Freitag, 24. Februar 2017

Aus, Amen, Ende, wie geht's weiter mit der Kirche?

Wie sieht die Zukunft unserer Kirche aus? Das ist eine spannende Frage. Bei uns ist noch die Kirche im Dorf. Ich betone das Wort "Noch"! Genauer gesagt, wir haben in unserer kleinen politischen Südoldenburger Gemeinde sogar noch vier Kirchen für etwa 6.000 Seelen, an vier Kirchorten. Aber nur noch ein Bruchteil von den Katholiken geht überhaupt noch in die Kirche, sodass auch an uns der Zug der Zeit nicht vorbei gefahren ist. Ursprünglich gab es in unserer politischen Gemeinde vier Pfarrgemeinden mit je einer Kirche, Im Jahr 2008 wurden sie zu einer neuen gemeinsamen Pfarrei fusioniert. Geändert hat sich bislang wenig: wir haben vier Chorgemeinschaften, drei Musikvereine, vier Messdienergruppen, vier Frauengemeinschaften, Seniorengruppen, Landjugend, Kolping und und und. ...

Nur, zu den Gottesdiensten bleiben die Kirchen ziemlich leer. Im Grunde würde eine Pfarrkirche mit einer Vorabendmesse am Samstag und einem oder zwei Messen am Sonntag völlig ausreichen. Es müssten nur die vier Pfarrheime unbedingt bestehen bleiben, damit die vielen kirchlichen Vereine und Verbände ihre Heimat behielten. (Ironieaus)

Der ehemals Münsteraner Pfarrer Thomas Frings ist der Meinung, dass dies nicht so weiter gehen kann. In seinem neuen  Buch "Aus, Amen, Ende?" schreibt er über seine Gründe, warum er so nicht mehr Pfarrer sein kann und wie seine Vision einer neuen Pastoral aussehen sollte.  Da mich das rasend interessierte, habe ich mir das Buch gleich besorgt.

Frings skizziert die Pfarrei der Zukunft als Gemeinde, die sich nicht mehr territorial definiert. Von der Territorialpfarrei zur Entscheidungsgemeinde. Das meint, die Kirche darf noch im Dorf stehen, aber es dürfen alle Menschen Gemeinde bilden, die an ihr teilnehmen wollen. Menschen, die aus freien eigenem Willen kommen, nicht aus Gewohnheit oder Tradition. Dies können nach Pfarrer Frings sogar Ungetaufte sein. Die Gemeinde soll allen offen stehen, wer aber Sakramente empfangen möchte, muss dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Nun gut, frage ich mich, galt das nicht eigentlich schon früher einmal? Wer sein Kind taufen lassen wollte, musste versprechen, es im Glauben zu erziehen - Ansonsten wurde es nicht getauft. Wenn ein Kind zur Erstkommunion zugelassen werden sollte, dann war regelmäßige Teilnahme seiner Familie an den Sonntagsmessen Voraussetzung. Das Gleiche galt für die Firmung.

Die Regel, dass nicht mehr jeder zu allen Sakramenten zugelassen wird, kann man sehr schnell einführen. Ob man dies durchsetzen kann, ist die andere Frage. Der Schritt zur Entscheidungsgemeinde erledigt sich aber von selbst, wenn mehr und mehr Pfarreien zusammengelegt und Kirchen profanisiert werden müssen, weil sie nicht mehr genutzt werden und auch die Kirchenfinanzen uns dazu zwingen. Sie erledigt sich, wenn die Volkskirche endgültig gestorben ist und nur noch diejenigen übrigbleiben, die das aus eigenem Antrieb wollen,

Weil sie in der Gemeinde das finden, was uns Kraft, Mut, Liebe und Hoffnung bringt; Die Gemeinschaft mit den Herrn aus den Sakramenten und die Gemeinschaft mit Menschen, die daraus schöpfen. Dennoch ist das Buch lesens- und empfehlenswert, besonders für alle diejenigen, die sich mit Pastoralplänen auseinandersetzen.

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