Montag, 20. Juni 2016

Die "Perlen des Glaubens", eine Art ökumenischer Rosenkranz? Mitnichten!

"Perlen des Glaubens" - der Rosenkranz und die
evangelische Gebetskette sollen den Glauben vertiefen
Der heutige Morgen begann für mich ganz im Zeichen der Okumene. Bei meinem Blick auf mein Tablet knallte mir ein dringlicher Aufruf des Kölner Kardinals Woelki auf <Facebook ins Auge. Er rief alle christlichen Gemeinschaften zur Einheit auf. Warum er in den Kommentaren dafür so viel Shitstorm ernten musste, bleibt mir schleierhaft. Was war daran so falsch, dass Kardinal Woelki beklagte, das Glaubenszeugnis wütde geschwächt, weil die Christen "nicht im Einklang" sprechen. Dabei habe uns Jüngern der Herr zur Einheit im Glauben aufgerufen.

In der zweiten Lesung des gestrigen 12. Sonntags im Jahreskreis wurde es uns im katholischen Hochamt verkündet: 


26
Brüder!
Ihr seid alle durch den Glauben
   Söhne Gottes in Christus Jesus. 
27Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid,
   habt Christus als Gewand angelegt. 
28Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie,
nicht Mann und Frau;
denn ihr alle seid «einer» in Christus Jesus. (Gal. 3, 26ff)
Die Taufe und unser gemeinsamer Glauben an den einen dreifaltigen Gott verbindet alle Christen, ob sie katholisch, orthodox oder evangelisch sind.   Entgegen den Willen Christi zerstreiten wir Christen uns so oft, statt uns zu einigen. Wie können wir unsere Streitereien überwinden? Indem wir auf den schauen, den wir "Heiland" nennen, durch unser Gebet. Es gilt also, dass Gebet wieder mehr zu fördern, dafür zu trommeln, dass die Leute sich in christlicher Spiritualität einüben. 

Als Katholik schätze ich das Rosenkranzgebet als eine Betrachtungsweise, in der wir uns die wichtigsten Stationen im Leben des Herrn an der Hand seiner Mutter Maria vergegenwärtigen. Das Rosenkranzgebet ist ein durch und durch biblisches Gebet. Der Rosenkranzbeter läßt sich an der Hand Mariens immer mehr in die Nähe Christi führen und übt sich ein in den Lobpreis Gottes. Als Geschenk erhält er Kraft und Gelassenheit, die er aus der Stille dieses Gebetes schöpft, in dass er sich nur hineinfallen zu lassen btaucht. So gesehen sind die Perlen des Rosenkranz für mich wahrhaft "Perlen des Glaubens".

Vor ein paar Tagen fiel mir - nein nicht >dieser Beitrag sondern >dieser Artikel  - auf katholisch.de auf. In ihm wurden evangelische "Perlen des Glaubens" vorgestellt, die auch von katholischen Christen verwendet werden. Das wäre doch eine tolle ökumenische Gebetsaktion, die katholische und evangelische Christen gemeinsam verbinden könnte. Die "Perlen des Glaubens", eine Art ökumenisch Rosenkranz? Ich fand dies spannend und sandte meinem Bruder, der evangelisch ist, einen Link zur Story. Umso überraschter war ich, als ich heute eine Sendung der lutherischen Versandgesellschaft mit dieser evangelischen Gebetskette erhielt. Ein guter Anlass, der Intention dieser evangelischen Gebetskette etwas intensiver auf den Grund zu gehen.

Der Kette lag auch ein Büchlein mit einer Erklärung bei, wie man diese Perlen interpretieren und für seine Gebetspraxis anwenden soll. Ich musste erst etwas suchen, bis ich christliche Elemente in ihr erahnen konnte. Die wichtiste und größte Perle ist die goldene "Gottesperle". Aus ihr wird allerdings nicht erkenntlich, dass wir den einen Gott in drei Personen, den Vater, Sohn oder Heiligen Geist meinen. Von einer Anrufung einer der drei göttlichen Personen Vater, Sohn Jesus Christus und Heiliger Geist ist in der beiliegenden Beschreibung keine Rede. Somit könnte man damit auch eine ganz andere Gottesvorstellung damit verbinden. Eindeutiger wäre anstelle der "Goldperle" vielleicht das Kreuz gewesen, das untrügliche Symbol des  christlichen Glaubens.

Außer der Gottesperle gibt es eine "Ich-Perle", die uns einlädt, über uns selbst nachzudenken. Desweiteren gibt es Perlen der "Liebe",  der "Gelassenheit", der "Nacht" und der "Stille", in der wir meditative Erfahrungen vertiefen sollen. Die "Taufperle" und die "Perle der Auferstehung" verweisen allerdings eindeutig auf urchristliche Glaubenselemente.

Die >"Perlen des Glaubens" stammen aus Schweden. Sie stehen jeweils für ein Glaubens- und Lebensthema, welches der Beter betrachtet. Sie sollen eine Art Katechismus bilden. in welchem man sich immer mehr vertieft. Das Glaubensband will auf diese Weise "Glauben greifbar machen" und "den Weg in christliche Traditionen" frei machen. Dem Beter steht es frei, den Perlen eigene persönliche Bedeutungen zuzuordnen. Einige Katholiken wandelten die blaue "Perle der Gelassenheit" in eine Marienperle um. Das passt insofern hervorragend, weil Maria ganz als Magd des Herrn ihren Willen mit dem Willen Gottes vereinte. Von der Geburt bis zum Kreuzestod blieb sie ihm in jeder Lebenssituation treu, bis am Kreuz.

Sicher ist die evangelische Glaubenskette ein empfehlenswertes Instrument, die eigene Lebens,- Gebets- und Glaubenspraxis zu reflektieren. Ein wenig erinnert mich dies an >ignatianische Gebetsübungen. Sie kann allerdings nicht mit dem Rosenkranzgebet verglichen werden, in dem wir die Geheimnisse des christlichen Glaubens betrachten, die Stationen des Heilswirkens Christi uns vergegenwärtigen und den Vater, Sohn und Heiligen Geist anbeten und preisen. Die "Perlen des Glaubens" auf evangelisch und auf katholisch unterscheiden sich fundamental. Während der Rosenkranz eine klar strukturierte Abfolge von Gebeten ist, gibt es diese klare Struktur bei der evangelischen Gebetskette so nicht. Sie lädt den Beter ein, für sich eine individuelle Betrachtungsform zu finden.

Beide Gebetsketten können das Gebetsleben auf ihre eigene Weise bereichern, ersetzen werden sie einander nicht. Wer kein Zugang zum marianischen Rosenkranz finden kann, für den könnten die "Perlen des Glaubens" vielleicht ein Zugang zum persönlichen Gebet eröffnen.

Sonntag, 19. Juni 2016

"Ihr aber, für wen haltet ihr mich?"

Sie ist die entscheidende Frage, die Jesus auch an jeden von uns stellt. Die Frage im Evangelium des heutigen 12. Sonntags im Jahreskreis: "Für wen halten mich die Leute?" und an die Jünger:  "Ihr aber, für wen haltet ihr mich?" Was würden wir jemanden auf der Straße antworten, wenn er uns diese Frage stellen würde? Gleich früh morgens beim Blick in meiner Timline bei Twitter wurde auch ich mit dieser Frage konfrontiert.

Auch bei der heutigen Familienmesse wurden alle Gemeindemitglieder unserer Pfarrei eingeladen, hierauf eine Antwort auf einen Zettel zu schreiben. Brav schrieben die Kinder und einige Erwachsene auf, dass Jesus ein "guter Freund", "Vorbild", "Beschützer", "besonderer Mensch" oder ein "Jemand, der einem nie im Stich lässt" gewesen sei. Wenngleich keine der Antworten falsch war, wären sie wohl kaum eine passende Erklärung für die Bedeutung Jesu Christi.  Einen guten verlässlichen  Freund hat hoffentlich jeder.  Besondere Menschen, Vorbilder usw. gibt es einige. Und beschützen sollte uns eigentlich die Polizei und Sicherheitsdienste. oder das Militär.

Zum Glück hatte ich gerade weder Stift noch Zettel zur Hand, denn spontan fiel mir die Antwort in einem Satz auch nicht ein.  Die Größe Gottes kann niemand in Worte fassen. So bleibt jede Antwort ein Stammeln. Selbst, wenn wir wie Petrus antworten, für den Messias Gottes? Denn so können wir nur antworten, weil wir den Glauben der Kirche erlernt und angenommen haben, weil es uns so in der Bibel erklärt wird. So gesehen sind alle Antworten, auch die im Gottesdienst, ein Lobpreis der Kinder Gottes, Und ist es nicht auch bei kleinen Kinder so, dass sie ins Stammeln geraten, wenn sie erklären müssen, was ihre Eltern für sie bedeuten?

Samstag, 18. Juni 2016

Der Ärger um die aktuelle Äußerung des Papstes zur häufigenUngültigkeit kirchlicher Ehen

Viel Aufmerksamkeit erhielten kürzliche Berichte über eine Äußerung des Papstes, die meisten kirchlich geschlossenen Ehen seien "ungültig". >Bericht auf katholisch.de Der Papst soll dies damit begründet haben, dass vielen Brautpaaren zum Zeitpunkt der Trauung das "nötige Verständnis von Dauer und Verpflichtung einer Ehe" fehle. Dies sei aber eine wichtige Voraussetzung für die Gültigkeit der Eheschließung.

Ich nehme an, dass diese Äußerung als eine pastorale Antwort im Zusammenhang mit der Familiensynode zu sehen ist. Papst Franziskus hatte ja schon vor Zeit die kirchlichen Gerichte aufgefordert, dass Verfahren um Eheprozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Einige "lehramtstreue" aber nicht unbedingt "papsttreue" Katholiken verärgert es sehr, denn sie befürchten die Aushöhlung des Ehesakramentes und kritisieren den Papst unverhohlen wie in diesem >Blog ...

"Nein, sagten wir uns,  was Gott verbunden hat, kann auch ein Papst nicht trennen. 
Vielleicht für ungültig erklären, aber nicht trennen….."

Der Verfasser dieses Blogs hat mich auf Twitter geblockt, aber über Retweets erfuhr ich von anderen Nutzern von diesem Artikel. Einige Nutzer empfahlen diesen Artikel als "lesenswert". Schön und gut, natürlich kann kein Papst trennen, was Gott verbunden hat. Aber der in diesem Blog versteckte Vorwurf, der Papst wolle die Auflösung gültig geschlossener Ehen zulassen und damit die Unauflöslichkeit der Ehe aufheben, ist schon absurd. Ebenso absurd ist es, wenn Eheleute sich angegriffen fühlen, bei denen niemand die Gültigkeit ihrer Ehe in Frage stellt. Ebenso widersinnig ist es, Ehepartner an ein Versprechen fesseln zu wollen, welches sie sich offensichtlich nicht bis zum Ende durchdacht gegeben haben.

Im Grunde kann doch niemand bestreiten, dass der Papst vollkommen recht hat, dass viele es mit der Bedeutung einer kirchlichen Ehe nicht so wirklich ernst nehmen, denn ansonsten käme es nicht zu dieser riesigen Zahl an Scheidungen. Die gleichen Leute, die die Papstäußerung mit einem Aufschrei des Entsetzens quittieren, larmentieren im nächsten Atemzug über die große Mehrheit der "lauen Konfessionskatholiken", die man im Grunde gar nicht an den Tisch des Herrn zulassen dürfte, und dies durchaus zurecht!

Niemand, der das Sonntagsgebot nicht einhält, der bereits vorher außerehlich mit seinem Partner zusammenlebt und liebt, der nicht betet, geschweige die grundlegenden Lehren der Kirche kennt und befolgt, kann gültig ein Ehesakrament spenden und empfangen. Für mich ist der eigentliche Skandal nicht die aktuelle Äußerung des Papstes sondern die kirchliche Praxis, nahezu jedermann, der es möchte, zur kirchlichen Heirat zuzulassen. Leider ist dies doch mittlerweile der Regelzustand in unserer Kirche. Und ich schreibe dies übrigens als unverheirater Mensch.

Mit der Ehe verhält es sich wie mit dem Priester- und Ordensstand. Man prüfe sich selbst, ob man dazu wirklich von Gott berufen ist. Es gibt nämlich genug Menschen, die besser von beiden Lebensformen, dem Zölibat UND der Ehe Abstand nehmen sollten. Es ist Aufgabe der Kirche, diese Berufung in beiden Fällen gründlich zu überprüfen. Früher gab es bei vor der Hochzeit mal die Zeit der Verlobung. Es ist dringend an der Zeit, sie wieder einzuführen.

Kleiner Nachtrag: In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte der Bischof Schick zur Äußerung des Papstes, dass es dieses "Phänomen in der Welt" gäbe, jedoch es  auf Deutschland nicht zutreffen würde, weil es hier neben der Liturgie auch intensive Gespräche stattfinden würden, so dass die "Trauworte und die innere Haltung meist übereinstimmen." Zwei Ehen, die er getraut habe, seien aber auch ungültig geschlossen worden. >Interview mit Bischof Schick

Donnerstag, 16. Juni 2016

Welcher Blogger zählt eigentlich zur Blogözese?

Im November wird dieser Blog zwei Jahre jung. Im Verlauf der Zeit habe ich mich immer wieder gefragt, worüber schreibst du? Welches Selbstverständnis hat dieses Blog? Mir ging es immer darum. die wunderbare Schätze des Glaubens nach außen zu tragen, Kirche und Welt aus dem Blick des römisch-katholischen Glaubens zu betrachten und beurteilen. Teil der Blogözese zu sein. Dieses Kunstwort setzt sich aus Blogger und Diözese zusammen. In jedem Beitrag soll klar und deutlich erkennbar werden, dass hier ein Katholik zu etwas Stellung nimmt.

Sehr verdient gemacht um die Blogözese hat sich die vom Predigtgärtner und Kreuzknappen Erhard Eutebach gepflegte >katholische Bloggerliste. In diesem Blogverzeichnis werden alle möglichen Seiten verzeichnet, die der umtriebige Blogger seit Jahren listet. Auch mein Glaubensblog ist darin verzeichnet und ich freue mich über viele Leser, die über die Bloggerliste mein Blog aufrufen. Für seine Arbeit gebührt dem Predigtgärtner viel Respekt und Dank.

Verdienstvoll ist, dass der Predigtgärtner sehr liberal mit der Auswahl der von ihm gelisteten Blogs ist. Ich habe nur sehr selten erlebt, dass ein Blog wieder von seiner Liste entfernt wurde. Des häufigeren wurde der Listenbetreiber schon kritisiert, weil irgendjemand der Meinung war, dass ein Blog nicht dem rechten Glauben entspräche. Der Predigtgärtner bleibt jedoch seiner Linie treu. >siehe Bericht Kreuzknappe

Beim Besuch der Bloggerliste geht mir allerdings oft ebenfalls die Frage durch den Kopf, warum dieser oder jener Blog dort gelistet ist. Auf Deutsch: Ab wann ist man Teil der Diözese der katholischen Blogger (=Blogözese)? Reicht es dazu aus, dass man katholischer Konfession ist? Wenn dem so wäre, dann müsste neben meinem Glaubensblog auch mein >Lokalblog gelistet werden. Obwohl ich dort nur sehr selten Glaubensthemen aufgreife, meist verbunden mit Ereignissen in unserer Pfarrei,. Ich verstehe mein Lokalblog weniger als ein katholisches Blog, wenngleich ich dort meinen Glauben nicht verschweige. Allerdings dient dieser Blog nicht schwerpunktmäßig zur Behandlung von Glaubens- und Kirchenthemen. Mein Lokalblog gehört nach meiner Ansicht deshalb nicht in eine katholische Bloggerliste.

In der Bloggerliste finde ich öfters Blogs, in denen ich vergeblich nach einer katholischen Handschrift suche. Weder bekennt sich der Autor in seiner Selbstdarstellung als gläubiger Katholik, noch werden schwerpunktmäßig katholische Themen behandelt. Als Beispiel zähle ich nur einige auf. Im >Blog conservo geht es zum Beispiel um konservative Werte. Schön und gut, aber man muss nicht konservativ sein, um katholisch zu sein und man kann auch konservativ sein  und sich mit der christlich-abendlichen Tradition verbunden fühlen, wenn man kein Katholik ist.  Bei >Jesus.de handelt es sich unzweifelhaft um ein Blog, welches den christlichen Glauben behandelt. Es könnte allerdings genauso gut freikirchlich oder evangelikal sein. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber auch hier vermisse ich eine katholische Handschrift. Auch in dem Blog >nur mal ich finde ich kein katholisches Thema.

Dies sind nur einige Beispiele, die mir ins Auge fielen. Die überwiegende Zahl der gelisteten Blogs sind unbestreibar katholisch und spiegeln die komplette Bandbreite in unserer Kirche wieder. Von Traditionalisten bis zu Pfarrgemeindeblogs ist alles enthalten. Daher lohnt sich der tägliche Blick in die katholische Bloggerliste weiterhin.

Katholischer "Aufstand der Anständigen"

Wenn ich vormittags im Fitnesscenter trainiere, treffe ich regelmäßig ein paar "nicht mehr ganz junge" Damen. Mittlerweile kennen wir uns und so kommen wir öfters ins Gespräch. Dabei geht es in der Regel ganz locker zu. Heute meinte die eine Dame zu mir, es wäre ja ganz interessant, wenn sie etwas über meine "Liebschaften" erfahren würde. Das ging mir dann doch ein wenig zu weit. Ich blockte dies mit einem "ich bin waschechter Single" ab. Das sei ja kein Hindernis, meinte die Seniorin, deshalb könne man doch trotzdem .... Nun insistierte ich nun deutlicher mit einem Lachen und Zucken mit meinen Augendlidern: "Ich bin römisch und katholisch!" und setzte danach mein Krafttraining fort.

Das, was man unter Anstand versteht, hat sich fundamental gewandelt. Ich erlebe ähnliche Situationen oft. Als Single kann man ja schließlich mit jeder ins Bett gehen. Und umgekehrt natürlich auch jede mit jedem. wir haben doch Gleichberechtigung! Wer es nicht tut, scheint nicht ganz normal zu sein. Zu den Zeiten, als die in die Jahre gekommenen Damen noch junge Mädchen waren, galt dies als völlig unanständig. Wer mit einer oder einem ins Bett springen wollte, musste vorher heiraten. Und unter Ehe verstand man ausschließlich die Verbindung von Mann und Frau. Heute muss man nur darauf achten, dass man sich vor "Unerwünschtem" (Kind, Krankheit) schützt. Wenn es dann "schief" geht, dann treibt frau notfalls eben den "Unfall" ab.

Die Auswirkungen dieses moralischen Wandels, einige nennen dies Verfall, kann man schon allein an der Tatsache festmachen, dass alljährlich hunderttausende Abtreibungen stattfinden, aber niemand sich (mehr) darüber aufregt. Auch die Diskussion "Ehe für alle" wäre vor Jahrzehnten ein NOGO gewesen. Die Bistümer hätten pausenlos dagegen gewettert, dass die Ehe etwas Heiliges ist und gottgewollt nur zwischen Mann und Frau geschlossen werden kann.

Was Anstand ist, formulieren die Kirchenportale heute hingegen - im Trend der Zeit - ganz anders. Hier geht es vor allem gegen allem, was "Rechts" verbunden wird: Völlig zu Recht wenden sich die katholischen Portale gegen Fremdenhass, Nationalismus und Ausgrenzung.
Es ist schon interessant, ja, sicher bemerkenswerter, bei welchen Themen sich diese offiziellen Kirchenportale sich "fromm" zurückhalten.

Dienstag, 14. Juni 2016

Die christliche Antwort auf die Egomanie unserer Zeit

In meiner Timeline bei Facebook werden gern zeitgeistige Sprüche geteilt. Auch heute landete dort ein solcher Satz, der mir ins Auge sprang und nicht unbeantwortet bleiben darf: "Wer dich vermisst, wird anrufen. Wer dich will, sagt es dir. Wer Interesse hat, zeigt es. Wer all das nicht tut, ist deine Zeit und vor allem deine Nerven, die er auf jeden Fall kosten wird nicht wert."

Dieser Satz spiegelt die Egomanie in unserer Zeit in einer drastischen Art wieder, die fast weh tut. Eine Haltung aus dem "Ich" heraus, in der das "Du" nur in seiner Nützlichkeit verkümmert. Wenn du nicht so bist, wie ich das will, dann brauch / will ich dich nicht! Wenn man diese Haltung reflektiert, ist sie der Grund dafür, dass so viele Beziehungen scheitern. Das Streit, Krieg und Terror unsere Welt beherrschen. Im Kleinen wie im Großen.

Die christliche Gegenantwort zu dieser Einstellung finden wir im schönen Gebet: >"Herr, mach mich zu einem Werkzeug des Friedens"

Nach dem Abschied Timmerevers nun Degradierung Oldenburger Katholiken?

Am 19. Juni wird Weihbischof Timmerevers aus dem Offizialatsbezirk Oldenburg verabschiedet. Ende August wird er sein neues Amt als Bischof von Dresden antreten. Schon bevor Weihbischof Timmerevers aus Vechta verzogen ist, haben die Spekulationen um seinen Nachfolger begonnen.

Die Besonderheit des Offizialats Oldenburgs als Teil des Bistums Münster  ist >geschichtlicher Natur. Deshalb wurden dem Offizialat weitreichende kirchliche Aufgaben zugeordnet, fast wie die eines kleinen Bistums. Einem Offizialat kann, aber muss nicht zwangsläufig ein Weihbischof vorstehen. Im Offizialat Oldenburg ist dies seit dem Jahr 1970 der Fall: >Liste der Offiziale  Einen sehr guten Ruf hatte Weihbischof Dr. Max-Georg von Twickel bei den oldenburger Katholiken. Er war von 1970 bis 2001 im Amt und entwickelte den Nimbus eines Regionalbischofs. Sein Nachfolger, der nun scheidende Heinrich Timmerevers, ist somit erst der zweite Weihbischof in unserem Offizialat. Er blieb im Vergleich zur Ausstrahlung seines Vorgänger allerdings eher blass. Übrigens stammen fast alle der ehemaligen Offiziale aus dem Oldenburger Land.

Ein Kommentartor in der Oldenburgischen Volkszeitung schrieb, es sei eine "gute Sache gewesen" mit der Weihe der Offiziale zu Bischöfen, die eigenständige Identität der Katholiken im Oldenburger Land auf diese Weise zu "betonen". Falls der neue Offizial kein Bischof sei, würde dies von den hiesigen Katholiken als "Degradierung" empfunden werden.

Ist dies wirklich so? Die Identifikation der Katholiken mit der "Amtskirche" hat auch im Oldenburger Land ziemlich gelitten. Die wenigsten Katholiken nehmen Notiz davon, ob wir einen "eigenen" Weihbischof haben oder nicht. Beispiel: Außer vielleicht die hauptamtlich Angestellten im Oldenburger Offizialat. Als Weihbischof Timmerevers im Rahmen seiner Visitation in unserer Pfarrgemeinde Eucharistiefeier hielt, war nur der "harte Kern" unserer Pfarrgemeinde anwesend. >Bericht ...

Ich glaube kaum. dass sich etwas ändern würde, wenn der neue Offizial kein Bischof ist. Die Zahl der regelmäßigen Gottesdienstteilnehmer und der Menschen, die sich noch mit "ihrer" Kirche identifizieren, wird wohl nicht größer werden. Es sei denn, der "Neue" ist eine Persönlichkeit, die einen Ruck in unserer so lahmen Offizialatskirche erzeugt und die Leute neu begeistert.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Rückzug der Priester aus der Trauer- und Begräbnispastoral?

Kirche und Begräbnis spielen in meinem Dorf (noch)
eine Bedeutung. Zum christlichen Begräbnis
 zählt für viele auch auch ein Priester.
Jetzt gibt auch das Bistum Münster bekannt, dass neben "hauptamtlichen Mitarbeitern" auch "Freiwillige" in Zukunft Trauergespräche führen und Begräbnisfeiern vorstehen sollen. Kurse sollen hierfür angeboten werden. Zum Bericht auf der Bistumshomepage ...

Nun ist ein Begräbnis, anders als die Taufe und die Ehe, kein Sakrament. Daher ist für die Leitung einer Begräbnisfeier grundsätzlich kein geweihter Diakon oder Priester erforderlich. Dennoch haben Beerdigungen vor allem im ländlichen Bereich noch eine ganz wichtige pastorale Bedeutung. Bei uns in den Dörfern finden immer noch große Beerdigungen mit 300 Trauergästen statt. Bislang war es immer üblich, dass diese Beerdigungen von einem Priester oder Diakon geleitet wurden.

Kirche wird von den Menschen  vor allem noch bei großen Beerdigungen und Hochzeiten wahrgenommen. Natürlich darf man auch übersehen, dass auch auf dem Land die Zahl der kleinen Urnengräber immer größer wird. Als Freund eines Bestatters bekomme ich durchaus mit, dass auch immer mehr eine Beerdigung auf einem Friedhof für überflüssig halten und ihre sterblichen Überreste in einem Friedwald verstreuen oder der Nordsee versenken lassen. Nicht wenige würden die Asche ihres lieben verstorbenen Angehörigen am liebsten im eigenen Garten verbuddeln. Das christliche Begräbnis verliert somit immer mehr an Bedeutung. Aber die meisten "Kirchensteuerzahler" erwarten von ihrer Kirche, dass sie sie bei den wichtigen Lebensabschnitten der Taufe (Geburt eines Kindes), Erstkommunion und Hochzeit auch beim Tod (Begräbnis) zur Seite steht. Selbst wenn man ansonsten gar nicht mehr am kirchlichen Leben teilnimmt.

Auf der anderen Seite muss man feststellen: Die Zeiten des Dorpfarrers, der sich um alle seine Seelen kümmern kann,  sind lange vorbei. Mit der Fusionierung vieler Pfarrgemeinden und der Betreuung immer größerer Seelsorgeeinheiten ist der Begräbnis- und Trauerdienst für viele Priester ein  Fulltimejob geworden. Unser Pfarrer musste diesen Dienst in den letzten Jahren alleine in allen vier Filialgemeinden unserer Pfarrei übernehmen und ist nun froh, dass sein indischer Mitbruder mit ihm den Begräbnisdienst teilt. Neben den Trauergesprächen zählen dazu das eigentliche Begräbnis und das anschließende Seelenamt. Wenn Priester nicht mehr beerdigen würden, wäre dies besonders in dieser Zeit sehr bedauerlich, in der so viele Gemeindemitglieder sterben, die noch treue Katholiken und regelmäßige Gottesdienstteilnehmer waren. Sie hätten es verdient, dass ein Priester noch sie auf ihrem letzten Weg begleitet.

Fazit: Der Rückzug der Priester aus der Begräbnispastoral verstärkt den Verfall der Trauer- und Beerdigungskultur und ist ein untrügliches Zeichen des Abschieds von der Volkskirche. Nicht wenige werden sich allerdings fragen, wozu sie noch die Kirchensteuer bezahlen, wenn ein Priester sie nicht einmal mehr auf ihrem letzten Weg begleitet.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Ist Rupert Neudeck ein neuer Heiliger der katholischen Kirche?

Diesen Eindruck könnte man bekommen, wenn man die offiziellen katholichen Websites und Auftritte in Facebook und Twitter verfolgt hat. Sehr ausführlich wurden die - anerkannt großen Verdienste - von Rupert Neudeck gewürdigt, zum Beispiel auf katholisch.de, dem Kölner domradio.de oder sogar auf dem Portal kirchensite.de des Bistums Münster. Ich habe mich gefragt, warum die katholischen Portale so ausführlichen Raum für seinen Nachruf in allen Medien bereit stellten, warum er den Lesern so sehr als Vorbild präsentiert wurde. Lag es daran, dass er, wie wir (erst) jetzt erfahren, katholischer Konfession war?

Unbestritten sind Neudecks Verdienste als Gründer des Hilfswerks "Cap Anamur" und als Friedensaktivist. Wenig wissen wir allerdings über die Motivation seines Schaffens. War er einfach ein Menschenfreund? Oder handelte es - wie bei der Mutter Teresa - sich um einen tiefgläubigen Menschen, der aus seinem Glauben heraus den Vernachlässigten, Hilflosen und Missachteten zuwandte, weil er in ihnen das Antlitz des Gekreuzigten erkannte? War er wirklich ein "Extremist der (christlichen) Nächstenliebe" wie Mutter Teresa, von der man dies auf jeden Fall behaupten kann?

In all den Jahren habe ich nie gelesen oder gehört, dass für Neudeck der christliche, geschweige katholische Glauben eine wichtiger Rolle in seinem Engagement für die Bedürftigen gespielt hat. Leider erfahren wir auch auf den offiziellen katholischen Portalen sehr wenig über Neudecks Glauben und seine Spiritualität. Auf katholisch.de wird nur sehr knapp berichtet, das "Gleichnis vom barmherzigen Samariter" habe Neudeck in den "Bauch getreten" und zu seiner rastlosen Hilfe angetrieben. "Du bist zuständig für die Not anderer Menschen. Jetzt, sofort", zitiert ihn das Kirchenportal.

So bleibt uns als Christen nur, wie für alle Verstorbenen, für ihn zu beten. Ganz gleich, ob er gläubig oder ungläubig, oder einfach ein Mensch wie wir vielen Unbedeutenden dieser Welt war, über die niemand reden wird, wenn wir einst in die Ewigkeit gegangen sind.