Freitag, 26. Februar 2016

Gremien, Pfarrer, Offizialat im Pfarreialltag

Mein Berliner Bloggerkollege KingBear, ursprünglich aus Nordenham, berichtete über eine Pfarrversammlung seiner katholischen Heimatpfarrei im Norden des Offizialates Vechta. Der Pfarrer war dort im Sommer zurückgetreten. Die Versammlung beriet die Vorgänge rund um dessen Rücktritt und wie es nun nach seinem Abschied weitergehen soll. Ebenfalls anwesend waren auch Vertreter des Offizalates, unter anderem dem Leiter der Abteilung Seelsorge Monsignore Bernd Winter.

Die genauen Interna der Nordenhamer Pfarrei interessieren mich hier weniger, zumal ich diese als Außenstehender weder bewerten kann noch mag. Wichtiger sind die Rollen, die hauptamtliche Mitarbeiter, Pfarrer, Laien und das Offizialat innerhalb einer Pfarrei spielen. Was ich in diesem Beitrag las, erschrak und verwunderte mich doch gleichermaßen. 

Ich hätte nie gedacht, dass so viele sich schriftlich oder per Email an das Offizialat positiv oder negativ wegen ihres Pfarrers wenden. Anscheinend handelt es sich nicht nur um erboste Gemeindemitglieder sondern sogar hauptamtliche Mitarbeiter. Das ist so, als wenn ich mich in meiner Firma beim Chef über meinen Abteilungsleiter beschwere. So etwas hat für mich einen sehr schlechten Geschmack und wirft kein gutes Bild auf den Zustand einer Pfarrei.

Nun ist Nordenham sicher ein Sonderfall, weil der dortige Pfarrer zurücktrat. Aber auch vor dem Amtsverzicht des Nordenhamer Pfarrers sind wohl möglicherweise "Beschwerden" in der Vechtaer Kirchenverwaltung eingetroffen. Wieviele "Briefe" sind wohl über unseren Pfarrer schon in der Vechtaer Kirchenbehörde eingegangen? Ich möchte dies gar nicht wissen. Bei jedem Menschen gibt es Gründe, die man finden kann, um ihn zu kritisieren. Es gibt auch bei uns Leute, die keine "Gesprächsbasis" mit unserem Pfarrer finden und sich darüber beschweren. Ich schätze ihn allerdings als hervorragenden Beichtvater und Seelsorger. 

Grundsätzlich schreibe ich grundsätzlich nicht über Interna aus meiner Heimatpfarrei, denn das soll nicht das eigentlicheThema meines Glaubensblogs sein. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Zum einen bin ich in diesen Konflikten wenig involviert, zum anderen müssen sie innerhalb jeder Pfarrei untereinander gelöst werden. Manchmal hilft eher ein Gebet und die Bereitschaft, das Kreuz auf sich zu nehmen, die Fehler anderer zu ertragen als sie in die Öffentlichkeit zu tragen. Sicher gibt es in jeder Pfarrei menschliche Fehler, Schwächen und daraus resultierende Probleme, die man sowohl vor Ort in der kleinen Pfarrei bis in den Vatikan (Vatileaks) entdecken kann. Und es wird schrecklich viel über andere geredet. Missstände sehen die meisten weniger bei sich selbst als bei dem Nächsten. Wenn man ehrlich ist, findet man bei sich selber Schwächen genug. 

Erschüttert hat mich die offensichtliche Offenheit, in der auf der Versammlung über einen ehemaligen Pfarrer debattiert wurde, der nicht selbst vor Ort war. Monsignore Winter soll - laut dem Bericht  meines Bloggerkollegen - gesagt haben, dass der ehemalige Pfarrer mit administrativen Aufgaben vielfach überfordert gewesen sei und es ein Fehler gewesen sei, ihn an dieser Pfarrei zu beschäftigen. Ob dies in eine solche öffentliche Versammlung gehört, bei der der Betroffene nicht anwesend ist und selbst dazu Stellung nehmen kann, muss man sich fragen.

Auffällig ist aber, dass administrative Management- und Kommunikationsqualitäten eines Pfarrers womöglich wichtiger zu sein scheinen als die Fähigkeit zur Seelsorge. Sprich: Ein guter Seelsorger versagt als Pfarrer, weil er die Kirchenbücher nicht ordentlich führt. Umgekehrt kann vielleicht ein Pfarrer, der das Augenmerk hauptsächlich auf seine administrativen Pflichten legt, durchaus erfolgreich seine Pfarreiarbeit erledigen, obwohl er dadurch seine anderen Aufgaben vernachlässigt und auf das Mindestmaß beschränkt.

Solche Diskussionen und Streitigkeiten offenbaren die Uneinigkeit einer Gemeinschaft, die dem Evangelium nicht gerecht wird. Und oft Menschen zur Mitarbeit abschreckt. Vielleicht sogar den einen oder anderen jungen Mann, der sich eigentlich zum Priesteramt berufen fühlt.

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