Freitag, 29. April 2016

Überraschung: Vechtaer Offizial Timmerevers wird Bischof von Dresden-Meißen

Eine Überraschung für alle Oldenburger Katholiken: Der Offizial für den Münsteraner Bistumsteil im Oldenburger Land Weihbischof Heinrich Timmerevers wurde heute offiziell als neuer Bischof des Bistums Dresden-Meißen durch den Papst berufen. Damit hat niemand hier im Oldenburger Land gerechnet. Er ist Nachfolger von Erzbischof Heiner Koch. Wir freuen uns, dass mit Heinrich Timmerevers ein Sohn aus unserer Region dieses verantwortungsvolle Amt übertragen bekommt. Ich wünsche ihm dafür Gottes Segen!

 

Weihbischof Timmerevers stammt aus Nikolausdorf im Landkreis Cloppenburg, war unter anderem Pfarrer in Visbek und war von 2001 bis 2016 Offizial unseres Bistumsteils im Oldenburger Land. Dieses Amt hat aufgrund der flächenmäßigen Teilung unseres Bistums mit einer wechselhaften Geschichte seine Besonderheit. Der Offizial hat bei uns weitreichende Befugnisse und gilt quasi als Regionalbischof der Oldenburger Katholiken. Das Offizialat Oldenburg ist geteilt in einer katholisch geprägten region Südoldenburg, während der nördliche Teil eine Diasporaregion mit relativ wenig Katholiken ist. Damit hat der Offizial hier eine recht vielseitige Aufgabe. Er wird durch den Bischof von Münster ernannt.

Für Oldenburger Katholiken ist die Abberufung des Offizials eine Zäsur und damit ein wichtiges Ereignis. Der Offizial wird durch den Bischof von Münster ernannt. Ich bin gespannt, wer nun neuer "Regionalbischof" im Oldenburger Land wird.

Montag, 25. April 2016

Das Vorbild des Papstes: Seelsorge vor der Kirchentür

Auf den offiziellen Kirchenportalen wird unser "supercooler" Papst der Barmherzigkeit umjubelt. Nein, er kümmert sich nicht nur persönlich um ausgegrenzte Menschen, wie zum Beispiel die Flüchtlinge auf der Insel Lesbos. Und legt damit nicht nur die Finger in die Wunden Europas, das seiner Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen nicht gerecht wird. Sondern er umarmt auch die Menschen, die ihren Glauben wieder erneuern wollen.

Zuletzt spendete Papst Franziskus auf dem Petersplatz in Rom Jugendlichen das Beichtsakrament. Doch die niederschwellige Seelsorge des Papstes fand nicht überall Beifall. In Kommentaren in den sozialen Netzwerken soll es daran heftige Kritik "frommer" "Traditionalisten" gegeben haben, berichtet Pater Hagencord in seinem Radio Vatikan Blog. Ein Papst zum Anfassen entspricht ihrer Meinung nach nicht der Würde seines Amtes.

Früher war es ganz normal, dass der Pfarrer oder Priester zumindest nach dem Sonntagshochamt auf dem Vorplatz der Kirche und bei dörflichen Ereignissen das Gespräch zu den Menschen suchte. Unser emeritierter Pfarrer macht dies regelmäßig. Nach dem Sonntagshochamt begrüßt er die Gläubigen zu einem Plausch, ist beim Erntedankfest bei den Jugendlichen und man trifft ihn auch auf der Dorfkirmes.

Der regelmäßige Hausbesuch gehörte ebenfalls dazu. Gerade diese persönliche Seelsorge vermissen nicht wenige bei uns im Dorf. Ein Seelsorger, der Zeit für Menschen hat. Bei den jungen Pastören ist dies komplett aus der Mode gekommen. Wer heute im Pfarrhaus den Priester erreichen möchte, sucht ihn dort oft vergeblich. Die Sekretärin erklärt dann, dass der Pfarrer gerade unterwegs sei oder keine Zeit habe. Wann er erreichbar sei, könne sie nicht sagen. Möglicherweise ist der Pfarrer gerade auf Hausbesuch? Dennoch, so erfahre ich häufig, haben viele Gemeindemitglieder den Eindruck, dass es den Pfarrer im Dorf lange nicht mehr gibt, der für seine "Schäfchen" noch Zeit hat.

Die persönliche Ansprache ist so wichtig. Das Wort, welches Mut macht, auf den Glauben zu vertrauen. Mut macht, das eigene Kreuz mit Krankheit, Zweifel und Fehlern zu tragen. Vielleicht viel wichtiger, als so mancher Pastoralplan, der zur Zeit an grünen Verhandlungstischen in den Ordinariaten und Bistümern.

Papst Franziskus gibt dem Klerus ein Vorbild, nahe bei den Menschen zu sein. Ein Kölner Weihbischof folgt seinem Beispiel und gibt "Outdoorsprechstunden" auf der Domtreppe. Man kann sich nur wünschen, dass der eine oder andere Pfarrer ebenfalls diese "neue Mode" aufgreift, und sich mehr Zeit für das persönliche Gespräch nimmt. Und das es sich dabei ergibt, dass der eine oder andere neuen Zugang zum Glauben und den Sakramenten findet, besonders zum Beichtsakrament.

Bei der Vesper im Hohen Dom zu Münster

Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, an einer Liturgie in einem Dom teilnehmen zu können. Leider ist das Bistum Münster flächenmäßig groß. So muss man weitere Entfernungen und oft einen eher mühevollen Weg auf sich nehmen, um nach Münster zu fahren. Von meinem Wohnort im Kreis Vechta sind es genau 107 Kilometer. Die Fahrt geht aber über die vielbefahrene Autobahn 1 Richtung Ruhrgebiet. Da sind Staus vorprogrammiert. Auf der Hinfahrt leitete mich mein Navi zweimal um. So befürchtete ich, gar nicht rechtzeitig in Münster sein zu können. Glücklicherweise kam ich dennoch pünktlich an und wurde wirklich für meine Mühen entschädigt.

An diesem Tag wurden während der Vesper drei neue Domkapitulare investiert, das heißt, während des Gottesdienstes in ihr Amt verpflichtet. Möglicherweise füllten sich deshalb auch die Bänke im Dom. Neben mir setzte sich ein Pfadfinder, was ich an seiner Kleidung erkennen konnte. Er kannte die Melodien und Antiphonen und sang alles mit. So weit mir möglich, stimmte ich natürlich in den Gesang mit ein. Die hervorragende Orgelmusik, begleitet von einer Schola, tat ihr übriges. Nach der Lesung wurden die neuen Kapitulare von Dompropst Kurt Schulte in ihr neues Amt eingeführt. Schulte ist uns Südoldenburger Katholiken aus seiner Zeit als Pfarrer in Dinklage und Vechta sehr bekannt und hielt eine hervorragende Predigt, in der er betonte, dass die wichtigste Aufgabe der neuen Domkapitulare das Gebet und ihre Liturgie sei, aus dem heraus sie die Menschen in ihrem Glauben stärken und mit ihnen im Evangelium leben sollen. Zum Bericht auf kirchensite ... | Zum Bericht des Offizialat Oldenburg ...

Nach der Vesper ging ein wenig in der Umgebung des Domes spazieren und landete beim Euthymia-Zentrum, in dem ich eine Ausstellung über das Leben der seligen Schwester Euthymia besichtigte. In ihr fand ich auch eine sehr schöne Ikone meines Namenspatrons des heiligen Georg. In der Ausstellung traf ich auch eine Clemensschwester, die gebürtig aus Norddöllen bei Visbek stammt.

Im St. Paulus Dom zu Münster (vor Beginn der Vesper)

Euthymia Zentrum

Gang durch die Ausstellung

Ikone des hl. Georg



Samstag, 23. April 2016

Meine Snapchat-Geschichte: "Heute feiere ich meinen Namenstag"

Heute, am 23. April, ist der Gedenktag des hl. Georg, zugleich mein Namenstag. In meinem Snapchat-Kanal erkläre ich meinen "Freunden", warum ich den Namenstag besonders feiere, warum der Hl. Georg für mich wichtig ist, und warum er zugleich ein Vorbild ist. Das Video ist leider im Hochkantformat, was mit der App Snapchat zusammenhängt.

Donnerstag, 21. April 2016

Bischof Genn zu Amoris Laetitia: Lehre in keiner Weise verändert

Bischof Felix Genn von Münster äußerte sich zu dem päpstlichen Schreiben Amoris Laetitia von Papst Franzisus. Es sei,  wie immer in den letzten Jahren, eine "Überraschung".  Der Papst habe einen "eigenen Akzent" gesetzt. Der Bischof hob drei pastorale Schwerpunkte in dem Schreiben hervor: "Verstehen, Begleiten und Integrieren". Der Papst gebe keine starren Regeln in einer komplexen Lebenssituation hervor sondern betone die Notwendigkeit, die Menschen zu begleiten und ihnen nahe zu sein, ohne die kirchliche Lehre zu ändern. Genn betonte in seinen Ausführungen mehrfach, dass die Lehre der katholischen Kirche zur Ehe und Sexualität nicht geändert worden sei.

Sonntag, 17. April 2016

Gedenken an Bischof Reinhard Lettmann+

Genau heute vor drei Jahren verstarb der Münsteraner Bischof Dr. Reinhard Lettmann während einer Reise ins Heilige Land. Ich durfte ihn anläßlich des 100jährigen Kirchweihjubiläums unserer Pfarrkirche im Jahr 2007 persönlich kennenlernen. Er hat auf mich eine große Ausstrahlung gehabt. Nach dem Festhochamt fand einen Empfang in unserem Pfarrheim mit ihm statt. Er begrüßte jeden persönlich und seine ruhigen aber bestimmten Worte trafen in unser Herz. Ich werde ihn im Gedenken behalten.

Bischof Reinhard Lettmann mit Pfarrer em. Josef Mayhaus
und Pfarrer Joseph Honkomp in St. Johannes Baptist Bakum
Bild: Georg Rosenbaum

Freitag, 15. April 2016

Wir müssen die Volkskirche beerdigen. Und zur Entscheidungskirche kommen!

Zur Zeit wird ein Radiointerview von Domradio mit dem Priester Thomas Frings im Netz geteilt. Der Priester ließ sich kürzlich aus dem Amt des Pfarrers verabschieden und nimmt nuneine Auszeit im Kloster. In dem Interview äußert der Priester mit klaren Worten zu seiner Entscheidung und skizziert, dass eine Pfarrei im Stile einer Volkskirche des 19. Jahrhunderts keinen Sinn mehr macht. Eine Kirchensteuereinrichtung, in denen die Leute von der Kirche "Dienstleistungen" wie Taufe, Erstkommunion und Heirat einfordern, ohne noch innerlich an ihr noch teilnehmen und ihr ansonsten sehr fern stehen. Es werde ein riesiger Aufwand für die Bewältigung der Kirchenkrise getan, anstatt das eigentliche Problem, die Glaubenskrise zur Hauptaufmerksamkeit zu machen.

Irgendwie erinnert mich diese Zustandsbeschreibung durchaus auch an die Situation in meiner Pfarrei. In einer 8.000 Seelen - Pfarrei gibt es VIER Kirchen. Die werden allerdings während der Gottesdienste nur noch von wenigen besucht. Und besonders wichtig; VIER Pfarrheime, die seht rege benutzt werden. Letztere dienen zugleich auch als Dorftreffpunkt für Jugendgruppen, Vortragsveranstaltungen, Frauenfrühstück und ähnliches genutzt werden. Außerdem werden die Pfarrheime auch als Ausweichquatiere für die Kindergärten und als Mensa genutzt. Da ist gar nichts gegen einzusetzen.

Die Leute nutzen die Pfarrheime und Einrichtungen, weil sie ja schließlich auch Kirchensteuer dafür zahlen. Aber innerlich haben sie sich schon längst von Glauben und Kirche verabschiedet. Die Aufrechterhaltung eines riesigen Pfarreiapparates wird damit gerechtfertigt, man wolle die Leute noch an die Kirche binden, um sie wieder für den Glauben zurück zu gewinnen. Pfarrer Frings hält dies Pfarreisystem für ein Auslaufmodell. Die Kirche müsse den Schritt ins 21. Jahrhundert machen, sich von der Volkskirche verabschieden und zu einer Entscheidungskirche wandeln. Er schlägt eine ganz andere Art der Pfarrei vor. Eine, die nicht an ein Dorf oder Territorium gebunden ist. Sondern eine Gemeinschaft mit Menschen, die sich bewusst und freiwillig zum Glauben bekennen. Eine Gemeinschaft, die ganz auf Hauptamtliche verzichtet sondern ganz auf Freiwilligkeit basiert. Wer mitmachen will, trägt mit seinen Fähigkeiten zur Gemeinschaft bei.

Es lohnt sich, die Ausführungen von Thomas Frings, besonders ab der 28. Minute, sich anzuhören.

Mittwoch, 13. April 2016

Eine (Nicht)-Wahlempfehlung aus dem Offizialat

Der Pressesprecher des Offizialates Vechta gab seine "persönlichen Gedanken" zu einem delikaten Thema preis: Eine Empfehlung der Kirche, eine Partei zu (nicht!) wählen. Er scheint wie ich älteren Semesters zu sein und erinnert sich sehr gut an Zeiten, in denen tatsächlich noch die Pastöre ihren Gläubigen während der Predigt verkündeten, welche Partei man als Katholik lieber nicht wählen sollte. Vor allem in den 60iger und 70iger Jahren, als die Kirche sich noch traute, sich unmissverständlich gegen die Straffreiheit von Abtreibung auszusprechen und nach Ansicht der damaligen Hirten die traditionelle Familie im katholischen Sinne aus Vater, Mutter und Kind bestand. Die Eltern hatten selbstverständlich christlich verheiratet zu sein, und die Schließung einer Ehe war aus katholischer Sicht wirklich einmalig und galt das ganze Leben lang.

Damals setzte sich die Kirche sehr energisch für eine entsprechende Ausrichtung der Erziehung und Schulbildung ein und nutzte hierzu ihren noch großen Einfluss in Politik und Gesellschaft. Ein Bildungsplan einer rot-grünen Regierung, in der die fächerübergreifende Akzeptanz der homo- und transsexuellen Vielfalt von Lebensformen gleichberechtigt zur traditionellen Familie propagiert worden wäre, hätte unweigerlich dazu geführt, dass aus der Kirche die Mahnung an alle Gläubigen verkündet worden wäre, auf keinen Fall eine solch unchristliche Regierung zu wählen. Die politischen Parteien hätten damals die Hirtenworte noch ernstgenommen und sich nicht getraut, sich darüber einfach hinwegzusetzen.

Der Pressesprecher des Vechtaer Offizialates stellt zu Recht fest, dass die Zeiten derartiger "kirchlicher Parteinahme" längst vorbei sind. Niemand läßt sich heute noch bei seiner Wahlentscheidung  von der Kirche beeinflussen. Und auch die Parteien richten sich nicht zwangläufig mehr nach den Wünschen der Kirche sondern vor allem nach den Wünschen ihrer (Nicht)-Wähler. Je stärker die AFD, desto größer also der Rechtsruck in der Politik. So ist dies nun leider einmal. Umso pikanter ist der erneute versteckte Aufruf des Pressesprechers, eine Partei - nein, ihre Denkrichtung - nicht zu wählen: Die AFD!

Um es deutlich zu machen, für mich ist die AFD unwählbar. Natürlich schon allein wegen ihres Fremdenhasses, darin bin ich mit dem Mann aus dem Offizialat einig. Aber auch wegen die meisten anderen politischen Ziele dieser Partei. Hierzu gehören die von der AFD gewünschte Abschaffung des Euros, die Stärkung von Nationalstaaten und die Schwächung der Europäischen Union und das Ende der Energiewende verbunden mit einer Verlängerung der Kernkraftwerke. Zusammengefasst halte ich die AFD für eine Partei, die den sozialen Frieden in der Gesellschaft und unseren Wohlstand gefährdet. Pikanterweise setzt sich die AFD allerdings für die Förderung der traditionellen Familie ein, eine ursprünglich katholische Forderung.

Gut, dass dies die persönliche Meinung des Pressesprechers bleibt. Die Kirche begibt sich hier nicht aufs Glatteis sondern bleibt politisch neutral und gibt keine Wahlempfehlung. Wenn aber die Kirche und Vertreter ihrer Verwaltungen schon Positionen zu "Denkrichtungen" politischer Parteien einnehmen, dann müssten sie es eigentlich zu allen Themen gleichermaßen deutlich tun, wie es der Pressesprecher im Fall der rechtspopulistischen AFD tat. Dazu zählen unter anderem auch die rot-grüne Bildungs- und Familienpolitik. Wie wäre es, wenn der Pressesprecher sich ebenfalls an die Spitze des "Marsches für das Leben" und der Lebensrechtsbewegung stellen würde? Dazu hat er aber möglicherweise persönlich eine andere Meinung und das ist sein gutes Recht.

Noch einmal der Link zum von mir kommentierten Beitrag:
"Welche Partei soll ich wählen, Herr Pastor?"

Samstag, 9. April 2016

Alter in Würde - "Woche für das Leben"

Heute beginnt die "Woche für das Leben" - eine ökumenische Aktion der katholischen und evangelischen Kirchen. Das Thema ist "Würde im Alter". Mit dieser Thematik bin ich hautnah konfrontiert, da ich jeden Tag eine Angehörige im Altenheim besuche, wenn es irgendwie möglich ist. In unserer Region werden alte Menschen noch häufig in den Familien versorgt und betreut. Und so landen vor allem die besonders pflegeaufwändigen alten Menschen, die nicht mehr zuhause versorgt werden können, im Pflegeheim.

Und so erlebe ich dort hochbetagte Menschen, die zunehmend körperlich und geistig abbauen. Auch bei meiner Angehörigen ist dies der Fall. Dass jeder Mensch, egal in welcher Konstitution, es verdient, in seiner Würde respektiert und geachtet zu werden, legt uns die Bibel deutlich ans Herz: 
32 Du sollst vor grauem Haar aufstehen, das Ansehen eines Greises ehren und deinen Gott fürchten. Ich bin der Herr. (Levitikus 19.32)
Kirchensite.de: Würde auch im neunten Lebensjahrzehnt

 

Sonntag, 3. April 2016

Polens Diskussion um ein totales Abtreibungsverbot

Jede Abtreibung ist eine zuviel. Christen glauben, dass ungeborenes Leben unbedingt geschützt werden muss. Auch das Leben von Behinderten oder Missgebildeten. Ein Mensch ist nicht erst nach der Geburt Mensch. Menschliches Leben entsteht von der Zeugung an. Daher sind wir aufgerufen, alles ungeborene Leben zu schützen. Es ist nicht hinnehmbar, dass 100.000 Abtreibungen im Jahr allein in Deutschland stattfinden. Herrscht eine so große Notlage in unserem Land vor, dass diese Zahl lebensbeendender Maßnahmen von Ungeborenen wirklich unumgänglich ist? Und das, obwohl sich jeder vor ungewollter Schwangerschaft mit Verhütungsmitteln schützen kann? Und vielfache Hilfen und Alternativen zur Vermeindung einer Tötung des ungeborenen Kindes angeboten werden?

Aber kann auf der anderen Seite ein Staat mit Gesetzen ein totales Abtreibungsverbot durchsetzen? Die derzeitige Diskussion in Polen darüber wirkt auf Deutsche, zumindest auf mich, doch befremdlich. Selbst wenn man, wie ich,  Abtreibungen möglichst in jedem Fall verhindern möchte. In Polen herrscht bereits eine sehr restriktive Regelung, nach der nur wegen unheilbarer Krankheiten oder Missbildungen des Fötus, Vergewaltigung und Inzest sowie Gefahr um Leben und Gesundheit der Frau abgetrieben werden darf.

Dennoch wird in mehreren Berichten seriöser Zeitungen, zum Beispiel hier und hier konstatiert, dass mehr als illegale 100.000 Abtreibungen polnischer Frauen jährlich stattfinden sollen. Vor diesem Faktum dürfen auch polische Regierungen und Bischöfe nicht die Augen verschließen. Dies ist besonders erschreckend in einem Land, in dem 90% der Einwohner katholischer Konfession sind und die Kirche noch eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielt.  Bei einer Bevölkerung, die nur die Hälfte von Deutschland beträgt (ca.40 Mio Einwohner) ist dies eine doppelt so hohe Abtreibungsrate wie in Deutschland, wo ein sehr "liberales" Abreibungsrecht dafür sorgt, dass die Frauen hierbei weitgehend straffrei bleiben.

Das jetzt schon strenge polnische Abtreibungsrecht hat also wenig ungeborenes Leben gerettet. Mit einem totalen Abtreibungsverbot, welches  auch polnische Bischöfe fordern, wird man daran wenig ändern, befürchte ich. Vielmehr müssen Katholiken dazu beitragen, einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung zu bewirken, möglichst vielen Müttern helfen, wenn sie ungewollt schwanger werden, Hilfe vor Ort leisten, wie es zahlreiche Initiativen auch in Deutschland und anderswo tun.

Wir brauchen eine starke Prolife-Bewegung, die die Menschen zum Umdenken bringt. Hier bei uns und auch in Polen. Es gibt andere Lösungen, als ein ungewolltes Kind abzutreiben. Wir müssen überdenken, wie wir in unseren Partnerschaften mit der Sexualität umgehen. Sexualität gehört in die -Ehe, in eine geschützte Partnerschaft. Dafür müssen wir Katholiken werben. Ein totales Abtreibungsverbot von "Oben" wird die Fronten, die bereits bestehen, nur verstärken. Dies werden auch polnische Bischöfe und konservative Regierungen einsehen müssen. Sonst geschieht ihnen das gleiche wie in anderen westlichen Ländern: Die Leute werden mit den Füßen abstimmen, oder ihre Regierung abwählen. Mit Gesetzen und Verboten allein wird nichts erreicht.

Immer weniger Teilnehmer an den Messen - Statio einer Pastoralreferentin

Unser emeritierter Pfarrer zelebrierte heute das Hochamt am 2. Sonntag der Osterzeit. Er predigt normalerweise nicht mehr selber. Wenn nicht der Diakon mit ihm zusammen an den Altar tritt, fällt die Predigt daher weg. Dann hält meistens eine Pastoralreferentin zum Beginn der Messe  eine Statio. So war es auch an diesem Sonntag.

Unsere Pastoralreferentin bedauerte zu Beginn ihrer Ansprache, dass immer weniger Gemeindeglieder an der Gottesdienstgemeinschaft teilnehmen würden. Selbst an hohen Feiertagen blieben viele Plätze leer in den Bänken unserer Pfarrkirche. Das würde sie sehr schmerzen. So viele Leute würde sie vermissen. Viele Familien würden nur noch sporadisch kommen. Dies offenbare, wie viele Menschen am Glauben zweifeln würden. 

 Das heutige Evangelium vom ungläubigen Thomas enthalte hierzu zwei Botschaften. Es erzähle die Geschichte des zweifelnden Apostels, der aber nie seine Suche nach Christus aufgegeben habe. Ob wohl  er an die Auferstehung gezweifelt habe, hielt er den Kontakt zu den anderen Aposteln aufrecht und wendete sich nicht von der Gemeinde ab. Und es berichte außerdem, dass die anderen Jünger den zweifelnden Thomas ihrerseits nie ausgeschlossen hätten. Vielmehr hätten sie ihre Zweifel aber auch ihren Glauben mit Thomas weiterhin geteilt.

Die Seelsorgerin unserer Pfarrei appellierte an alle zweifelnden Gemeindemitglieder, den Kontakt zur Gemeinde nicht abreißen lassen. Und die Restgemeinde dürfe ihrerseits niemanden ausschließen. Gut und schön, dachte ich mir, aber das kann es wohl nicht gewesen sein. Mir fehlte da doch einiges in ihrer Rede. Thomas gelangte schließlich nur zur persönlichen Berührung durch Christus, weil er danach verlangte. Und mir fehlte auch der Verweis auf das Sonntagsgebot, welches nicht ohne Grund gilt. Wir sollen unsererseits mindestens jeden Sonntag uns um den Tisch der Eucharistie versammeln. Damit Christus uns durch sein Sakrament verwandelt. Wenn wir uns darum nicht mehr bemühen, dann verlieren wir auch unweigerlich die Tuchfühlung mit IHM. Und mit seiner Kirche. Ach ja, und von dem Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, den die Kirche heute auch feiert, war in ihrer Ansprache keine Rede. Darin hätte sich auch viel Stoff für dieses Thema angeboten.

Nach der Messe traf ich unterwegs eine junge Familie, die den Weg in die Gottesdienstgemeinschaft nicht mehr gefunden hat. Sie genoss stattdessen ein Eis, welches sie aus einem benachbarten Laden erworben hatte. Ich wünschte der Familie einen schönen Sonntag. Von den gutgemeinten Worten unserer Pastoralreferentin hat diese Familie nichts mitbekommen. Ob sie sich durch die Worte verstanden gefühlt hätte?

Mein Gotteslob ist für die R(D)eform der Reform bereits präpariert

Ab Fronleichnam gilt eine neue Liedersortierung im aktuellen katholischen Gebet- und Gesangbuch. Ehrlich gesagt, habe ich nicht verstanden, warum die Änderungen unbedingt nötig sind. (Siehe auch meinen gestrigen Blogbeitrag hierzu). Schließlich steht nichts anders als vorher in unserem Gotteslob. Der Not gehorchend, habe ich aber mein Gebetbuch für alle Fälle bereits präpariert, damit ich mich nach Fronleichnam noch darin zurecht finde. Ich hoffe, den Kirchenbehörden fallen nicht noch mehr (notwendige) Umsortierungen ein, denn sonst findet sich wirklich niemand mehr im Gebetbuch zurecht.

in meinem Gotteslob habe ich nun an jeder Stelle handschriftlich notiert,
wo ich nach der "R(D)eform" die Lieder auch weiterhin finde.

Samstag, 2. April 2016

Das Chaos mit dem neuen Gotteslob

Seit drei Jahren gibt es das neue Gotteslob, das Gesang und Gebetbuch der katholischen Kirche in den deutschsprachigen Ländern. Nun soll es schon wieder geändert werden, berichten offizielle katholische Internetseiten wie katholisch.de. Die Sortierung des Liedguts sei nicht "kundenfreundlich" genug, besonders die Nummerierung von "Salve Regina" und "Großer Gott wir loben dich" sei kritisiert worden, wird dies begründet. Traditonsbewusste Katholiken hätten sich nicht daran gewöhnen können, dass das Lied "Großer Gott" nicht mehr unter der gewohnten Nummer 257 zu finden ist, sondern unter der Nummer 380 eingeordnet ist.

Chaosreform: Ein Lied wird umsortiert, indem man ihm einfach eine neue Nummer überklebt.
Zu finden ist es aber weiterhin nur an alter Stellem, nämlich nach Lied Nummer 379
Die Lösung soll sein, dass man dem Lied nun einfach die Nummer 257 zurück verpasst, indem man die Liednummer 380 mit der alten Zahl 257 überklebt. Ähnlich verfährt man mit dem Lied "Salve Regina", das seine angestammte Nummer 570 zurückerhält. Für mich ist dies eine Posse. Denn demnächst muss man das ganze Buch wohl durchblättern, damit man die Lieder finden kann. Es wird nämlich wohl keiner "Großer Gott" herausreißen und vor dem jetzigen Lied 257, welches nun die Nummer 257a erhält, wieder einkleben.  Ich kann nicht nachvollziehen, dass man Liednummern ändert, weil sie einigen Leuten nicht gefallen. Gerade "Traditionalisten" kennen diese Lieder doch auswendig, zumindest die ersten drei Strophen!

Die Sortierung im Neuen Gesangbuch ist nun mal anders als in der vorherigen Version. Diejenigen, die das Buch zusammengestellt haben, werden sich wohl was dabei gedacht haben. Es macht für mich keinen Sinn, einzelne Lieder an anderen Stellen einzusortieren. Wenn man demnächst "257" aufschlagen möchte, wird man eh bis "380" weiterblättern müssen, um zum Lied "Großer Gott" zu gelangen. Worin liegt der Vorteil? Ich beführchte, dass nun noch weniger Leute während der Gottesdienste mitsingen, als sie es ohnehin schon tun.

Aber nicht nur die Umnummerierung zweier Lieder ist geplant, sondern auch die Änderung der Anordnung der Rosenkranzandachten. Außerdem ist geplant, zusätzliche Gebete hinzuzufügen. Mir ist aufgefallen, dass immer weniger ein eigenes Gotteslob mit in die Kirche bringen. Wahrscheinlich, weil sie es sich gar nicht mehr angeschafft haben. Das finde ich bedauerlich. Ein Gebetbuch gehört in jedes Haus. Kurzfristige "Reformen von Reformen" werden diesen Trend beschleunigen.