Donnerstag, 10. März 2016

Fastenvorsatz: Bischof Overbeck betet 'ne Stunde länger

Mit der Fastenzeit habe ich so meine Schwierigkeiten. Das gebe ich unumwunden zu. Mit den guten Vorsätzen ist dies so eine Sache. Auch hierauf passt ein Satz, den ich heute aus der Lesung des Tages  (Exodus 32 7-14) mitnehme, wie ein Deckel auf dem Topf: "Schnell sind sie von dem Weg abgewichen, den ich ihnen vorgeschrieben habe. Sie haben sich ein Kalb aus Metall gegossen und werfen sich vor ihm zu Boden." Umso mehr bereiten mir die vielen Fastenvorsätze "wichtiger" und "nicht so wichtiger Leute" Bauchschmerzen, die zu Zeit inflationär in den offiziellen Medien der Kirche verbreitet werden. Mit ihnen soll den Leuten die Bedeutung des Fastens nahe gebracht werden.

Auf katholisch.de lese ich zum Beispiel, wie dies der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck Schülern erklärt. Seine Antworten auf Fragen der Schüler wirken auf mich genauso wenig überzeugend, wie meine eigenen Begründungen, warum ich auf dies oder jenes nicht verzichten könne. Der Bischof könne auf sein Luxusgefährt, einen Phaeton, nicht verzichten, da er viel Zeit darin verbringe und Platz zum Arbeiten brauche, lese ich. Aha, denke ich mir, unserem Papst reicht für seinen Komfort ein Renault aus, erinnere ich mich an ebenso inflationären Berichten früherer Zeiten.

Und kein Bier und Fleisch in der Fastenzeit sei in unserer Konsumgesellschaft seiner Ansicht nach kein wirklicher Verzicht. Ja, lieber Bischof, was ist denn dann in unserer Konsumgesellschaft wirklicher Verzicht?! Auch auf das Handy verzichte er nicht, da er dann nicht erreichbar sei. Sein Fastenvorsatz bestehe darin, dass er täglich eine Stunde länger beten wolle. Das sei ihm wichtig, damit er wisse, warum er seine viele Arbeit mache, dass er nicht einfach nur ein Manager sei. Schön, dass er sich in der Fastenzeit auf seine wichtigste Aufgabe besinnt, ein Mann des Gebetes zu sein.

Mir liegen die Worte unseres Pfarrers in seiner Predigt zu Beginn der Fastenzeit allerdings noch im Magen. In der Fastenzeit gehe es vor allem darum, auf Gutes und Entbehrliches zu verzichten. Das ist weit schwieriger, als an seinen schlechten Angewohnheiten zu arbeiten. Letzteres sollte man sowieso das ganze Jahr tun.

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