Sonntag, 21. Februar 2016

Seelsorge von A bis Z im Oldenburger Land

Ein bisschen hängt mir die Kritik des Pressesprechers des Offizialats Vechta an meinem letzten Kommentar zum Offizialatshaushalt noch nach. Ich bloggte meine Gedanken, wie die in der Presse dargestellten Einnahmen und Ausgaben  unseres "Offis" auf mich als einfacher katholischer Mitbürger wirken.

Der Pressesprecher kritisierte im harschen Ton, ich hätte den Sachverhalt falsch dargestellt. Das Offizialat würde viel mehr in Seelsorge investieren, als ich behauptet habe. In der sonntäglichen Stille des zweiten Fastensonntags ging ich in mir: Hatte ich vielleicht unserer Offizialatsverwaltung unrecht getan? Wurde mein Blogartikel zum Ärgernis? Ja, möglicherweise! Auf der anderen Seite erwähnte ich durchaus, dass 45 % des Offizialatshaushaltes an die Kirchengemeinden fließen und darüber hinaus weitere 7 % für die Seelsorge investiert wird. Wenn man die Personalkosten für Priester und Hauptberufliche ebenfalls als Investition in die Seelsorge sieht, liegen die Zahlen vom Pressesprecher "mehr als 50 %" und mir gar nicht so weit auseinander.

Einen Streit zu entfachen war eigentlich nicht das, was ich bezwecken wollte. Mit meinem Blog wollte ich auf den traurigen Fakt aufmerksam machen, dass viele Angebote die Menschen nicht (mehr) erreichen. Ich wollte die Meinungen im Dorf zur Sprache bringen, die ich immer wieder höre. Vieles rührt auch noch aus den Wunden der Fusion von ehemals vier Pfarreien zu einer Großpfarrei. Der eine oder andere vermisst tatsächlich (noch) den Pfarrer im Dorf. Andere haben sich von der Kirche bereits grundsätzlich verabschiedet. Für diese "Nochmitglieder" in der katholischen Kirche ist das, was in Vechta läuft, fast genauso fern, wie in Münster, geschweige in Rom so abgeht. "Die da oben machen mit unserem Geld, was die wollen". ist so ein Satz, den ich häufig höre und der die Enttäuschung der Menschen über die aktuelle Entwicklung ausdrückt.

Dem Pressesprecher des "Offis" muss ich ein wenig einräumen, dass sowohl die Kirchengemeinden als auch das Offizialat sich sehr intensiv in dem Bereich Seelsorge engagieren. Ganz unabhängig davon, ob man 50% Geldmittel aus dem Haushalt für viel oder wenig hält. Ist es ein wenig "Dorfblindheit" von mir und vielen anderen Katholiken in der Fläche? Mag sein. Die Urlauberseelsorge in Schillig tangiert rund um unsere vier Kirchtürme unserer Großpfarrei genauso wenige wie das Forum St. Peter in Oldenburg, so wichtig diese pastoralen Einrichtungen sind.

Ein überzeugenderes Beispiel für uns ist unsere Pfarrgemeinde in meinem Dorf. Eine Vielzahl von kirchlichen Gruppen von der Frauengemeinschaft bis zur Kolping- und Messdienerjugend bieten eine Vielzahl von Angeboten für alle Altersgruppen an. Unser Pfarrer hat in seiner achtjährigen Dienstzeit unserer Gemeinde auch viele neue geistliche Angebote von eucharistischer Anbetung über Lobpreismessen, Bibelgebetsabende bis zu Exerzitien im Alltag angeboten. Leider ist es nur eine ganz begrenzte Zahl von Menschen, die wirklich an geistlichen Angeboten interessiert sind.

Auch selbst muss ich mich an meine Brust schlagen. Wie oft war es in meinem Alltag, dass ich nicht zum Bibelgebetsabend ging, weil ich genau am Abend andere Terminverpflichtungen hatte oder schlichtweg zu "müde" war und "keine Lust" hatte. Dies motiviert Leute einschließlich Pfarrer wenig, mehr geistliche Angebote zu bieten. Ein aktuelles Beispiel, dass Pfarrer Konsequenzen ziehen, weil nur wenig Leute teil am kirchlichen Leben nehmen, ist Pfarrer Frings, der eine Auszeit im Kloster nimmt.  Allerdings versuche ich schon, meinen inneren Schweinehund zu überwinden und auch einmal werktags in die Messe zu gehen, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen und das eine oder andere Angebot tatsächlich wahrzunehmen. Der sonntägliche Messbesuch ist sowieso Pflicht für mich, die allem anderem vorangeht.

Ein Blick auf die Offizialatshomepage zeigt die Vielfalt anderer Seelsorgeangebote von A bis Z, die vor Ort jeder wahrnehmen könnte, wenn er täte. Am Ende gebe ich freimütig zu, dass ich auch schon eine Beratung wahrgenommen habe. die mir erheblich geholfen hat. Wie dumm, wenn man zu schnell vergisst, was man selbst an Gutem bereits erhalten hat.

Kommentare:

  1. Trauern Sie nicht so sehr den früheren ach so "Guten Zeiten" der örtlichen Pfarrgemeinde [mit ihrer Klüngelwirtschaft] nach.
    Die kommen eh nicht woeder.
    Ich lese gerade das Buch von George Weigel "Die Reform der katholischen Kirche", worin der Autor einem am Evangelium orientierten lebendog gelebten Katholizismus jedes einzelnen Gläubigen das Wort redet.
    Sehr empfehlenswert zur Umsetzung.
    Mit Ihrem Blog sind Sie ja schon durchaus diesem Weg.

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    1. Ich befürchte allerdings, dass Klüngelwirtschaft nie auffhört, in welcher Form Kirche auch immer lebt. Leider neigt der (sündige) Mensch dazu, mich eingeschlossen.

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  2. Danke für den interessanten Buchtipp. Genau darum geht es, die Erneuerung der Kirche. Das ist das Thema, was ich auch ansgesprochen habe.

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