Freitag, 5. August 2016

Bänke raus, Stühle rein. Ein Experiment im Kirchenraum

Es soll ein Test bis Advent sein: In der Lohner Josefskirche sollen die Bänke durch Stühle ersetzt werden. Dies wurde einstimmig im Pfarreirat und Kirchenausschuss der Lohner Pfarrei beschlossen. Die Lohner versprechen sich davon mehr "Gestaltungsmöglichkeiten", zum Beispiel wenn der Altar für einen besonderen Gottesdienst in die Mitte der Kirche platziert werden soll. So zitiert die Münsteraner Bistumszeitung "Kirche+Leben" den Lohner Pfarrer. Und einen weiteren "nicht unwichtigen Nebeneffekt" soll dies auch haben: Der Bestand der nur 450 Meter von der Hauptkirche St. Gertrud entfernten Filialkirche St. Josef könnte dadurch gesichert werden, dass hier eine besondere Konzeption verwirklich wird, heißt es im Bericht. Hier zum Bericht auf kirchensite.de

Dazu fällt mir als erstes ein, dass die Leute dann während der hl. Messe nicht mehr knien können. Naja, das ist doch gar nicht so schlimm, könnte der eine oder andere einwenden. Die liturgischen Haltungen Stehen, Sitzen und Knien haben aber durchaus eine wichtige Bedeutung in der katholischen Liturgie. Auch wenn dies vielen Gläubigen nicht mehr bewusst ist und immer mehr Menschen dies nicht mehr so ernst nehmen. Besonders während des heiligsten Momentes, dem Hochgebet während der Eucharistiefeier, knien die Gläubigen wärend der Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi und des Leibes und Blutes Christi in der Gestalt des Brotes und Weines und bekunden damit ihre Demut vor dem allerheiligsten Sakrament.

Durch das Entfernen der Kniebänke wird auch den Gläubigen die Möglichkeit zur andächtigen Teilnahme an dem Messopfer erschwert, ist meine Befürchtung. Außerdem frage ich mich, was man mit dieser "besonderen Konzeption" erreichen möchte. Glaubt man, dass die Gottesdienste besser besucht werden, wenn man eine Kirche anders möbliert? Dagegen spricht, dass der Gottesdienstbesuch in evangelischen Gemeinden nicht besser als in katholischen Messen ist. Der Altar in der Mitte wird daran auch nichts ändern.

Auch in meiner Pfarrgemeinde stelle ich immer wieder fest, dass die wenigsten Gemeindemitglieder sich "um den Altar" drängen wollen. Während die Reihen direkt vorne vor dem Volksaltar meistens leer bleiben, sitzen die meisten Leute lieber in den hinteren Reihen. Auch jene, die jeden Tag in die Messe gehen. Und dies aus gutem Grund: Gott sieht jeden, auch dem Gläubigen in der letzten Bank, ins Herz.

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