Sonntag, 3. April 2016

Immer weniger Teilnehmer an den Messen - Statio einer Pastoralreferentin

Unser emeritierter Pfarrer zelebrierte heute das Hochamt am 2. Sonntag der Osterzeit. Er predigt normalerweise nicht mehr selber. Wenn nicht der Diakon mit ihm zusammen an den Altar tritt, fällt die Predigt daher weg. Dann hält meistens eine Pastoralreferentin zum Beginn der Messe  eine Statio. So war es auch an diesem Sonntag.

Unsere Pastoralreferentin bedauerte zu Beginn ihrer Ansprache, dass immer weniger Gemeindeglieder an der Gottesdienstgemeinschaft teilnehmen würden. Selbst an hohen Feiertagen blieben viele Plätze leer in den Bänken unserer Pfarrkirche. Das würde sie sehr schmerzen. So viele Leute würde sie vermissen. Viele Familien würden nur noch sporadisch kommen. Dies offenbare, wie viele Menschen am Glauben zweifeln würden. 

 Das heutige Evangelium vom ungläubigen Thomas enthalte hierzu zwei Botschaften. Es erzähle die Geschichte des zweifelnden Apostels, der aber nie seine Suche nach Christus aufgegeben habe. Ob wohl  er an die Auferstehung gezweifelt habe, hielt er den Kontakt zu den anderen Aposteln aufrecht und wendete sich nicht von der Gemeinde ab. Und es berichte außerdem, dass die anderen Jünger den zweifelnden Thomas ihrerseits nie ausgeschlossen hätten. Vielmehr hätten sie ihre Zweifel aber auch ihren Glauben mit Thomas weiterhin geteilt.

Die Seelsorgerin unserer Pfarrei appellierte an alle zweifelnden Gemeindemitglieder, den Kontakt zur Gemeinde nicht abreißen lassen. Und die Restgemeinde dürfe ihrerseits niemanden ausschließen. Gut und schön, dachte ich mir, aber das kann es wohl nicht gewesen sein. Mir fehlte da doch einiges in ihrer Rede. Thomas gelangte schließlich nur zur persönlichen Berührung durch Christus, weil er danach verlangte. Und mir fehlte auch der Verweis auf das Sonntagsgebot, welches nicht ohne Grund gilt. Wir sollen unsererseits mindestens jeden Sonntag uns um den Tisch der Eucharistie versammeln. Damit Christus uns durch sein Sakrament verwandelt. Wenn wir uns darum nicht mehr bemühen, dann verlieren wir auch unweigerlich die Tuchfühlung mit IHM. Und mit seiner Kirche. Ach ja, und von dem Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, den die Kirche heute auch feiert, war in ihrer Ansprache keine Rede. Darin hätte sich auch viel Stoff für dieses Thema angeboten.

Nach der Messe traf ich unterwegs eine junge Familie, die den Weg in die Gottesdienstgemeinschaft nicht mehr gefunden hat. Sie genoss stattdessen ein Eis, welches sie aus einem benachbarten Laden erworben hatte. Ich wünschte der Familie einen schönen Sonntag. Von den gutgemeinten Worten unserer Pastoralreferentin hat diese Familie nichts mitbekommen. Ob sie sich durch die Worte verstanden gefühlt hätte?

1 Kommentar:

  1. Da macht man es sich hauptamtlicherseits etwas zu einfach:
    Statt die zum Gottesdienst Gekommenen mit dem Lamento über die Weggebliebenen zu nerven, wäre es besser, den verlaufenen Schäfchen aktiv und buchstäblich nachzugehen, d.h., sie zu Hause aufzusuchen und im persönlichen Gespräch die Befindlichkeiten festzustellen.
    Vielleicht resultiert bei so viel Interesse seitens Hauptamtlicher sogar wieder der Besuch der Gottesdienste.
    Natürlich sind auch wir noch aktiven Gemeindemitglieder zu einer vorsichtigen Pastoral bei unseren wegbleibenden Mitchristen angesprochen - das ist aber gar nicht so einfach umzusetzen.

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