war mal römisch-katholisch. Obwohl: Ausgetreten ist er aus der Kirche nie.

1 Kommentar:

  1. Diasporakatholik4. August 2017 um 14:12

    Ja, solche Menschen habe ich auch im beruflichen Umfeld und in der Nachbarschaft kennengelernt.

    Ihr Kenntnisstand gleicht einem allmählich zusammengetragenen aber von ihnen sorgsam gehüteten und kultivierten Sammelsurium von oft billig-hanebüchenen Thesen vom Flohmarkt der Meinungen neben manchmal einzelnem Richtigen:

    Alles wirr durcheinandergeworfen im Hirnkastl und auch das wenige Zutreffende oft irgendwie mit dem geistigen Mist verknäult, beschmutzt, verkratzt oder verbeult durch die zahlreichen unsinnigen Vorurteile.

    Ihr Credo häufig:

    "Nix genaues weiß man [eh] nicht."

    Wie mit solchen Menschen umgehen?

    Vielleicht trifft hier die Mahnung des Herrn zu, keine kostbaren Perlen (= Wahrheiten) vor die Säue zu werfen, die sie doch nicht schätzen und erkennen [können], sondern sie zer- und in den Dreck hinein treten.

    Ich denke an einen jetzt 85jährigen ehemaligen Nachbarn, einst ein im Ort bekannter und geachteter Baustatiker, vor Jahrzehnten schon aus der RKK ausgetreten und Atheist, wofür er die Theodizee in Folge schlimmer Kriegserlebnisse als Jugendlicher verantwortlich machte.

    Mittlerweile lebt er im Pflegeheim.

    Wir haben mit ihm ab und zu auch versucht, über den Glauben zu sprechen - das artete aber meist in ein Stammtischgelaber aus, bei dem man damit beschäftigt war, sich der unsinnigsten vorgebrachten Vorurteile verteidigend zu erwehren, ohne dass einem dabei richtig zugehört wurde; dann kam schon die nächste These...

    Meine Frau schenkte ihm mal eine geweihte wunderbare Medaille, die er über die Jahre wie einen Talisman sorgsam in seinem Portemonnaie verwahrte und uns gelegentlich stolz zeigte.

    Ich habe mir für mich seit Jahren angewöhnt, für ihn regelmäßig vor dem Sonntagsgottesdienst ein der heiligen Schwester Faustyna Kowalska vom Herrn zur Bekehrung von Sündern geoffenbartes Gebet zu beten:

    "Oh Blut und Wasser, aus der Seite Jesu Christi als Quelle der Barmherzigkeit für uns entströmt - ich vertraue auf dich."

    Übrigens:

    Der Zweifel an den anthropogenen Ursachen der Erdklimaerwärmung ist gerade in konservativen Kreisen nicht so selten.

    Ich habe vor einigen Monaten in einer Fernsehsendung von Prof. Schellnhuber (einer der Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung) einen einleuchtenden bildlichen Vergleich zum Problem der Erdatmosphärenerwärmung gehört:

    Er vergleicht dabei die Erde mit dem menschlichen Körper, der bekanntlich eine gar nicht so geringe Eigentemperatur von im Schnitt 37 Grad hat. Ein geringer Anstieg von nur 1 Grad wird noch gut verkraftet, während bei 2 Grad Anstieg und mehr schon erhebliches Unwohlsein und gesundheitliche Auswirkungen auf den Körper zu verzeichnen sind. Noch höherer Anstieg um ein weiteres Grad auf 40 Grad Körpertemperatur gibt massive Gesundheitsprobleme und jeder auch nur geringfügige weitere Temperaturanstieg wirkt lebensbedrohlich und führt schließlich zum Tode.
    Analog verhält es sich mit nur scheinbar geringfügigen Erhöhungen der Atmosphären-Durchschnittstemperatur bzgl. der Klimafolgen für die Erde.


    Bzgl. der Einsicht und des Verständnisses der 10 Gebote und der Liebesgebote des Herrn (Gottes- und Nächstenliebe), unter die man die ersten 3 bzw. die folgenden 7 des Dekalogs zusammenfassen kann, braucht es wenigstens ein Mindestmaß an Interesse des Menschen, sich aus seinem bequemen Schneckenhaus von Desinteresse und Denkfaulheit bzgl. religiöser Fragen heraus zu bewegen.




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