Freitag, 18. März 2016

Ein CDU Politiker und seine "politische Annäherung" an das Kreuz

Der berühmteste Sohn Südoldenburgs, Kardinal Graf von Galen, starb vor 70 Jahren. Der streitbare Bischof von Münster widersetzte sich dem Unrechtsstaat und der Willkür der Nationalsozialisten. Unvergessen ist in unserer Region der Oldenburger Kreuzkampf. Südoldenburger Katholiken widersetzten sich den Nazis, die das Kreuz aus dem öffentlichen Leben verbannen wollten. Ihren Mut schöpften die Südoldenburger nicht zuletzt aus der eindeutigen christlichen Haltung des Kardinals, der sich gegen die menschenverachtende Ideologie der Herrschenden stellte.

Die Kardinal von Galen Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt Projekte zu initiieren, die Mut für den Einsatz für ethische Grundsätze in Politik und Gesellschaft machen und an das Vermächtnis des Kardinal von Galen erinnern sollen. Aus Anlass des Jahrestages startet die Stiftung jetzt das Projekt "Mut zum Kreuz". Hierzu wurden Personen des öffentlichen Lebens von der Stiftung und den Benediktinerinnen des Klosters Dinklage eingeladen, berichtete die Oldenburgische Volkszeitung. Neben einer Unternehmerin sprach auch der langjährige Präsident des Niedersächsischen Landtags Bernd Busemann (CDU) auf der Veranstaltung. Die Oldenburgische Volkszeitung zitiert ihn in ihrer heutigen Ausgabe wie folgt:

"Politik aus christlicher Verantwortung kann nicht der Versuch sein, kirchliche Lehren, christliche Lebensführung oder gar den Inhalt der Katechismen eins zu eins auf die Gesetzgebung und die politische Willensbildung zu übertragen." Nur in einem pluralistischen, weltanschaulich neutralen Staat könne sich Kirche frei entfalten. Als ich dieses Zitat aus dem Munde eines CDU-Politikers las, musste ich ein wenig schlucken. Ich hätte Herrn Busemann gerne die Gegenfrage gestellt: "Warum nicht?"

 Ist es nicht gerade das Ziel eines jeden gläubigen und praktizierenden Christen, die Lehre der Kirche und das Evangelium in seinem privaten und öffentlichen Wirkungskreis möglichst umfassend umzusetzen? Sind die Lehren der Katechismen nicht auch Richtschnur für die Arbeit eines christlichen Politikers? Ist der Katechismus gar ein gefährliches Gift, welches man aus dem gesellschaftlichen Diskurs verbannen muss? Diese Ansicht ist ja unausgesprochen oder sogar ausgesprochen häufig anzutreffen. Meistens von Leuten, die ihn nie studiert haben. Leider gibt es selbst unter katholischen CDU-Mitgliedern nicht wenige davon.

Nein, ich möchte jetzt auf keinen Fall die Neutralität des Staates infrage stellen oder gar einen Religionsstaat errichten. Mir ist bewusst, dass wir schon lange nicht in einer christlichen Gesellschaft mehr leben. Dass es neben anderen Religionen auch andere nichtchristliche Weltanschauungen gibt, die ebenfalls das Recht auf freie Entfaltung haben.  Aber als Christ darf, nein, muss man sich doch einsetzen, dass die Lehre des christlichen Glaubens und ihrer Kirche  hohe Berücksichtigung finden.

Die Haltung von Herrn Busemann erscheint mir ziemlich das Gegenteil zu sein, von dem Kreuzkampf der Südoldenburgern, die sich eben gegen die Verdrängung des Kreuzes und christlicher Lebensgrundsätze aus dem öffentlihen Leben ohne Wenn und Aber einsetzten. Denn mit dem Neutralitätsgebotes des Staates lässt sich vortrefflich argumentieren, wie zum Beispiel jüngst bei der Begründung, die Kruzifixe aus den Stuttgarter Gerichtssälen zu entfernen. Der - wenn  überhaupt - nur schwache Einsatz für christliche Grundsätze ist ein wesentliches Markenproblem der CDU, die immer mehr an Profil verliert.

Ebenfalls lesenswert Kardinal v. Galens kleiner Katechismus:
Der ganze Glauben auf nur 55 Seiten erklärt

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