Freitag, 15. April 2016

Wir müssen die Volkskirche beerdigen. Und zur Entscheidungskirche kommen!

Zur Zeit wird ein Radiointerview von Domradio mit dem Priester Thomas Frings im Netz geteilt. Der Priester ließ sich kürzlich aus dem Amt des Pfarrers verabschieden und nimmt nuneine Auszeit im Kloster. In dem Interview äußert der Priester mit klaren Worten zu seiner Entscheidung und skizziert, dass eine Pfarrei im Stile einer Volkskirche des 19. Jahrhunderts keinen Sinn mehr macht. Eine Kirchensteuereinrichtung, in denen die Leute von der Kirche "Dienstleistungen" wie Taufe, Erstkommunion und Heirat einfordern, ohne noch innerlich an ihr noch teilnehmen und ihr ansonsten sehr fern stehen. Es werde ein riesiger Aufwand für die Bewältigung der Kirchenkrise getan, anstatt das eigentliche Problem, die Glaubenskrise zur Hauptaufmerksamkeit zu machen.

Irgendwie erinnert mich diese Zustandsbeschreibung durchaus auch an die Situation in meiner Pfarrei. In einer 8.000 Seelen - Pfarrei gibt es VIER Kirchen. Die werden allerdings während der Gottesdienste nur noch von wenigen besucht. Und besonders wichtig; VIER Pfarrheime, die seht rege benutzt werden. Letztere dienen zugleich auch als Dorftreffpunkt für Jugendgruppen, Vortragsveranstaltungen, Frauenfrühstück und ähnliches genutzt werden. Außerdem werden die Pfarrheime auch als Ausweichquatiere für die Kindergärten und als Mensa genutzt. Da ist gar nichts gegen einzusetzen.

Die Leute nutzen die Pfarrheime und Einrichtungen, weil sie ja schließlich auch Kirchensteuer dafür zahlen. Aber innerlich haben sie sich schon längst von Glauben und Kirche verabschiedet. Die Aufrechterhaltung eines riesigen Pfarreiapparates wird damit gerechtfertigt, man wolle die Leute noch an die Kirche binden, um sie wieder für den Glauben zurück zu gewinnen. Pfarrer Frings hält dies Pfarreisystem für ein Auslaufmodell. Die Kirche müsse den Schritt ins 21. Jahrhundert machen, sich von der Volkskirche verabschieden und zu einer Entscheidungskirche wandeln. Er schlägt eine ganz andere Art der Pfarrei vor. Eine, die nicht an ein Dorf oder Territorium gebunden ist. Sondern eine Gemeinschaft mit Menschen, die sich bewusst und freiwillig zum Glauben bekennen. Eine Gemeinschaft, die ganz auf Hauptamtliche verzichtet sondern ganz auf Freiwilligkeit basiert. Wer mitmachen will, trägt mit seinen Fähigkeiten zur Gemeinschaft bei.

Es lohnt sich, die Ausführungen von Thomas Frings, besonders ab der 28. Minute, sich anzuhören.

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