Donnerstag, 9. Juni 2016

Rückzug der Priester aus der Trauer- und Begräbnispastoral?

Kirche und Begräbnis spielen in meinem Dorf (noch)
eine Bedeutung. Zum christlichen Begräbnis
 zählt für viele auch auch ein Priester.
Jetzt gibt auch das Bistum Münster bekannt, dass neben "hauptamtlichen Mitarbeitern" auch "Freiwillige" in Zukunft Trauergespräche führen und Begräbnisfeiern vorstehen sollen. Kurse sollen hierfür angeboten werden. Zum Bericht auf der Bistumshomepage ...

Nun ist ein Begräbnis, anders als die Taufe und die Ehe, kein Sakrament. Daher ist für die Leitung einer Begräbnisfeier grundsätzlich kein geweihter Diakon oder Priester erforderlich. Dennoch haben Beerdigungen vor allem im ländlichen Bereich noch eine ganz wichtige pastorale Bedeutung. Bei uns in den Dörfern finden immer noch große Beerdigungen mit 300 Trauergästen statt. Bislang war es immer üblich, dass diese Beerdigungen von einem Priester oder Diakon geleitet wurden.

Kirche wird von den Menschen  vor allem noch bei großen Beerdigungen und Hochzeiten wahrgenommen. Natürlich darf man auch übersehen, dass auch auf dem Land die Zahl der kleinen Urnengräber immer größer wird. Als Freund eines Bestatters bekomme ich durchaus mit, dass auch immer mehr eine Beerdigung auf einem Friedhof für überflüssig halten und ihre sterblichen Überreste in einem Friedwald verstreuen oder der Nordsee versenken lassen. Nicht wenige würden die Asche ihres lieben verstorbenen Angehörigen am liebsten im eigenen Garten verbuddeln. Das christliche Begräbnis verliert somit immer mehr an Bedeutung. Aber die meisten "Kirchensteuerzahler" erwarten von ihrer Kirche, dass sie sie bei den wichtigen Lebensabschnitten der Taufe (Geburt eines Kindes), Erstkommunion und Hochzeit auch beim Tod (Begräbnis) zur Seite steht. Selbst wenn man ansonsten gar nicht mehr am kirchlichen Leben teilnimmt.

Auf der anderen Seite muss man feststellen: Die Zeiten des Dorpfarrers, der sich um alle seine Seelen kümmern kann,  sind lange vorbei. Mit der Fusionierung vieler Pfarrgemeinden und der Betreuung immer größerer Seelsorgeeinheiten ist der Begräbnis- und Trauerdienst für viele Priester ein  Fulltimejob geworden. Unser Pfarrer musste diesen Dienst in den letzten Jahren alleine in allen vier Filialgemeinden unserer Pfarrei übernehmen und ist nun froh, dass sein indischer Mitbruder mit ihm den Begräbnisdienst teilt. Neben den Trauergesprächen zählen dazu das eigentliche Begräbnis und das anschließende Seelenamt. Wenn Priester nicht mehr beerdigen würden, wäre dies besonders in dieser Zeit sehr bedauerlich, in der so viele Gemeindemitglieder sterben, die noch treue Katholiken und regelmäßige Gottesdienstteilnehmer waren. Sie hätten es verdient, dass ein Priester noch sie auf ihrem letzten Weg begleitet.

Fazit: Der Rückzug der Priester aus der Begräbnispastoral verstärkt den Verfall der Trauer- und Beerdigungskultur und ist ein untrügliches Zeichen des Abschieds von der Volkskirche. Nicht wenige werden sich allerdings fragen, wozu sie noch die Kirchensteuer bezahlen, wenn ein Priester sie nicht einmal mehr auf ihrem letzten Weg begleitet.

1 Kommentar:

  1. Zumindest hauptamtliche Kirchenmitarbeiter sollten die Begräbnis leiten.
    Wir haben in unserer Verwandtschaft eine hauptamtliche Gemeindereferentin, die das seit geraumer Zeit macht.
    Warum auch nicht? Hier können wirklich auch mal die hauptamtlich Angestellten Frauen zeigen, was in ihnen steckt.

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