Mittwoch, 1. Juni 2016

Ist Rupert Neudeck ein neuer Heiliger der katholischen Kirche?

Diesen Eindruck könnte man bekommen, wenn man die offiziellen katholichen Websites und Auftritte in Facebook und Twitter verfolgt hat. Sehr ausführlich wurden die - anerkannt großen Verdienste - von Rupert Neudeck gewürdigt, zum Beispiel auf katholisch.de, dem Kölner domradio.de oder sogar auf dem Portal kirchensite.de des Bistums Münster. Ich habe mich gefragt, warum die katholischen Portale so ausführlichen Raum für seinen Nachruf in allen Medien bereit stellten, warum er den Lesern so sehr als Vorbild präsentiert wurde. Lag es daran, dass er, wie wir (erst) jetzt erfahren, katholischer Konfession war?

Unbestritten sind Neudecks Verdienste als Gründer des Hilfswerks "Cap Anamur" und als Friedensaktivist. Wenig wissen wir allerdings über die Motivation seines Schaffens. War er einfach ein Menschenfreund? Oder handelte es - wie bei der Mutter Teresa - sich um einen tiefgläubigen Menschen, der aus seinem Glauben heraus den Vernachlässigten, Hilflosen und Missachteten zuwandte, weil er in ihnen das Antlitz des Gekreuzigten erkannte? War er wirklich ein "Extremist der (christlichen) Nächstenliebe" wie Mutter Teresa, von der man dies auf jeden Fall behaupten kann?

In all den Jahren habe ich nie gelesen oder gehört, dass für Neudeck der christliche, geschweige katholische Glauben eine wichtiger Rolle in seinem Engagement für die Bedürftigen gespielt hat. Leider erfahren wir auch auf den offiziellen katholischen Portalen sehr wenig über Neudecks Glauben und seine Spiritualität. Auf katholisch.de wird nur sehr knapp berichtet, das "Gleichnis vom barmherzigen Samariter" habe Neudeck in den "Bauch getreten" und zu seiner rastlosen Hilfe angetrieben. "Du bist zuständig für die Not anderer Menschen. Jetzt, sofort", zitiert ihn das Kirchenportal.

So bleibt uns als Christen nur, wie für alle Verstorbenen, für ihn zu beten. Ganz gleich, ob er gläubig oder ungläubig, oder einfach ein Mensch wie wir vielen Unbedeutenden dieser Welt war, über die niemand reden wird, wenn wir einst in die Ewigkeit gegangen sind.

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