Samstag, 14. Mai 2016

Der Dackel im Familiengrab. Ist das christlich?

Wieder einmal erregte ein Beitrag auf katholisch.de, dem Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland, mein Interesse. Er handelte über das Thema Bestattungskultur und hatte den Titel "Bistum erlaubt Rentner gemeinsames Grab mit Dackel - Diözese Aachen stimmt Änderung der Friedhofssatzung zu". Sofort stellte sich mir die Frage, ob dies mit dem christlichen Glauben vereinbar ist.

In anderen Religionen und heidnischen Brauchtum war und ist es durchaus üblich, dem Grab auch Tiere und Gegenstände beizulegen. Dies enspricht der Vorstellung, dass sie dem Angehörigen auch nach dem Tode noch nützlich sein könnten. Im Christentum war dies hingegen (bislang) unüblich und wird es wohl auch bleiben. Denn die Entscheidung des Bistums Aachen, eine Ausnahme bei diesem Rentner zu genehmigen, soll laut Bereicht eine Einzelfallentscheidung bleiben.

Aus pastoraler Sicht scheint sie durchaus nachvollziehbar zu sein. In einer Gesellschaft, in der immer mehr Menschen alleine leben, gewinnt das Haustier oft die Rolle eines Familienmitgliedes und wird zum einzigsten "Ansprechpartner" besonders für alte Menschen. Da liegt der Wunsch des Toten nahe, gemeinsam mit seinem "besten Freund" begraben zu werden.

Auf der anderen Seite weist die traditionelle katholische Lehre dem Tier nicht die Würde eines Menschen zu (Siehe Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 2415 ff). Der Mensch soll die "Unversehrtheit der Schöpfung" achten. Menschen sollen Tieren mit "Wohlwollen" entgegentreten, weil sie schon durch ihr Dasein Gott verherrlichen. Aber Gott hat nach dem Katechismus die Tiere unter die Herrschaft des Menschen gestellt, weil er den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat. Der Mensch darf Tiere nutzen, sich von ihnen ernähren und sie zur Arbeit zähmen. Selbst Tierversuche sind im sittlichen Rahmen vertretbar, weil sie menschliches Leid verringern. Auf keinen Fall haben Tiere im christlichen Sinne die Stellung eines Familienmitglieds und gehören auch nicht ins Grab.
2418 Es widerspricht der Würde des Menschen, Tiere nutzlos leiden zu lassen und zu töten. Auch ist es unwürdig, für sie Geld auszugeben, das in erster Linie menschliche Not lindern sollte. Man darf Tiere gern haben, soll ihnen aber nicht die Liebe zuwenden, die einzig Menschen gebührt. (Katechismus der katholischen Kirche)

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