Mittwoch, 19. Oktober 2016

Ein fragwürdiger Streit über die Zahl der hl. Messen in einer Pfarrei

Heute ist ein sehr großer Bericht in der Oldenburgischen Volkszeitung über Einschnitte in der Gottesdienstordnung in der Pfarrei St. Johannes Baptist Steinfeld / Holdorf. Ähnlich wie in unserer gleichnamigen Pfarrei in Bakum gibt es mit Steinfeld, Holdorf, Mühlen und Handorf-Langenberg vier Kirchspiele. Die Pfarrgemeinde in Steinfeld ist allerdings erheblich größer. In den politischen Gemeinden Holdorf und Steinfeld wohnen mehr als 16.000 Menschen, in der Gemeinde Bakum mit ihren vier Kirchorten Bakum, Vestrup. Lüsche und Carum gerade ca. 6.000 Einwohner. In Steinfeld stehen neben den eremitierten Pfarrern drei Priester, in Bakum zwei Priester zur Verfügung.

In Steinfeld soll die Zahl von neun heiligen Messen am Sonntag einschließlich der Vorabendmesse am Samstag auf sechs reduziert werden. Der Pfarrer begründet dies laut Zeitungsbericht mit der Überlastung der Priester. In der Woche habe es statistisch 26 Messen gegeben. Dies sei mit den Priestern, Küstern und Organisten nicht mehr zu leisten, wird der Pfarrer zitiert. Die Gottesdienstordnung sei sogar schon vor dem Kollaps gestanden, weil Seelsorger erkrankt seien. Eremitierte Priester könnten aus "Fürsorgepflichten" nicht in den Regelgottesdienstplan eingeplant werden.

Nun streitet jede der ehemals selbständigen Pfarreien in der Großpfarrei Steinfeld um ihre angestammten Messzeiten. Die Diskussion kommt mir auch in Bakum sehr vertraut vor. Wenngleich es über die Änderungen unserer Gottesdienstordnung bislang keinen großen Bericht gab. Intern soll es aber die gleiche Diskussion geben, höre ich aus internen Kreisen. Oft denke ich mir, wenn ich in einer unser vier Kirchgebäuden mit einem kleinen Häuflein Menschen im Werktagsgottesdienst und auch im Sonntagshochamt sitze, dass es eigentlich viel zu viele Messen gibt. Wenn man nach der Besucherzahl geht, könnte man sicher mit einer oder zwei Messen am Sonntag und einer Vorabendmesse am Samstag den Bedarf bei uns in Bakum völlig abdecken.

Der Streit um heilige Messen im eigenen Dorf kommt mir in Anbetracht leerer Kirchen sehr fragwürdig vor. Wäre nicht das größte Argument für mehr heilige Messen, dass die Menschen keinen Platz mehr in den überfüllten Kirchen finden? Natürlich ist jede heilige Messe unendlich kostbar, gleich wie viele Menschen daran teilnehmen. Denn Christus wird im Sakrament angebetet und verherrlicht. Die Menschen, die aber sich dafür einsetzen, dass an ihrem Dorf dieses wunderbare Ereignis weiterhin stattfindet, sollten vor allem dafür trommeln, dass möglichst jeder (katholische) Christ auch tatsächlich an der heiligen Eucharistiefeier teilnimmt, wann immer sie gefeiert wird.

Doch vielen geht es gar nicht mehr darum. Es geht oft um etwas anderes. Dass es in einem Ort noch eine Pfarrei gibt, ist für viele ein Prestige. Orte verbinden damit ihren Stolz auf eine lange Geschichte und die Bedeutung, die sie mit ihrer Kirche gewannen. Nicht ohne Grund heißt es: "Bei uns ist die Kirche noch im Dorf!"

Der erste Knick im Identitätsbewusstsein eines Dorfes entsteht, wenn die Pfarrei ihre Selbstständigkeit  verliert. Und wenn in der Dorfkirche keine (regelmäßigen) Messen mehr gefeiert werden, dann ist dies ein weiterer Bedeutungsverlust für viele Orte. Wie voll die Kirchen sind, spielt hierbei für die wenigsten Leute eine Rolle. Um den Erhalt des Messstandortes kämpfen selbst Leute, die nur sehr unregelmäßig oder gar nicht in die Messe gehen, Sogar viel Geld wird gesammelt, damit die Kirche weiterhin im Dorf bleibt. Ich habe dies bei einer Filialkirche in unserer Pfarrei schon beobachtet. Leider wird aber die Kirche dort sonntags und werktags zu den Gottesdiensten nur schwach besucht. Was nützt da noch so viel Geld?

Leere Kirchen sind ein Zeichen, dass die Menschen den Herrn missachten, der sich ihnen in der Eucharistiefeier und Sakramenten verschenken will. Wo die hl. Messen nicht mehr besucht werden, da werden auf Dauer auch die Kirchen verschwinden, egal wie viele Pastoralgremien sich darüber den Kopf zerbrechen. Der Steinfelder Pastor verwies auf diese nicht weg zu diskutierende Tatsache der sinkenden Kirchbesucherzahlen. "Das, worüber wir hier diskutieren, interenssiert nur noch 15 Prozent unserer Gemeindemitglieder," soll er gesagt haben. Eine deutlichere Mahnung kann es für die Leute nicht geben, die weiterhin ihre Kirche im Dorf erhalten wollen.

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