Sonntag, 27. März 2016

Die verquere Sache mit den vielen "Ostergrüßen"

Es grassiert vor und nach Ostern förmlich eine Inflation an "Ostergrüßen". Ein Follower von mir beklagte sogar eine Inflation dieser Gruße selbst unter gläubigen Christen: "Selten ein Jahr gehabt, in dem mir so viele (gläubige) Menschen schon vor Ostern so oft "Frohe Ostern" gewünscht haben wie 2016. Ungeduldig?" - Lag er mit seiner Kritik daneben? Das Traurige daran: Bei manchen gut gemeinten Osterwünschen handelt es sich gar nicht wirklich einen Ostergruß. Zum Beispiel werden wir via Facebook oder Post von vielen Firmen mit Ostergrüßen beglückt. Mit ihren Wünschen um ein "Frohes Osterfest" verpacken sie gleichzeitig ihre Werbung. Die Junglandwirte unseres Kreislandvolkverbandes posteten zum Beispiel ihren Ostergruß wie folgt:

"Der Kreislandvolkverband ... wünscht Frohe Ostern! Pünktlich zum Osterfrühstück ist heute in der Anzeigenzeitung XY die nächste Folge der Serie "Unsere Landwirtschaft", einer Kooperation des Anzeigenblattes XY am Sonntag, KLV Vechta und Landwirtsfamilien. Dieses Mal geht es um das Düngen."

Angehängt war ein Artikel, in dem berichtet wurde, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb seine Düngung seiner Ackerflächen plant. Was hat dies mit Ostern zu tun? Rein gar nichts. Der Ostergruß war also im Grunde nur eine Floskel, es ging um Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft. Beides hat mit einander im Grunde nichts zu tun.

Aber auch im privaten Bereich hört man oft "Frohe Ostern!" Damit kann vieles gemeint sein. Zum Beispiel der Wunsch, erholsame Freizeit zu haben. Nicht wenige nutzen ja das lange Wochenende beispielsweise für einen Skiurlaub. Dagegen ist im Grunde gar nichts einzuwenden, aber auch das hat mit Ostern nichts zu tun. Dabei hat eigentlich der Ostergruß einen christlichen Ursprung. Er soll anderen Segen spenden. Er soll die Freude verbreiten, die der Christ aus der Liturgie des Osterfestes schöpft: Die Freude über den Auferstandenen, der die Dunkelheit des Todes durchschnitten und besiegt hat. Gleichzeitig soll die Frohe Botschaft mit allen geteilt werden, auch jenen, die nicht aus der Hoffung dieser Auferstehungsbotschaft schöpfen.

In der orthodoxen Christenheit wird der Brauch des Ostergrußes auch heute noch sehr gepflegt. Dort grüßt man sich während der Ostertage mit dem Ostergruß: Χριστὸς ἀνέστη! (‚Christus ist auferstanden!‘) Der so Gegrüßte antwortet: Ἀληθῶς ἀνέστη! (‚Er ist wahrhaftig auferstanden!‘). Den gleichen Sinn hat eigentlch auch der bei uns gebräuchliche Gruß "Frohe Ostern!" Im Grunde hat war der oben zitierte Tweet völlig richtig. Ostergrüße richtet man eigentlich nicht vor Ostern aus.

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