Montag, 20. Juni 2016

Die "Perlen des Glaubens", eine Art ökumenischer Rosenkranz? Mitnichten!

"Perlen des Glaubens" - der Rosenkranz und die
evangelische Gebetskette sollen den Glauben vertiefen
Der heutige Morgen begann für mich ganz im Zeichen der Okumene. Bei meinem Blick auf mein Tablet knallte mir ein dringlicher Aufruf des Kölner Kardinals Woelki auf <Facebook ins Auge. Er rief alle christlichen Gemeinschaften zur Einheit auf. Warum er in den Kommentaren dafür so viel Shitstorm ernten musste, bleibt mir schleierhaft. Was war daran so falsch, dass Kardinal Woelki beklagte, das Glaubenszeugnis wütde geschwächt, weil die Christen "nicht im Einklang" sprechen. Dabei habe uns Jüngern der Herr zur Einheit im Glauben aufgerufen.

In der zweiten Lesung des gestrigen 12. Sonntags im Jahreskreis wurde es uns im katholischen Hochamt verkündet: 


26
Brüder!
Ihr seid alle durch den Glauben
   Söhne Gottes in Christus Jesus. 
27Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid,
   habt Christus als Gewand angelegt. 
28Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie,
nicht Mann und Frau;
denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus. (Gal. 3, 26ff)
Die Taufe und unser gemeinsamer Glauben an den einen dreifaltigen Gott verbindet alle Christen, ob sie katholisch, orthodox oder evangelisch sind.   Entgegen den Willen Christi zerstreiten wir Christen uns so oft, statt uns zu einigen. Wie können wir unsere Streitereien überwinden? Indem wir auf den schauen, den wir "Heiland" nennen, durch unser Gebet. Es gilt also, dass Gebet wieder mehr zu fördern, dafür zu trommeln, dass die Leute sich in christlicher Spiritualität einüben. 

Als Katholik schätze ich das Rosenkranzgebet als eine Betrachtungsweise, in der wir uns die wichtigsten Stationen im Leben des Herrn an der Hand seiner Mutter Maria vergegenwärtigen. Das Rosenkranzgebet ist ein durch und durch biblisches Gebet. Der Rosenkranzbeter läßt sich an der Hand Mariens immer mehr in die Nähe Christi führen und übt sich ein in den Lobpreis Gottes. Als Geschenk erhält er Kraft und Gelassenheit, die er aus der Stille dieses Gebetes schöpft, in dass er sich nur hineinfallen zu lassen btaucht. So gesehen sind die Perlen des Rosenkranz für mich wahrhaft "Perlen des Glaubens".

Vor ein paar Tagen fiel mir - nein nicht >dieser Beitrag sondern >dieser Artikel  - auf katholisch.de auf. In ihm wurden evangelische "Perlen des Glaubens" vorgestellt, die auch von katholischen Christen verwendet werden. Das wäre doch eine tolle ökumenische Gebetsaktion, die katholische und evangelische Christen gemeinsam verbinden könnte. Die "Perlen des Glaubens", eine Art ökumenisch Rosenkranz? Ich fand dies spannend und sandte meinem Bruder, der evangelisch ist, einen Link zur Story. Umso überraschter war ich, als ich heute eine Sendung der lutherischen Versandgesellschaft mit dieser evangelischen Gebetskette erhielt. Ein guter Anlass, der Intention dieser evangelischen Gebetskette etwas intensiver auf den Grund zu gehen.

Der Kette lag auch ein Büchlein mit einer Erklärung bei, wie man diese Perlen interpretieren und für seine Gebetspraxis anwenden soll. Ich musste erst etwas suchen, bis ich christliche Elemente in ihr erahnen konnte. Die wichtiste und größte Perle ist die goldene "Gottesperle". Aus ihr wird allerdings nicht erkenntlich, dass wir den einen Gott in drei Personen, den Vater, Sohn oder Heiligen Geist meinen. Von einer Anrufung einer der drei göttlichen Personen Vater, Sohn Jesus Christus und Heiliger Geist ist in der beiliegenden Beschreibung keine Rede. Somit könnte man damit auch eine ganz andere Gottesvorstellung damit verbinden. Eindeutiger wäre anstelle der "Goldperle" vielleicht das Kreuz gewesen, das untrügliche Symbol des  christlichen Glaubens.

Außer der Gottesperle gibt es eine "Ich-Perle", die uns einlädt, über uns selbst nachzudenken. Desweiteren gibt es Perlen der "Liebe",  der "Gelassenheit", der "Nacht" und der "Stille", in der wir meditative Erfahrungen vertiefen sollen. Die "Taufperle" und die "Perle der Auferstehung" verweisen allerdings eindeutig auf urchristliche Glaubenselemente.

Die >"Perlen des Glaubens" stammen aus Schweden. Sie stehen jeweils für ein Glaubens- und Lebensthema, welches der Beter betrachtet. Sie sollen eine Art Katechismus bilden. in welchem man sich immer mehr vertieft. Das Glaubensband will auf diese Weise "Glauben greifbar machen" und "den Weg in christliche Traditionen" frei machen. Dem Beter steht es frei, den Perlen eigene persönliche Bedeutungen zuzuordnen. Einige Katholiken wandelten die blaue "Perle der Gelassenheit" in eine Marienperle um. Das passt insofern hervorragend, weil Maria ganz als Magd des Herrn ihren Willen mit dem Willen Gottes vereinte. Von der Geburt bis zum Kreuzestod blieb sie ihm in jeder Lebenssituation treu, bis am Kreuz.

Sicher ist die evangelische Glaubenskette ein empfehlenswertes Instrument, die eigene Lebens,- Gebets- und Glaubenspraxis zu reflektieren. Ein wenig erinnert mich dies an >ignatianische Gebetsübungen. Sie kann allerdings nicht mit dem Rosenkranzgebet verglichen werden, in dem wir die Geheimnisse des christlichen Glaubens betrachten, die Stationen des Heilswirkens Christi uns vergegenwärtigen und den Vater, Sohn und Heiligen Geist anbeten und preisen. Die "Perlen des Glaubens" auf evangelisch und auf katholisch unterscheiden sich fundamental. Während der Rosenkranz eine klar strukturierte Abfolge von Gebeten ist, gibt es diese klare Struktur bei der evangelischen Gebetskette so nicht. Sie lädt den Beter ein, für sich eine individuelle Betrachtungsform zu finden.

Beide Gebetsketten können das Gebetsleben auf ihre eigene Weise bereichern, ersetzen werden sie einander nicht. Wer kein Zugang zum marianischen Rosenkranz finden kann, für den könnten die "Perlen des Glaubens" vielleicht ein Zugang zum persönlichen Gebet eröffnen.

Kommentare:

  1. Ich bin skeptisch, dass sich "Die Perlen des Glaubens" im Gottesvolk durchsetzen werden. Sie sind schlicht gesagt zu uneindeutig und zu kompliziert zu beten.
    Ganz anders der klassische Rosenkranz: Der ist kinderleicht zu erlernen, biblisch fundiert und hat unbedingt auch einen gewissen meditativen Charakter.
    Wem insbesondere von evangelischer Seite der klassische Rosenkranz zu "marianisch" ist, könnte stattdessen den sog. "Rosenkranz der Barmherzigkeit" beten:
    Der geht auf die Christusvisionen der hl. Schwester Faustyna Kowalska zurück, wird mit einem herkömmlichen klassischen Rosenkranz gebetet und ist eindeutig christuszentriert.
    Er ist ebenfalls sehr leicht erlernbar.

    So wird er gebetet:

    Am Anfang beim Kreuz: "Glaubensbekenntnis, Vater unser, Gegrüßt seist du Maria"

    Bei jeder großen Einzelperle einmal:
    "Ewiger Vater, ich opfere Dir auf, den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Deines über alles geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, um Verzeihung für unsere Sünden und die Sünden der ganzen Welt zu erlangen."

    Bei jeder der je 10 kleinen Perlen:
    "Durch Sein schmerzhaftes Leidende Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt."

    Am Ende bei jeder der 3 kleinen Einzelperlen zum Kreuz hin je einmal:
    "Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterbliche Gott, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt."

    Dieser Barmherzigkeitsrosenkranz ist nicht nur sehr leicht erlernbar sondern dauert auch nicht lange.

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  2. Sorry, richtig heißt es:

    Bei jeder der je 10 kleinen Perlen:

    "Durch Sein schmerzhaftes Leiden habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt."

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