Montag, 23. Mai 2016

Volksfest und Familienfeier am Dreifaltigkeitssonntag

Den Glauben im Alltag zu leben ist nicht immer ganz einfach. Vor allem, wenn man als Christ die Einsicht gewonnen hat, das Sonntagsgebot einzuhalten. Bei vielen Katholiken fehlt diese Einsicht, sie wissen nicht mehr, dass der die regelmäßige Teilnahme am Sonntagshochamt die Quelle des Glaubens ist. In der hl. Messe stärkt uns der dreifältige Gott durch Sein Wort und Sakrament. Wer nicht mehr an dieser Quelle trinkt, verdurstet unweigerlich geistlich und verliert seinen Glauben.

Auf der anderen Seite gibt es durchaus Gründe, die an der Teilnahme an der Sonntagsmesse hindern können. Zum Beispiel Krankheit oder die Pflichten, die sich für Familienangehörigen bei der Betreuung alter Menschen oder von Kranken ergeben. Auch auf Reisen kann es durchaus vorkommen, dass man keine Gelegenheit zum Messbesuch findet.

In unserer Zeit der Glaubenskrise gibt es nur noch wenige christliche Familien. Bekennende und überzeugte Katholiken müssen sich darauf einstellen, dass ihre Angehörigen nicht zur Kirche gehen. Zugleich überdecken säkulare Feste christliche Sonntagskultur. Für Katholiken ist es eine Herausforderung, ihre Pflichten aus Familie und Gesellschaft zu erfüllen, ohne den Glauben zu vernachlässigen.

Mein Dorf feiert am Sonntag nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag, alljährlich sein Volksfest. In diesem Jahr fand aber zusätzlich in Berlin ein wichtiges Familienfest statt. Die Familie ist wichtiger als ein Volksfest, deshalb fuhr ich selbstverständlich nach Berlin. Mittlerweile ist die Fahrt aus Westdeutschland nach Berlin zur Stauhindernistour degeneraiert. Gleich auf der Hinfahrt geriet ich nach wenigen Autobahnkilometern in den ersten Stau, mein Navi dirigierte mich auf eine Landstraße hinter Wildeshausen und leitete mich weiter bis Delmenhorst auf die Autobahn, auf der ich wieder im Schleichverkehr weiter fahren musste. Die gleiche Prozedur wiederholte sich vor Potsdam noch einmal. Fünf Mal änderte mein Navi die Route und ich war froh, irgendwann heile in Berlin-Zehlendorf anzukommen.

Unser Familienfest war toll und wir freuten uns, uns mal nach langer Zeit wieder zu treffen. Ich übernachtete bei meinem Neffen und beschloss, nach dem Frühstück rechtzeitig wieder nach Hause abzufahren, um an der Abendmesse in der Vechtaer Propsteikirche teilnehmen zu können. Sie findet sonntags immer um 18 Uhr statt. Vechta ist die benachbarte Kreisstadt meines Heimatdorfes. Im Notfall kann man auch noch die Abendmesse im KTV Fernsehen um 19 Uhr mitfeiern. Aber ich feiere die Messe lieber in der Kirche als vor der Flimmerkiste mit.

Ich fuhr mittags von Berlin los, und mein Navi zeigte an, dass ich um 16.30 Uhr wieder zu Hause sein würde. Doch kurz nach meiner Abreise kam aus dem Navi die Ansage; "Die Route wurde wegen der Verkehrslage geändert." Meine Ankunftszeit wechselte zunächst auf 17.03 Uhr. Ich wurde durch das schöne Potsdam gelenkt und irgendwann wieder zur Autobahn geführt. Dort stand ich gleich wieder im Stau. Ein  Autounfall behinderte die Fahrbahn. Meine Ankunftszeit zog sich weiter hinaus. Schließlich ging es dann doch zügig weiter und ich konnte wieder ein wenig Zeit aufholen. Zwischen Braunschweig und Peine machte ich in einer Raststätte eine Tank- und Kaffeepause.

Doch gleich danach geriet ich vor einer Baustelle in den nächsten Stau. Ich beschloss nun, eine Strecke in meinem Navi zu programmieren, die Autobahnen weitgehendst mied, und wählte als Zwischenziel Diepholz ein. Zum Glück verlief die Fahrt auf diese Weise reibungslos und ich war um 17.30 Uhr rechtzeitig erschöpft aber glücklich in der Vechtaer Propsteikirche. In Bekannter sagte mir mal: "Egal wo du bist, wenn du in eine Kirche kommst, dann kommst du nach Hause".

Genauso fühlte ich mich in diesem Moment. Ich setzte mich einfach still in die Kirchenbank und genoss die Ruhe nach dem Feier- und Straßenlärm. Ich ließ mich einfach in die Arme Gottes fallen. Die Kirchenglocken fingen an, feierlich zu läuten und die Kirche füllte sich mit Besuchern. Mit herrlichen Orgelklang begann die Messe. Die Predigt war hervorragend. Der Pfarrer predigte von der Herrlichkeit des dreifaltigen Gottes. Der eine Gott in drei Personen. Die Dreifaltigkeit sei unerfassbar für uns.

Gott habe die Schöpfung und uns Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen, nicht weil er es nötig gehabt hätte, sondern weil er seine Liebe mit uns teilen wollte. Er sei uns nahe geworden und in seinem Sohn Jesus Christus Mensch und Bruder geworden. Durch Christus dürften wir den allmächtigen Gott Vater nennen. Das christliche Gottesverständnis unterscheide sich maßgeblich vom Glaubensverständnis der Muslime, für die Gott unnahbar bliebe. Für sie sei der allmächtige Gott der Herrscher, den man sich unterwerfen müsse.

Leider war die Eucharistiefeier bei weitem nicht so feierlich wieder Wortgottesdienst, Nach der Gabenbereitung schloss sich das Hochgebet an, von der Präfation hatte ich nichts mitbekommen, nach dem feierlich gesungenen Gemeindelied zum Sanctus folgte dann das verkürzte Hochgebet.
Dennoch ging ich froh aus der Kirche nach der Messe heraus, in der Gewissheit, den Segen aus der Quelle unseres Glaubens erhalten zu haben.

Nach der Messe fuhr ich nach Hause in mein Dorf, um dort noch ein paar gemütliche Stunden auf dem Volksfest zu verbringen. Und dankte Gott, dass ich alles an einem erlebnisreichen und schönen Wochenende miteinander vereinen konnte. Glauben, Familie und Volksfest.


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