Sonntag, 16. Oktober 2016

Die Mutter der Barmherzigkeit lehrt uns den Lobpreis und das Genießen!

Zwei Mal jährlich trifft sich unsere Gebetsgemeinschaft "Lebendiger Rosenkranz" zum gemeinsamen Gebet mit geistlichem Vortrag. Diesmal fand dies Treffen im Marienwallfahrtsort Bethen bei Cloppenburg statt. Zu unserer Gruppe in der weltweiten Gebetsbewegung "Lebendiger Rosenkranz" zählen hunderte von Betern von der Nordseeküste bis zum Münsterland.

Obwohl das wunderschöne Herbstwetter lockte, es noch einmal vor der langen Winterzeit in schöner Natur zu genießen, entschloss ich mich, mir dieses Treffen nicht entgehen zu lassen. Dafür gibt efür mich zwei gute Gründe: Zum einen werden alle Mitglieder der Gebetsgemeinschaft zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Einige Frauen sorgen für eine reichhaltige Kaffeetafel mit jede Menge Kuchen gebacken wie bei "Muttern". Davon habe ich mich auch diesmal wieder mit vier (!) Stücken reichlich bedient (ich hoffe, unser Pastor, der der geistliche Leiter der Gebetsgruppe ist, liest nicht mit.)

Nein, ich bin natürlich nicht hauptsächlich zum Gebetstreffen gefahren, um mir den Bauch vollzuschlagen. Aber das schöne am katholischen Glauben ist, das man ihn mit Leib und Seele feiert. Zum Gebet gehört auch das gemeinsame gemütliche Beisammensein mit Glaubensgenossen. Und wann ist man schon mit so vielen Menschen zusammen, die ernsthaft am Glauben und am Gebet interessiert sind! Es waren gefühlt wohl an die 200 Leute ins Bether Wallfahrtsheim gekommen.

Der Hauptgrund der Teilnahme ist neben dem gemeinsamen Gebet der geistliche Vortrag, der in diesem Jahr von dem Pfarrer von Halverde Peter van Briel gehalten wurde. Das Thema seines Vortrags war "Maria, die Mutter der Barmherzigkeit" Pfarrer van Briel griff damit gleichzeitig das Thema des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit auf, welches in diesem Jahr begangen wird. Leider habe ich mir keine Notizen von diesem wirklich gelungenen Vortrag gemacht, sodass ich ihn nur bruchstückhaft wiedergeben kann.

Barmherzigkeit sei ein für viele Menschen ein Begriff, mit dem sie Schwierigkeiten hätten, führte Pfarrer van Briel aus. Die meisten Christen glaubten zwar grundsätzlich an den barmherzigen Vater. Dieser Glaube setze allerdings voraus, dass man seine eigenen Fehler und Schwächen gegenüber dem göttlichen Vater zugibt. In unserer Zeit neige man allerdings zum Gegenteil: Es sei üblich, dass heute alles und jeder Mensch kritisch beurteilt wird. Man sei darin geübt, die Fehler anderer gnadenlos aufzudecken. Gleichzeitig führe diese Haltung aber dazu, dass man mit der gleichen Reaktion anderer auf die eigenen Fehler und Schwächen rechne. Aus diesem Grund würden viele Menschen immer häufiger ihre eigene Schuld verdrängen. Sie würden sich mit einer harten Haut ummanteln, die keine Versöhnung mehr zuließe.

Ein Indiz sei auch die Krise des Beichtsakramentes. Denn hierbei müssten die Menschen ihre Fehler Gott offen bekennen. Und nicht nur das: Sie müssten dies auch noch einem Priester gegenüber tun, ein öffentlicher Akt. Eine Reaktion vieler Zeitgenossen sei, dass man die Umstände anführen würde, die zur eigenen Fehlleistung geführt hätten. Und überhaupt, im Grunde sei man ja ein guter Mensch. Abgesehen von den kleinen Fehlern, die man habe. Der liebe Gott müsse sich doch freuen, wenn man zu ihm betet oder vielleicht mal an einer heiligen Messe teilnimmt.

Diese Einstellung sei allerdings grundverkehrt. Gott sei von unserer Gegenwart und unserem Gebet nicht abhängig. Vielmehr seien wir auf SEINE Barmherzigkeit angewiesen. Wir müssten wieder erlernen, den göttlichen Herrn um Erbarmen zu bitten. Diese Fähigkeit zur Demut gegenüber Gott würde auch uns helfen, die Schwächen und Fehler unserer Mitmenschen zu akzeptieren, Ein Vorbild für uns sei die Gottesmutter Maria. Obgleich sie ohne Sünde geboren sei, sei sie sich mit jedem Atemzug bewusst gewiesen, dass sie völlig angewiesen auf Gott sei. Denn Gottes Gnade verdanke sie, dass sie ohne Sünde geboren sei und so zur Mutter des Gottessohnes werden konnte. Sie sei die Mutter all jener, die auf die Barmherzigkeit Gottes vertrauen.

Pfarrer van Briel gab uns zwei Tipps, wie wir Barmherzigkeit in unserem Leben mehr Raum gegeben können. Zum einen gab er den Rat, den Lobpreis immer mehr einzuüben. Der Lobpreis sei die Gegenhaltung zur Kritik. Wir sollten in jeden Menschen die guten Eigenschaften suchen und sie dafür loben. Dies sei sehr wichtig, wenn man in den Himmel will. Denn im Himmel gebe es keinen Streit und Wettkampf mehr. Dort sei die Freude, Liebe und Herzlichkeit untereinander und der Lobpreis Gottes Programm. Zum anderen empfahl er uns einzuüben, das Gute am Leben zu genießen. Diejenigen, die auch in der Ewigkeit an ihren Pläne, Ziele und Vorstellungen festhalten wollten, müssten spätestens im Himmel feststellen, dass dies dort nicht mehr gefragt sei.

Auch hierin sei die Gottesmutter für uns ein leuchtendes Vorbild: Im Lopreis Gottes (Magnificat) und in der Freude an der Heilsgeschichte ihres auferstandenen göttlichen Sohnes, die sie im Gebet mit den Aposteln und Jüngern Christi teilte. Niemand sei enger mit Christus verbunden als sie. Auch für uns heute lebenden Christen sei sie die direkte Ansprechpartnerin, die uns in die Barmherzigkeit Gottes immer tiefer hineinführt.

Im Anschluss dieses wirklich gelungenen Vortrags feierten wir in der Basilika eine Rosenkranzandacht mit Mons. Költgen. Für mich, der den Rosenkranz fast ausschließlich alleine als "Einzelkämpfer" betrachtet, war dies auch ein sehr schönes Erlebnis, sich einfach in das gemeinsame Gebet fallen zu lassen. Also war unsere Andacht gleich gute Gelegenheit, das Genießen und den Lobpreis gemeinsam mit der Gottesmutter einzuüben.

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