Mittwoch, 5. Juli 2017

Das sterbende "C" im Regierungsprogramm der CDU

Wieviel "C" ist noch im Markenkern der CDU enthalten? Nicht nur bei dem politischen Ränkespiel um die Knall über Fall herbeigeführte "Gewissensentscheidung" für die sogenannte "Ehe für alle" im Bundestag entstanden Zweifel an ihrer christlichen Wertorientierung. Immerhin 75 von 310 CDU-Bundetagsabgeordneten, mehr CDU-Abgeordnete als Abgeordnete der Grünen und Linken, sprachen sich für die Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare aus und gaben damit den besonderen Schutz der Ehe von Mann und Frau auf. Ganz im Gegensatz zur Lehre der katholischen Kirche, nach dem die Ehe nur von Mann und Frau geschlossen werden kann.

Aber auch im kürzlich veröffentlichten >Regierungsprogramm der CDU 2017-2021 ist von einer Orientierung am christlichen Menschenbild nur noch am Rande die Rede. Ganz im Gegensatz zum vorherigen >Regierungsprogramm 2013-2017, in dem die CDUsich noch an mehreren Stellen ausdrücklich dazu bekannte:
" Denn als Parteien mit einem christlichen Menschenbild vertrauen wir den Menschen und ihren Entscheidungen. Rot-grüne Bevormundungspolitik lehnen wir ab."
"Die Entwicklungspolitik von CDU und CSU ist wertebestimmt und liegt zugleich im Interesse Deutschlands. Sie beruht auf unserem christlichen Bild vom Menschen und der Solidarität mit den Armen und Unterdrückten."
"Dieses Programm ist unser Angebot für einen erfolgreichen Weg in die Zukunft. Unsere Politik ist geprägt vom christlichen Menschenbild."
Im Regierungsprogramm 2017 bekennt sich die CDU hingegen nur noch an einer Stelle ausdrücklich zum christlichen Menschenbild:
"CDU und CSU verbindet das christliche Menschenbild, in dem der Mensch im
Mittelpunkt steht und die Würde des Menschen unantastbar ist. Uns eint ein
gemeinsames Wertefundament und das Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft.
Unsere Wurzeln sind christlich-sozial, liberal und konservativ. Auf dieser Grundlage
gestalten wir seit vielen Jahrzehnten erfolgreich Politik."
Dass sich die CDU längst nicht mehr am christlichen Menschenbild orientiert, zeigt sich an vielen Inhalten im Programm. Beispielhaft wird dies beim Thema Familie am deutlichsten:
"Familien und Kinder sind unser großes Glück. Wenn zwei Menschen füreinander da
sind und Verantwortung übernehmen, leisten sie einen Beitrag zu einer menschlichen
und stabilen Gesellschaft"
Hier wird offen gelassen, ob es sich um eine eine Partnerschaft von Mann und Frau handelt. "Weiter heißt es:
"Wir schreiben Familien kein bestimmtes Familienmodell vor. Wir respektieren die
unterschiedlichen Formen des Zusammenlebens. Menschen sollen selbst entscheiden,
wie sie ihr Zusammenleben gestalten und ihren Alltag organisieren..."
Auch hier distanziert sich die CDU ganz klar von einem christlichen zugunsten einen liberalen Verständnis vom Begriff der Familie.

Kommentare:

  1. Lehrer Lämpel9. Juli 2017 um 13:48

    In der Samstags-Ausgabe der "Tagespost" v. 08.07.2017 ist ein sehr informatives Interview mit dem Fraktionsvorsitzenden der Union Volker Kauder abgedruckt, das sich wirklich zu lesen lohnt.
    Nicht zu Unrecht verweist Herr Kauder u.a. auf Uneinigkeit selbst in bzw. zwischen beiden großen christlichen Kirchen hierzulande in manchen gesellschaftlichen Fragen und stellt seinerseits die kritische Gegenfrage, warum denn dann in der politischen C-Partei über solche Themen Einigkeit herrschen solle, über die sogar kirchlicherseits Uneinigkeit herrscht.

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    1. Vielen Dank ein in der Tat interessantes Interview der "Tagespost" mit Volker Kauder:
      Link: http://www.die-tagespost.de/politik/bdquo-Wir-sind-nicht-Kirche-ldquo;art315,179943

      Was Herr Kauder verschweigt: Es gab nie eine innerparteiliche Auseinandersetzung zum Thema Ehe. Bis wenige Wochen vor dem Sturzbeschluss galt die Devise: Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft und Ehe unterscheiden sich. Jetzt macht eine Gewissensentscheidung mit Unterstützung von 75 CDU-Bundestagsabgeordneten den Weg frei für die sogenannte "Ehe für alle". Darüber sind nicht wenige Parteifreunde von mir ebenfalls enttäuscht. So einfach ist dies nicht, wie Herr Kauder es meint.

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    2. Was Sie schreiben, ist durchaus richtig.

      Allerdings möge man nüchtern fragen und analysieren, ob und wo es denn überhaupt eine Alternative zur Union gibt, die wirklich konsequent ausschließlich christliche Werte und Politik vertritt und zugleich echte Chancen hat, im nächsten Bundestag vertreten zu sein - zudem mit Regierungsverantwortung.

      Grüne, Linke und SPD haben jedenfalls zu praktisch 100% für die Homoehe gestimmt.

      Zudem war es die SPD, die unter Bruch der Koaltionsvereinbarungen jetzt die Abstimmung gepusht hat unter Bildung einer rot-rot-grünen Linksfront, die im derzeitigen Bundestag eine Mehrheit von 10 Stimmen hat!

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    3. Herr Lämpel,da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Die anderen Parteien sind ohne Zweifel keine Alternative zur CDU. Das war aber auch nicht das Thema. Mir ging es um die Entwicklung der CDU von einer Volkspartei mit dem Markenkern christliche Wertorientierung zu einer rein liberal-konservativen Wohlstandspartei ohne christliche Wertorientierung. Und um die Frage, ob ich als Christ mich noch als Mitglied in dieser Partei weiterhin engagieren möchte.

      Dafür gibt es gute Gründe, aber zunehmend auch Gründe, die dagegen sprechen. Richtig ist, dass dreiviertel aller Abgeordneten der CDU gegen die Homoehe abgestimmt haben. Das darf man auch nicht unberechtigt lassen. Da ist es wichtig, dass Christen zu dieser Überzeugung auch stehen und in der CDU bleiben. Auf der anderen Seite: ein Viertel der CDU-Abgeordneten haben für die Homoehe gestimmt. Die Entwicklung ist unübersehbar.

      Als Wähler bleibt die CDU für mich von allen Parteien weiterhin die beste Alternative.

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    4. Leider geht es mit dem praktizierten Christentum hierzulande stetig bergab; das beobachte ich schon seit Langem mit wachsender Besorgnis bis hinein in das eigene soziale Umfeld, Pfarrei und die Familie.
      Die Unionsparteien als Spiegel der Gesellschaft machen da eben keine Ausnahme.

      Möglicherweise bewegen wir uns auf die u.a. in den Evangelien und in der Offenbarung beschriebene Endzeit mit weltweitem massenhaften Glaubensabfall zu.

      Nicht jedem ist es übrigens schon allein von seiten des Nervenkostüms gegeben, sich aktiv in der Politik zu engagieren.

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