Samstag, 28. Mai 2016

Schräge Twitterdiskussion: Ist der Katholikentag nicht katholisch?

Auf Twitter tummeln sich ja alle möglichen Ideen und Leute. Zum Beispiel der "katholische Drache", über den ich schon einmal gebloggt habe. Normalerweise bekomme ich keine Tweets mehr von ihm zu sehen, weil er mich blockiert hat. Aber über einen anderen Nutzer bekam ich ein Retweet von ihm in meine Timeline:

"Der @katholikentag ist m.E. gar nicht katholisch, weil eine Veranstaltung grün-linksorientierter Verbände und LGBT-Fans."

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und auch einiges, was auf dem Katholikentag angeboten wird, sehe ich durchaus kritisch. Darüber habe ich zum Teil öfters schon in diesem Blog geschrieben. Aber diese Behauptung fand ich schon wirklich schräg. Schließlich hat der Bischof unseres Bistums Münster Dr. Felix Genn alle Katholiken aufgefordert, den Katholikentag wohlwollend im Gebet und auch mit Spenden zu unterstützen. Nicht nur er sondern viele Bischöfe unterstützen den Katholikentag mit ihrer aktiven Beteiligung an Veranstaltungen und der Zelebration von Gottesdiensten. Und sogar der Papst grüßte die Teilnehmer per Videobotschaft und wünschte dem Treffen, dass es das Evangelium in die Welt trage.

Schon allein deshalb kann man nicht behaupten, dass es sich hier nicht um eine Veranstaltung der katholischen Kirche handle, wenn auch einer ziemlich zerbeulten katholischen Kirche. Einer Kirche die Rechtspopulisten ausgrenzt aber mit Atheisten, Homosexuellen und "Reformgruppen" ala "Wir sind Kirche", die die Kirche auf den Kopf stellen wollen, das Gespräch sucht.

Ich hatte keine Hoffnung, den Autor obigen Tweets, den katholischen Drachen, überzeugen zu können, Aber ich wollte den Nutzer, der mir den Retweet schickte, zum Nachdenken bewegen und antwortete:

"also auch nicht die Bischöfe, die ihn unterstützen?"

Der Nutzer antwortete mir darauf schon etwas zurückhaltender:

"Ich wage zu behaupten ein differenziertes Weltbild zu haben. @zdkonline u @katholikentag sind dt.-katholisch."

Auf meine eigentliche Frage ging er nicht ein, ob die Bischöfe noch katholisch seien. Denn das ist eine delikate Frage in unserer Kirche mit klarer Hierachieordnung. Da gibt es die Bischöfe, die gemeinsam mit dem Papst das Lehramt leiten, als Nachfolger der Apostel Christi die Kirche. Und Laien, die in der Kirche mitwirken sollen. Die Hirten und die Schafe, wenn wir im biblischen Bild bleiben. Leider gibt es in der zerbeulten Kirche da einiges Durcheinander. Zum einen eine "Kirchenvolksbewegung" mit Leuten, die nicht mehr Schafe sein wollen. Und zum anderen Laienverbände, die glauben, Laien müssten Leitungsfunktionen in unserer Kirche reformieren. Letztere bündeln sich im ZdK, dessen Vorsitzender oftmals wie ein deutscher Gegenpapst in Erscheinung tritt. Und dann gibt es die graue Masse an Katholiken, die aus Verzweiflung oder Desintresse still bleiben und gar nicht mehr in der Kirche zu sehen sind.

Aber eigentlich sind die Rollen klar verteilt. Bischöfe, Priester, Laien, Ein Diözesanbischof hat deshalb eine besondere Autorität in seiner Teilkirche, die nichr so einfach übergangen werden kann. Schon gar nicht von traditionalistischen Christen. Vielfach widersprechen diese der Tradition der Lehre unserer Kirche, indem sie die Autorität der Bischöfe infrage stellen. Sie begründen dies häufig mit der überlieferten Lehre der Kirche, wie sie im Katechismus dargelegt wird. Auch dies ist insofern problematisch, weil der katholische Glaube keine Buchreligion ist. Somit ist weder allein der Katechismus noch die Bibel losgelöst von der Auslegung der Bischöfe.

Mein Fazit: Der Katholikentag sollte mit wohlwollender Kritik beurteilt werden. Aber ihn als nicht katholisch zu bezeichnen, halte ich für falsch.

1 Kommentar:

  1. Gerade als Konvertit stelle ich mir immer wieder kritisch die Frage, wer definieren kann, was katholisch ist.
    Theoretisch: Das Lehramt (Gemeinschaft der Bischöfe mit und unter dem Papst), nicht losgelöst von der Heiligen Schrift und dem Glaubenssinn der Christgläubigen.
    Nur kann ich das nicht beweisen. Das mag Lehre der Kirche sein, aber wer kann die Lehre der Kirche definieren? Das Lehramt, und damit bin ich Zirkelschluss. Letzten Endes muss ich an die Bedeutung des Lehramtes glauben.
    "Kirche von unten" Bewegungen stellen sich gegen verschiedene Lehren der Kirche und erkennen so die Bedeutung des Lehramtes nicht an. Wer resistent die Priesterweihe für Frauen fordert, obwohl Johannes Paul II dazu eindeutig Stellung genommen hat, der steht nicht mehr auf dem Boden der katholischen Kirche.
    Aber ist es so einfach? Kann ich, als Konvertit erst ein paar Jahre katholisch,wirklich jemandem der katholisch getauft wurde und groß geworden ist und die Priesterweihe für Frauen fordert, aberkennen, katholisch zu sein?
    Das ist eine Spannung, die die Kirche aushalten muss. Abspaltungen, Nicht-Anerkennen-Wollen hat es seit Beginn an gegeben...

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