Samstag, 18. Juni 2016

Der Ärger um die aktuelle Äußerung des Papstes zur häufigenUngültigkeit kirchlicher Ehen

Viel Aufmerksamkeit erhielten kürzliche Berichte über eine Äußerung des Papstes, die meisten kirchlich geschlossenen Ehen seien "ungültig". >Bericht auf katholisch.de Der Papst soll dies damit begründet haben, dass vielen Brautpaaren zum Zeitpunkt der Trauung das "nötige Verständnis von Dauer und Verpflichtung einer Ehe" fehle. Dies sei aber eine wichtige Voraussetzung für die Gültigkeit der Eheschließung.

Ich nehme an, dass diese Äußerung als eine pastorale Antwort im Zusammenhang mit der Familiensynode zu sehen ist. Papst Franziskus hatte ja schon vor Zeit die kirchlichen Gerichte aufgefordert, dass Verfahren um Eheprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Einige "lehramtstreue" aber nicht unbedingt "papsttreue" Katholiken verärgert es sehr, denn sie befürchten die Aushöhlung des Ehesakramentes und kritisieren den Papst unverhohlen wie in diesem >Blog ...

"Nein, sagten wir uns,  was Gott verbunden hat, kann auch ein Papst nicht trennen. 
Vielleicht für ungültig erklären, aber nicht trennen….."

Der Verfasser dieses Blogs hat mich auf Twitter geblockt, aber über Retweets erfuhr ich von anderen Nutzern von diesem Artikel. Einige Nutzer empfahlen diesen Artikel als "lesenswert". Schön und gut, natürlich kann kein Papst trennen, was Gott verbunden hat. Aber der in diesem Blog versteckte Vorwurf, der Papst wolle die Auflösung gültig geschlossener Ehen zulassen und damit die Unauflöslichkeit der Ehe aufheben, ist schon absurd. Ebenso absurd ist es, wenn Eheleute sich angegriffen fühlen, bei denen niemand die Gültigkeit ihrer Ehe in Frage stellt. Ebenso widersinnig ist es, Ehepartner an ein Versprechen fesseln zu wollen, welches sie sich offensichtlich nicht bis zum Ende durchdacht gegeben haben.

Im Grunde kann doch niemand bestreiten, dass der Papst vollkommen recht hat, dass viele es mit der Bedeutung einer kirchlichen Ehe nicht so wirklich ernst nehmen, denn ansonsten käme es nicht zu dieser riesigen Zahl an Scheidungen. Die gleichen Leute, die die Papstäußerung mit einem Aufschrei des Entsetzens quittieren, larmentieren im nächsten Atemzug über die große Mehrheit der "lauen Konfessionskatholiken", die man im Grunde gar nicht an den Tisch des Herrn zulassen dürfte, und dies durchaus zurecht!

Niemand, der das Sonntagsgebot nicht einhält, der bereits vorher außerehlich mit seinem Partner zusammenlebt und liebt, der nicht betet, geschweige die grundlegenden Lehren der Kirche kennt und befolgt, kann gültig ein Ehesakrament spenden und empfangen. Für mich ist der eigentliche Skandal nicht die aktuelle Äußerung des Papstes sondern die kirchliche Praxis, nahezu jedermann, der es möchte, zur kirchlichen Heirat zuzulassen. Leider ist dies doch mittlerweile der Regelzustand in unserer Kirche. Und ich schreibe dies übrigens als unverheirater Mensch.

Mit der Ehe verhält es sich wie mit dem Priester- und Ordensstand. Man prüfe sich selbst, ob man dazu wirklich von Gott berufen ist. Es gibt nämlich genug Menschen, die besser von beiden Lebensformen, dem Zölibat UND der Ehe Abstand nehmen sollten. Es ist Aufgabe der Kirche, diese Berufung in beiden Fällen gründlich zu überprüfen. Früher gab es bei vor der Hochzeit mal die Zeit der Verlobung. Es ist dringend an der Zeit, sie wieder einzuführen.

Kleiner Nachtrag: In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte der Bischof Schick zur Äußerung des Papstes, dass es dieses "Phänomen in der Welt" gäbe, jedoch es  auf Deutschland nicht zutreffen würde, weil es hier neben der Liturgie auch intensive Gespräche stattfinden würden, so dass die "Trauworte und die innere Haltung meist übereinstimmen." Zwei Ehen, die er getraut habe, seien aber auch ungültig geschlossen worden. >Interview mit Bischof Schick

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