Montag, 25. April 2016

Das Vorbild des Papstes: Seelsorge vor der Kirchentür

Auf den offiziellen Kirchenportalen wird unser "supercooler" Papst der Barmherzigkeit umjubelt. Nein, er kümmert sich nicht nur persönlich um ausgegrenzte Menschen, wie zum Beispiel die Flüchtlinge auf der Insel Lesbos. Und legt damit nicht nur die Finger in die Wunden Europas, das seiner Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen nicht gerecht wird. Sondern er umarmt auch die Menschen, die ihren Glauben wieder erneuern wollen.

Zuletzt spendete Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom Jugendlichen das Beichtsakrament. Doch die niederschwellige Seelsorge des Papstes fand nicht überall Beifall. In Kommentaren in den sozialen Netzwerken soll es daran heftige Kritik "frommer" "Traditionalisten" gegeben haben, berichtet Pater Hagencord in seinem Radio Vatikan Blog. Ein Papst zum Anfassen entspricht ihrer Meinung nach nicht der Würde seines Amtes.

Früher war es ganz normal, dass der Pfarrer oder Priester zumindest nach dem Sonntagshochamt auf dem Vorplatz der Kirche und bei dörflichen Ereignissen das Gespräch zu den Menschen suchte. Unser emeritierter Pfarrer macht dies regelmäßig. Nach dem Sonntagshochamt begrüßt er die Gläubigen zu einem Plausch, ist beim Erntedankfest bei den Jugendlichen und man trifft ihn auch auf der Dorfkirmes.

Der regelmäßige Hausbesuch gehörte ebenfalls dazu. Gerade diese persönliche Seelsorge vermissen nicht wenige bei uns im Dorf. Ein Seelsorger, der Zeit für Menschen hat. Bei den jungen Pastören ist dies komplett aus der Mode gekommen. Wer heute im Pfarrhaus den Priester erreichen möchte, sucht ihn dort oft vergeblich. Die Sekretärin erklärt dann, dass der Pfarrer gerade unterwegs sei oder keine Zeit habe. Wann er erreichbar sei, könne sie nicht sagen. Möglicherweise ist der Pfarrer gerade auf Hausbesuch? Dennoch, so erfahre ich häufig, haben viele Gemeindemitglieder den Eindruck, dass es den Pfarrer im Dorf lange nicht mehr gibt, der für seine "Schäfchen" noch Zeit hat.

Die persönliche Ansprache ist so wichtig. Das Wort, welches Mut macht, auf den Glauben zu vertrauen. Mut macht, das eigene Kreuz mit Krankheit, Zweifel und Fehlern zu tragen. Vielleicht viel wichtiger, als so mancher Pastoralplan, der zur Zeit an grünen Verhandlungstischen in den Ordinariaten und Bistümern.

Papst Franziskus gibt dem Klerus ein Vorbild, nahe bei den Menschen zu sein. Ein Kölner Weihbischof folgt seinem Beispiel und gibt "Outdoorsprechstunden" auf der Domtreppe. Man kann sich nur wünschen, dass der eine oder andere Pfarrer ebenfalls diese "neue Mode" aufgreift, und sich mehr Zeit für das persönliche Gespräch nimmt. Und das es sich dabei ergibt, dass der eine oder andere neuen Zugang zum Glauben und den Sakramenten findet, besonders zum Beichtsakrament.

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