Sonntag, 3. April 2016

Polens Diskussion um ein totales Abtreibungsverbot

Jede Abtreibung ist eine zuviel. Christen glauben, dass ungeborenes Leben unbedingt geschützt werden muss. Auch das Leben von Behinderten oder Missgebildeten. Ein Mensch ist nicht erst nach der Geburt Mensch. Menschliches Leben entsteht von der Zeugung an. Daher sind wir aufgerufen, alles ungeborene Leben zu schützen. Es ist nicht hinnehmbar, dass 100.000 Abtreibungen im Jahr allein in Deutschland stattfinden. Herrscht eine so große Notlage in unserem Land vor, dass diese Zahl lebensbeendender Maßnahmen von Ungeborenen wirklich unumgänglich ist? Und das, obwohl sich jeder vor ungewollter Schwangerschaft mit Verhütungsmitteln schützen kann? Und vielfache Hilfen und Alternativen zur Vermeindung einer Tötung des ungeborenen Kindes angeboten werden?

Aber kann auf der anderen Seite ein Staat mit Gesetzen ein totales Abtreibungsverbot durchsetzen? Die derzeitige Diskussion in Polen darüber wirkt auf Deutsche, zumindest auf mich, doch befremdlich. Selbst wenn man, wie ich,  Abtreibungen möglichst in jedem Fall verhindern möchte. In Polen herrscht bereits eine sehr restriktive Regelung, nach der nur wegen unheilbarer Krankheiten oder Missbildungen des Fötus, Vergewaltigung und Inzest sowie Gefahr um Leben und Gesundheit der Frau abgetrieben werden darf.

Dennoch wird in mehreren Berichten seriöser Zeitungen, zum Beispiel hier und hier konstatiert, dass mehr als illegale 100.000 Abtreibungen polnischer Frauen jährlich stattfinden sollen. Vor diesem Faktum dürfen auch polische Regierungen und Bischöfe nicht die Augen verschließen. Dies ist besonders erschreckend in einem Land, in dem 90% der Einwohner katholischer Konfession sind und die Kirche noch eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielt.  Bei einer Bevölkerung, die nur die Hälfte von Deutschland beträgt (ca.40 Mio Einwohner) ist dies eine doppelt so hohe Abtreibungsrate wie in Deutschland, wo ein sehr "liberales" Abreibungsrecht dafür sorgt, dass die Frauen hierbei weitgehend straffrei bleiben.

Das jetzt schon strenge polnische Abtreibungsrecht hat also wenig ungeborenes Leben gerettet. Mit einem totalen Abtreibungsverbot, welches  auch polnische Bischöfe fordern, wird man daran wenig ändern, befürchte ich. Vielmehr müssen Katholiken dazu beitragen, einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung zu bewirken, möglichst vielen Müttern helfen, wenn sie ungewollt schwanger werden, Hilfe vor Ort leisten, wie es zahlreiche Initiativen auch in Deutschland und anderswo tun.

Wir brauchen eine starke Prolife-Bewegung, die die Menschen zum Umdenken bringt. Hier bei uns und auch in Polen. Es gibt andere Lösungen, als ein ungewolltes Kind abzutreiben. Wir müssen überdenken, wie wir in unseren Partnerschaften mit der Sexualität umgehen. Sexualität gehört in die -Ehe, in eine geschützte Partnerschaft. Dafür müssen wir Katholiken werben. Ein totales Abtreibungsverbot von "Oben" wird die Fronten, die bereits bestehen, nur verstärken. Dies werden auch polnische Bischöfe und konservative Regierungen einsehen müssen. Sonst geschieht ihnen das gleiche wie in anderen westlichen Ländern: Die Leute werden mit den Füßen abstimmen, oder ihre Regierung abwählen. Mit Gesetzen und Verboten allein wird nichts erreicht.

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