Mittwoch, 13. April 2016

Eine (Nicht)-Wahlempfehlung aus dem Offizialat

Der Pressesprecher des Offizialates Vechta gab seine "persönlichen Gedanken" zu einem delikaten Thema preis: Eine Empfehlung der Kirche, eine Partei zu (nicht!) wählen. Er scheint wie ich älteren Semesters zu sein und erinnert sich sehr gut an Zeiten, in denen tatsächlich noch die Pastöre ihren Gläubigen während der Predigt verkündeten, welche Partei man als Katholik lieber nicht wählen sollte. Vor allem in den 60iger und 70iger Jahren, als die Kirche sich noch traute, sich unmissverständlich gegen die Straffreiheit von Abtreibung auszusprechen und nach Ansicht der damaligen Hirten die traditionelle Familie im katholischen Sinne aus Vater, Mutter und Kind bestand. Die Eltern hatten selbstverständlich christlich verheiratet zu sein, und die Schließung einer Ehe war aus katholischer Sicht wirklich einmalig und galt das ganze Leben lang.

Damals setzte sich die Kirche sehr energisch für eine entsprechende Ausrichtung der Erziehung und Schulbildung ein und nutzte hierzu ihren noch großen Einfluss in Politik und Gesellschaft. Ein Bildungsplan einer rot-grünen Regierung, in der die fächerübergreifende Akzeptanz der homo- und transsexuellen Vielfalt von Lebensformen gleichberechtigt zur traditionellen Familie propagiert worden wäre, hätte unweigerlich dazu geführt, dass aus der Kirche die Mahnung an alle Gläubigen verkündet worden wäre, auf keinen Fall eine solch unchristliche Regierung zu wählen. Die politischen Parteien hätten damals die Hirtenworte noch ernstgenommen und sich nicht getraut, sich darüber einfach hinwegzusetzen.

Der Pressesprecher des Vechtaer Offizialates stellt zu Recht fest, dass die Zeiten derartiger "kirchlicher Parteinahme" längst vorbei sind. Niemand läßt sich heute noch bei seiner Wahlentscheidung  von der Kirche beeinflussen. Und auch die Parteien richten sich nicht zwangläufig mehr nach den Wünschen der Kirche sondern vor allem nach den Wünschen ihrer (Nicht)-Wähler. Je stärker die AFD, desto größer also der Rechtsruck in der Politik. So ist dies nun leider einmal. Umso pikanter ist der erneute versteckte Aufruf des Pressesprechers, eine Partei - nein, ihre Denkrichtung - nicht zu wählen: Die AFD!

Um es deutlich zu machen, für mich ist die AFD unwählbar. Natürlich schon allein wegen ihres Fremdenhasses, darin bin ich mit dem Mann aus dem Offizialat einig. Aber auch wegen die meisten anderen politischen Ziele dieser Partei. Hierzu gehören die von der AFD gewünschte Abschaffung des Euros, die Stärkung von Nationalstaaten und die Schwächung der Europäischen Union und das Ende der Energiewende verbunden mit einer Verlängerung der Kernkraftwerke. Zusammengefasst halte ich die AFD für eine Partei, die den sozialen Frieden in der Gesellschaft und unseren Wohlstand gefährdet. Pikanterweise setzt sich die AFD allerdings für die Förderung der traditionellen Familie ein, eine ursprünglich katholische Forderung.

Gut, dass dies die persönliche Meinung des Pressesprechers bleibt. Die Kirche begibt sich hier nicht aufs Glatteis sondern bleibt politisch neutral und gibt keine Wahlempfehlung. Wenn aber die Kirche und Vertreter ihrer Verwaltungen schon Positionen zu "Denkrichtungen" politischer Parteien einnehmen, dann müssten sie es eigentlich zu allen Themen gleichermaßen deutlich tun, wie es der Pressesprecher im Fall der rechtspopulistischen AFD tat. Dazu zählen unter anderem auch die rot-grüne Bildungs- und Familienpolitik. Wie wäre es, wenn der Pressesprecher sich ebenfalls an die Spitze des "Marsches für das Leben" und der Lebensrechtsbewegung stellen würde? Dazu hat er aber möglicherweise persönlich eine andere Meinung und das ist sein gutes Recht.

Noch einmal der Link zum von mir kommentierten Beitrag:
"Welche Partei soll ich wählen, Herr Pastor?"

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