Sonntag, 2. Oktober 2016

Katholische Fischzellenkur in der Gebetsstätte Heede

Muttergottes Maria, in Heede
Königin des Weltalls
und Königin der armen Seelen
Ab und zu braucht jeder Gläubige eine "Fischzellenkur" im Glauben. Im säkularen Alltag ist es schwer, fest im Glauben zu stehen. Zuviele Einflüsse stürmen auf uns ein. Die Medienwelt trägt das ihre dazu bei. Auch im Pfarralltag fehlt es häufig an der Freude am Glauben. So ist es gut, regelmäßig eine Wallfahrt an eine Gebetsstätte zu unternehmen.

Ein solcher Ort ist die Gebetsstätte St. Petrus Heede im Emsland. Sie liegt 85 km von meinem Wohnort entfernt. Einmal im Monat findet dort eine Anbetungsnacht statt. Sie beginnt mit einer eucharistischen Anbetung mit Vesper und dem Rosenkranzgebet. Anschließend findet eine hl. Messe und eine Lichterprozession statt. Während der Nachtanbetung stehen mehrere Priester für die Beichte zur Verfügung.

Leider hatte ich in den letzten Monaten keine Zeit, nach Heede zu fahren. Andere Verpflichtungen hinderten mich daran. In letzter Zeit hatte ich privat und beruflich viel um die Ohren. Am Wochenende bin ich meistens journalistisch tätig. Hinzu kam der Kommunalwahlkampf in Niedersachsen und meinem Dorf, den ich ebenfalls begleitete.

Natürlich bemühte ich mich, meine Gebetsroutine beizubehalten und regelmäßig in die hl. Messe zu gehen. Aber es wurde halt zur Routine. Eigentlich ist dies etwas Gutes. Jede Gewohnheit bringt letztendlich auch Halt, weil man sonst  Gefahr läuft, Wichtiges aus den Augen zu verlieren. Auf der anderen Seite kann Routine auch dazu führen, dass man nicht mehr sich auf das Wesentliche konzentriert. Das Gebet und die Teilnahme an den Gottesdiensten wird dann schnell oberflächlich, aus einem Herzensgebet eine rein mündliche Pflichterfüllung.

An diesem Samstag aber nutzte ich die Gelegenheit zu meiner Frischzellenkur in Heede. Während meiner einstündigen Fahrt betete ich den Rosenkranz und war pünklich vor der Vesper in der Gebetsstätte. Schon beim Betreten der Wallfahrtskirche fiel mir die eigentümliche Atmosphäre dieses heiligen Ortes auf, an dem so viele Menschen gebetet und unzählige Sakramente gespendet wurden. Nach ein paar Minuten der Stille und Besinnung ging ich zur Beichte, da ich seit längerem etwas auf dem Herzen hatte. Ich trug mein Anliegen vor, was mich seit langem bereut hatte.

Mit dem Verlauf dieser Beichte hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Mein Beichtvater gab mir einen ganz anderen Blick auf meine Sünde, in der sich die liebevolle Barmherzigkeit Gottes widerpiegelt. Er kennt den ganzen Zusammenhang unserer Schwächen und Fehler und schenkt uns die befreiende Vergebung. Dankbar und befreit kehrte ich aus dem Beichstuhl zurück.

Gerade hatte die Vesper begonnen, in die ich nun einstimmte und mich vom eucharistischen Herrn betrachten und segnen ließ. Es schloss sich die Betrachtung des glorreichen Rosenkranzes an. Anschließend gab es dann vor der heiligen Messe einen eucharistischen Segen. Die Messe verlief auch sehr feierlich. Die Lieder waren mir zum Teil sehr fremd aber sehr schön, Das Emsland zählt zum Bistum Osnabrück, während Südoldenburg Teil des Bistums Münster ist. Ziemlich unkonventionell war die Predigt des Pfarrers, der wie ich aus Südoldenburg kommt. Ich kann sie nicht widergeben. Mein Bloggerkollege Mons Corpasini hätte dies als Germanist sicher hinbekommen. Die Homilie ging um das Thema "Was ist der Glaube" und hatte die Spannbreite vom Senfkorn über Pontius Pilatus bis zu einem wertvollen Aschenbecher als Gefäß des Glaubens oder so ähnlich.

Ich verstand so viel, dass Gott unbegreiflich ist, auch Heilige die Erfahrung der Nacht im Glauben hatten und solange "aus ihrer Haut geschält" wurden, bis sie sich ganz mit dem göttlichen Willen vereinen ließen. Das Facit war für mich, dass Gott unbegreiflich bleibt und wir darauf angewiesen sind, dass er uns mit dem Glauben und seiner Gnade beschenkt.

Schließlich ging die Gemeinde zur Kommunion. Ich sah, wie viele sich die Mundkommunion spenden ließen. Normalerweise empfange ich die Handkommunion. Bei uns ist dies so üblich. Aber neben mir knieten junge Leute sich hin, so tat auch ich es und empfing wie sie vom Priester die Mundkommunion.

Nach der feierlichen Messe startete die Lichterprozession, die bei der Marienstatue, der Königin des Weltalls und Königin der armen Seelen ihren Höhepunkt fand. Ich war von dieser Darstellung der Gottesmutter fasziniert und wollte dies mit meinem Smartphone festhalten. Da ich in der Hand die Wallfahrtskerze in der Hand hielt, gestaltete sich dies schwierig. Ich bemerkte gar nicht, dass dabei die Hülle meiner Lampe in Brand geriet. Meine Nachbarn warnten mich, bevor etwas Schlimmeres passieren konnte, und ich pustete schnell das Feuer aus. Zum Glück ging alles gut.

Ich ließ auf mich die Gesänge und die lauretanische Litanei einwirken, die alle Menschen um mich herum sangen und beteten.  Am Ende verweilte ich noch einen Moment an diesem Ort, bevor ich nach Hause fuhr.

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