Samstag, 22. April 2017

Kann das Gebet politisch sein?

Aktuell läuft gerade der AfD-Parteitag in Köln. Dies haben viele Gruppierungen zum Anlass genommen, gegen die rechtspopulistische Partei zu protestieren. Auch aus Teilen der katholischen Kirche gab es hierzu Aufrufe. Wenngleich ich selber politisch gegen die AfD aktiv bin und ihren fremden-, menschenfeindlichen und populistischen Forderungen kritisch eingestellt bin, betrachte ich solche Aufrufe immer mit ein wenig Bauchschmerzen. Warum sind diese Gruppierungen bei anderen  aus christlicher Sicht problematischen Themen so leise? Ich denke da an die Gentechnik, Sterbehilfe, Lebensrecht für Ungeborene, Armut, Terror, Kirche und Krieg, soziale und geistliche Verarmung von Teilen unserer Gesellschaft? Wäre es nicht unsere Aufgabe, überall unsere Stimme zu erheben?

Im Prinzip sollte jeder Christ sich bei allen Themen laut und vernehmbar im Sinne des Evangeliums einsetzen. Gegen eine Teilnahme jedes einzelnen Christen an Demos habe ich keine Einwände. Aber es ist nicht Aufgabe der Kirche, sich an Demonstrationen zu beteiligen. Es ist ihre Aufgabe, das Evangelium zu verbreiten. Das Gebet kann eine Quelle eines politischen Handelns eiens Christen sein sein, denn es ist die Quelle der Liebe, in der Gott uns zuerst begegnen und segnen möchte. Das Gebet ist als erstes einmal das "Gespräch" zwischen dem Beter und dem Allmächtigen. Kann es zugleich Instrument politischen Handels werden?
  • die Fürbitte, das Gebet im Anliegen anderer Menschen hat eine lange Tradition: Schon Mose bittet Gott um Gnade für sein treuloses Volk. Das Gebet für Kranke, Verfolgte und Verstorbene ist fest verankert im Glauben der Kirche. 
  • Eine sehr politische Mission hatte zum Beispiel die Gebetsgemeinschaft ">Sühnekreuzzug für den Frieden der Welt", die 1947 in Wien gegründet wurde. Nicht wenige schreiben dieser Gebetsgemeinschaft den "Erfolg" zu, dass 1955 den Staatsvertrag erhielt, welches dem Land die Unabhängigkeit zusicherte. Leider "reichte" die Zahl der Beter nicht aus, den Bau der Mauer in Deutschland im Jahr 1962 zu verhindern..
  • dem Beten und Wirken des hl. Papst Johannes Paul II. schreiben nicht wenige zu, dass die Teilung Europas wieder aufgehoben wurde.
  • Auf dem Katholikentag 1968 in Essen wurde das "Politische Nachtgebet" Teil der "Liturgie", wie >Wikipedia ausführt, aus der eine "gottesdienstliche Tradition" entstanden sei. Diese "ökumenische Gebetsgemeinschaft" wurde durch die Theologie von Dorothee Sölle geprägt, aber sowohl von der damaligen katholischen wie evangelischen Kirchenleitung kritisiert.
  • anlässlich des AfD-Parteitags in Köln hatten mehrere christliche Organisationen zu einem "Politischen Nachtgebet" aufgerufen. Der Generalsekretär des "Zentralkommitees der deutschen Katholiken" Dr. Stefan Vesper erklärte in einem Interview mit >domradio.de, es handle sich hierbei um eine "alte Gebetsform, die man in den 1960er bis 1970er Jahren entwickelt hat, die das politische Nachdenken und das politische Reflektieren  mit dem Gebet, dem "Sich-Vergewissern" und dem strittigen Gespräch verbindet."
Wobei ich nun wieder bei der Frage lande, was das nun mit dem Gebet zu tun haben soll? Leider gibt es keine Videos oder Berichte über diese Veranstaltung, aber ich bezweifele, dass hierbei überhaupt Gebete an Gott gerichtet wurden. Es handelte sich eher um eine öffentlichkeitswirksame Form des Protestes gegen die AfD.
5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 6 Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. 7 Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Macht es nicht wie sie; denn euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet. (Mt 6.5ff)
Was ist das Wesen des Gebetes? Es beinhaltet die Anerkennung des Allerhöchsten, der letztendlich allein weiß, was gut. Es besteht nicht nur aus dem Sprechen, sondern auch aus dem Hören auf den Willen Gottes. Die Anbetung Gottes führt dazu, dass "Frieden und Versöhnung" in uns wächst, wie auf Twitter eine Frau sehr schön formulierte. Sollte das Gebet das Gegenteil bewirken, ist dies ein Zeichen, dass unser Gebet nicht wirklich eines war, sondern etwas anderes.

Es kann nicht sein, dass Gebet als eine politische Waffe benutzt wird, zum Beispiel mit dem Rosenkranz an der Pforte einer Klinik gegen die Abtreibung zu protestieren und Leute beim Betreten der Klinik sogar zu nötigen. Was anderes ist es aber, im Anliegen des Schutzes ungeborenen Lebens einen Rosenkranz zu beten. Dabei wird es allerdings schnell zum Irrglauben, wenn der "Erfolg" dieser Gebetsaktion von unserem Gebet, nicht allein von der Gnade Gottes abhängig gemacht wird.

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