Dienstag, 22. März 2016

Katholisch und das liebe Schweinefleisch

Ist es Pflicht, als Katholik Schweinefleisch zu essen? Gehört dies gar zur Leitkultur unserer Gesellschaft? Als Südoldenburger Katholik finde ich die derzeitig kuriose Diskussion darüber , was auf den Teller gehört, ein wenig krass. Schließlich wohnen in meiner direkten Umgebung Millionen Schweine. Nein, damit mein ich keineswegs die Menschen rings um mich herum. Südoldenburg ist die Hochburg der Schweinemast. Im Oldenburger Münsterland (Kreise Vechta und Cloppenburg) werden Millionen Schweine gemästet.

Ich esse regelmäßig Schweinefleisch, kenne aber auch unter Katholiken zumindest einen Veganer. Der katholische Glaube schreibt niemand vor, Fleisch zu essen, verbietet es aber auch nicht. Ausnahme: an bestimmten Fast- und Abstinenztagen wird der Verzicht auf Mahlzeiten mit Fleisch empfohlen, wie am Aschermittwoch oder Karfreitag). Zum Glück esse ich aber nicht nur Schweinefleisch und kann im übrigen gerne auch mal drauf verzichten. Aber ganz verbieten werde ich mir die Bratwurst und das Filet sicherlich von niemanden. Zur Not kommt es bei mir zuhause in die Pfanne, wenn es vom Menüplan öffentlicher Küchen gestrichen wird.

Umso erstaunter war ich, als der Chef vom Dienst des offiziellen Internetportals der katholischen Kirche in Deutschland Steffen Zimmermann so vehement in seinem Standpunkt den Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt angriff, weil der unsere "abendländische Kultur ab sofort beim Sonntagsbraten" verteidigen wollte. Agrarminister Schmidt hatte doch keinen Muslim dazu verpflichten wollen, Bier zu trinken und sonntags ein Schweineschnitzel herunterzuwürgen. Er hat sich nur dafür stark gemacht, dass es auf keinen Fall dazu kommen darf, dass es in öffentlichen Kantinen gar kein Schweinefleisch mehr zur Auswahl gibt.

Interessant ist eher die Frage nach der Art, wie wir heute Fleisch konsumieren, übrigens nicht nur Schweinefleisch. Früher wurden ganze Schweine geschlachtet und weitgehend auch gegessen. Eisbein, Blutsuppe und Schweineohren gehörten genauso wie das Kotelette auf den Mittagstisch. Noch vor hundert Jahren wurden Schweine komplett verwertet. Heute essen wir nur noch das Allerbeste vom Schwein. Die Schweineohren gehen nach Asien. die minderwertigen Produkte, die wir reichen Europäer verschmähen, wandern auf afrikanische Märkte. Die Schlachtkonzerne in unserer Region und in Westdeutschland verwerten Schweine auf diese Weise immer noch komplett und verdienen gutes Geld dabei, zum Teil auf Kosten der Werkarbeiter aus dem Ausland und auch hiesiger Landwirte, die zunehmend dem Preisdruck der Monopolisten ausgesetzt sind.

Schade, dass Herr Zimmermann in seiner Polemik gegen Agrarminister das eigentliche Thema nicht behandelt hat, ob die Art, wie Schweine bei uns produziert, vermarktet und konsumiert werden, mit einer abendländisch christlichen Kultur vereinbar sind. Unser Problem wird sicherlich in Zukunft nicht sein, dass es ausreichend Schweinefleisch auf dem Teller gibt und Muslime oder Veganer andere Mahlzeiten angeboten werden.

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