Freitag, 26. Februar 2016

Gremien, Pfarrer, Offizialat im Pfarreialltag

Mein Berliner Bloggerkollege KingBear, ursprünglich aus Nordenham, berichtete über eine Pfarrversammlung seiner katholischen Heimatpfarrei im Norden des Offizialates Vechta. Der Pfarrer war dort im Sommer zurückgetreten. Die Versammlung beriet die Vorgänge rund um dessen Rücktritt und wie es nun nach seinem Abschied weitergehen soll. Ebenfalls anwesend waren auch Vertreter des Offizalates, unter anderem dem Leiter der Abteilung Seelsorge Monsignore Bernd Winter.

Die genauen Interna der Nordenhamer Pfarrei interessieren mich hier weniger, zumal ich diese als Außenstehender weder bewerten kann noch mag. Wichtiger sind die Rollen, die hauptamtliche Mitarbeiter, Pfarrer, Laien und das Offizialat innerhalb einer Pfarrei spielen. Was ich in diesem Beitrag las, erschrak und verwunderte mich doch gleichermaßen. 

Ich hätte nie gedacht, dass so viele sich schriftlich oder per Email an das Offizialat positiv oder negativ wegen ihres Pfarrers wenden. Anscheinend handelt es sich nicht nur um erboste Gemeindemitglieder sondern sogar hauptamtliche Mitarbeiter. Das ist so, als wenn ich mich in meiner Firma beim Chef über meinen Abteilungsleiter beschwere. So etwas hat für mich einen sehr schlechten Geschmack und wirft kein gutes Bild auf den Zustand einer Pfarrei.

Nun ist Nordenham sicher ein Sonderfall, weil der dortige Pfarrer zurücktrat. Aber auch vor dem Amtsverzicht des Nordenhamer Pfarrers sind wohl möglicherweise "Beschwerden" in der Vechtaer Kirchenverwaltung eingetroffen. Wieviele "Briefe" sind wohl über unseren Pfarrer schon in der Vechtaer Kirchenbehörde eingegangen? Ich möchte dies gar nicht wissen. Bei jedem Menschen gibt es Gründe, die man finden kann, um ihn zu kritisieren. Es gibt auch bei uns Leute, die keine "Gesprächsbasis" mit unserem Pfarrer finden und sich darüber beschweren. Ich schätze ihn allerdings als hervorragenden Beichtvater und Seelsorger. 

Grundsätzlich schreibe ich grundsätzlich nicht über Interna aus meiner Heimatpfarrei, denn das soll nicht das eigentlicheThema meines Glaubensblogs sein. (Ausnahmen bestätigen die Regel.) Zum einen bin ich in diesen Konflikten wenig involviert, zum anderen müssen sie innerhalb jeder Pfarrei untereinander gelöst werden. Manchmal hilft eher ein Gebet und die Bereitschaft, das Kreuz auf sich zu nehmen, die Fehler anderer zu ertragen als sie in die Öffentlichkeit zu tragen. Sicher gibt es in jeder Pfarrei menschliche Fehler, Schwächen und daraus resultierende Probleme, die man sowohl vor Ort in der kleinen Pfarrei bis in den Vatikan (Vatileaks) entdecken kann. Und es wird schrecklich viel über andere geredet. Missstände sehen die meisten weniger bei sich selbst als bei dem Nächsten. Wenn man ehrlich ist, findet man bei sich selber Schwächen genug. 

Erschüttert hat mich die offensichtliche Offenheit, in der auf der Versammlung über einen ehemaligen Pfarrer debattiert wurde, der nicht selbst vor Ort war. Monsignore Winter soll - laut dem Bericht  meines Bloggerkollegen - gesagt haben, dass der ehemalige Pfarrer mit administrativen Aufgaben vielfach überfordert gewesen sei und es ein Fehler gewesen sei, ihn an dieser Pfarrei zu beschäftigen. Ob dies in eine solche öffentliche Versammlung gehört, bei der der Betroffene nicht anwesend ist und selbst dazu Stellung nehmen kann, muss man sich fragen.

Auffällig ist aber, dass administrative Management- und Kommunikationsqualitäten eines Pfarrers womöglich wichtiger zu sein scheinen als die Fähigkeit zur Seelsorge. Sprich: Ein guter Seelsorger versagt als Pfarrer, weil er die Kirchenbücher nicht ordentlich führt. Umgekehrt kann vielleicht ein Pfarrer, der das Augenmerk hauptsächlich auf seine administrativen Pflichten legt, durchaus erfolgreich seine Pfarreiarbeit erledigen, obwohl er dadurch seine anderen Aufgaben vernachlässigt und auf das Mindestmaß beschränkt.

Solche Diskussionen und Streitigkeiten offenbaren die Uneinigkeit einer Gemeinschaft, die dem Evangelium nicht gerecht wird. Und oft Menschen zur Mitarbeit abschreckt. Vielleicht sogar den einen oder anderen jungen Mann, der sich eigentlich zum Priesteramt berufen fühlt.

Dienstag, 23. Februar 2016

Funky Fish fischt nach christlichen Singles

Seitdem ich mich bei Twitter als katholischer und gläubiger Christ geoutet habe, habe ich in diesem sozialen Netzwerk einen ständigen Begleiter. Eine christliche Singlebörse "umwirbt" mich regelmäßig, ich finde ziemlich aufdringlich. Ein wenig merkwürdig finde ich es schon, zumal ich nirgendwo meinen Familienstand bekanntgegeben habe. Funkyfish kann also gar nicht wissen, ob ich verlobt, oder gar bereits vereiratet bin oder ob ich notorischer Einsiedler oder gar in einer Ordensgemeinschaft bin.

Ich  hatte Funky Fish schon einmal blockiert. Doch genützt hat es wenig. Die Singlebörse betreibt nämlich nicht einen sondern mindestens fünf deutschsprachige Twitterprofile. Nämlich diesen und diesen und diesen und diesen und diesen. Wozu braucht eine Singlebörse so viele Twitteraccounts? Sie folgt, besser fischt, mit ihnen abwechselnd Usern, die sie nach kurzer Zeit wieder entfolgt, um ihnen wieder zu folgen. Und zwar solange, bis sie sie an der Angel haben. Damit wollen sie auf die Singlebörse aufmerksam machen und die User motivieren, zurückzufolgen und letztendlich sich anzumelden. Wer den ersten Account blockiert, dem folgt in Kürze ein andererTwitteraccount von Funky Fish, der das gleiche Spiel von vorne beginnt.

Viel gibt die Singlebörse auf ihrer eigenen Homepage nicht über sich selbst preis. Man erfährt nicht, wer genau hinter diesem Angebot steckt. Laut einer anderen Quelle soll Funky Fish einen niederländischen Ursprung haben. Es werden Christen aller Strömungen und Konfessionen angesprochen. Inwieweit dies sinnvoll ist, darüber läßt sich streiten. Die Glaubensvorstellungen von gläubigen, vielleicht sogar besonders der Tradition der Kirche verbundenen Katholiken, und streng gläubigen Baptisten oder Freikirchlern unterscheiden sich doch erheblich. Daher muss jeder selbst entscheiden, ob er die Dienste von Funky Fisch nutzen möchte.

Allerdings ist für mich schon der Name Funky Fish für eine christliche Partnerschaftsbörse gewöhnungsbedürftig. Wie christlich ist Funky Fisch wirklich? Wie die oben verlinkte Quelle berichtet, sollen viele Funktionen auf der Website dieser Börse mit Namen verbunden sein, die im Zusammenhang mit "Fischen" stehen. Zum Beispiel soll das Profil angeblich "Angelschein" heißen, mit dem man "angeln gehen", das heißt auf Partnersuche gehen soll. Für ein christliches Angebot wäre dies meiner Meinung nach unpassend würdelos, falls dies stimmen sollte. Man angelt sich nun einmal nicht eben einen neuen Partner. Sondern ist auf der Suche nach einem Menschen, der ebenfalls der Berufung folgt, eine Ehe für ein ganzes Leben einzugehen.

Auch die Blogbeiträge auf ihrer Homepage, die sie auf ihren Twitteraccounts verlinkt, stoßen mich eher ab, als das sie mich für diese Singlebörse begeistern. Am schlimmsten empfinde ich aber die penetrante Werbung von funkyfisch auf Twitter, ja fast als Stalking,  mit ihren Angelaccounts wie wild christliche "Neumitglieder" zu ver-folgen.

Sonntag, 21. Februar 2016

Seelsorge von A bis Z im Oldenburger Land

Ein bisschen hängt mir die Kritik des Pressesprechers des Offizialats Vechta an meinem letzten Kommentar zum Offizialatshaushalt noch nach. Ich bloggte meine Gedanken, wie die in der Presse dargestellten Einnahmen und Ausgaben  unseres "Offis" auf mich als einfacher katholischer Mitbürger wirken.

Der Pressesprecher kritisierte im harschen Ton, ich hätte den Sachverhalt falsch dargestellt. Das Offizialat würde viel mehr in Seelsorge investieren, als ich behauptet habe. In der sonntäglichen Stille des zweiten Fastensonntags ging ich in mir: Hatte ich vielleicht unserer Offizialatsverwaltung unrecht getan? Wurde mein Blogartikel zum Ärgernis? Ja, möglicherweise! Auf der anderen Seite erwähnte ich durchaus, dass 45 % des Offizialatshaushaltes an die Kirchengemeinden fließen und darüber hinaus weitere 7 % für die Seelsorge investiert wird. Wenn man die Personalkosten für Priester und Hauptberufliche ebenfalls als Investition in die Seelsorge sieht, liegen die Zahlen vom Pressesprecher "mehr als 50 %" und mir gar nicht so weit auseinander.

Einen Streit zu entfachen war eigentlich nicht das, was ich bezwecken wollte. Mit meinem Blog wollte ich auf den traurigen Fakt aufmerksam machen, dass viele Angebote die Menschen nicht (mehr) erreichen. Ich wollte die Meinungen im Dorf zur Sprache bringen, die ich immer wieder höre. Vieles rührt auch noch aus den Wunden der Fusion von ehemals vier Pfarreien zu einer Großpfarrei. Der eine oder andere vermisst tatsächlich (noch) den Pfarrer im Dorf. Andere haben sich von der Kirche bereits grundsätzlich verabschiedet. Für diese "Nochmitglieder" in der katholischen Kirche ist das, was in Vechta läuft, fast genauso fern, wie in Münster, geschweige in Rom so abgeht. "Die da oben machen mit unserem Geld, was die wollen". ist so ein Satz, den ich häufig höre und der die Enttäuschung der Menschen über die aktuelle Entwicklung ausdrückt.

Dem Pressesprecher des "Offis" muss ich ein wenig einräumen, dass sowohl die Kirchengemeinden als auch das Offizialat sich sehr intensiv in dem Bereich Seelsorge engagieren. Ganz unabhängig davon, ob man 50% Geldmittel aus dem Haushalt für viel oder wenig hält. Ist es ein wenig "Dorfblindheit" von mir und vielen anderen Katholiken in der Fläche? Mag sein. Die Urlauberseelsorge in Schillig tangiert rund um unsere vier Kirchtürme unserer Großpfarrei genauso wenige wie das Forum St. Peter in Oldenburg, so wichtig diese pastoralen Einrichtungen sind.

Ein überzeugenderes Beispiel für uns ist unsere Pfarrgemeinde in meinem Dorf. Eine Vielzahl von kirchlichen Gruppen von der Frauengemeinschaft bis zur Kolping- und Messdienerjugend bieten eine Vielzahl von Angeboten für alle Altersgruppen an. Unser Pfarrer hat in seiner achtjährigen Dienstzeit unserer Gemeinde auch viele neue geistliche Angebote von eucharistischer Anbetung über Lobpreismessen, Bibelgebetsabende bis zu Exerzitien im Alltag angeboten. Leider ist es nur eine ganz begrenzte Zahl von Menschen, die wirklich an geistlichen Angeboten interessiert sind.

Auch selbst muss ich mich an meine Brust schlagen. Wie oft war es in meinem Alltag, dass ich nicht zum Bibelgebetsabend ging, weil ich genau am Abend andere Terminverpflichtungen hatte oder schlichtweg zu "müde" war und "keine Lust" hatte. Dies motiviert Leute einschließlich Pfarrer wenig, mehr geistliche Angebote zu bieten. Ein aktuelles Beispiel, dass Pfarrer Konsequenzen ziehen, weil nur wenig Leute teil am kirchlichen Leben nehmen, ist Pfarrer Frings, der eine Auszeit im Kloster nimmt.  Allerdings versuche ich schon, meinen inneren Schweinehund zu überwinden und auch einmal werktags in die Messe zu gehen, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen und das eine oder andere Angebot tatsächlich wahrzunehmen. Der sonntägliche Messbesuch ist sowieso Pflicht für mich, die allem anderem vorangeht.

Ein Blick auf die Offizialatshomepage zeigt die Vielfalt anderer Seelsorgeangebote von A bis Z, die vor Ort jeder wahrnehmen könnte, wenn er täte. Am Ende gebe ich freimütig zu, dass ich auch schon eine Beratung wahrgenommen habe. die mir erheblich geholfen hat. Wie dumm, wenn man zu schnell vergisst, was man selbst an Gutem bereits erhalten hat.

Samstag, 20. Februar 2016

Offizialat Oldenburg "erwirtschaftet" 11,7 Mio Euro Überschuss


Update: der Pressesprecher des Offizialates Ludger Heuer kritisierte die mangelhafte Darstellung des Sachverhaltes dieses Beitrags in einem Kommentar, den ich unten veröffentlicht habe. 
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Das Offizialat Oldenburg gab jetzt die Zahlen für seinen Abschluss des Jahres 2014 bekannt. Es wurde ein Überschuss von 11,7 Millionen € erwirtschaftet. Diese Nachricht in meiner Lokalzeitung liest sich für mich wie eine Witschaftsnachricht. Der Überschuss wird uns als eine Leistung einer sorgfältig wirtschaftenden Bistumsverwaltung präsentiert.

Letztendlich resultiert er aus den "unerwartet hohen" Einnahmen aus den Kirchensteuern und somit aus der blühenden Wirtschaftskraft in unserer Region, vor allen im boomenden Südoldenburg. Dennoch ist sich die Offizialatsverwaltung durchaus bewusst, dass es in Zukunft nicht mehr so gewaltige Einnahmen geben wird. Das liegt daran, dass auch bei uns mit weniger zahlungskräftigen "Mitgliedern" gerechnet werden muss.

Ein Indiz dafür ist die auch im Oldenburger Land nur noch geringe Zahl regelmäßiger Messbesucher. Die ursprünglich starke Bindung der Bevölkerung an unserer Kirche ist längst verloren gegangen. Dies wird die Tendenz beschleunigen, sich ganz aus der Kirche zu verabschieden. Umso unverständlicher ist es, dass nur wenig Mittel in die Mission innerhalb unseres Offizialates investiert werden. 45 Prozent des Offizialatshaushaltes fließen zwar in die Kirchengemeinden, damit werden allerdings die hauptsächlich die Kindergärten und die Personalkosten für Hauptamtliche und Priester finanziert.

Darüber hinaus wird nur 7 Prozent des Haushaltes für die Seelsorge bereitgestellt. In breiten Kreisen der Bevölkerung wird der Rückzug der Kirche aus der Seelsorge beklagt. Dies bekomme ich in Gesprächen immer wieder mit. Immer mehr Gemeinden wurden zu Großgebilden fusioniert, die Priester können sich nicht mehr um alle Gemeindemitglieder kümmern. Umgekehrt ist der Priester für viele Menschen fremd geworden, Der Priester ist längst nicht mehr der Hirte, der er mal für die Menschen in den Dörfern war.

Es reicht nicht aus, nur die noch übrig gebliebenen Katholiken verwalten zu wollen. Die Kirche sollte ihre noch vorhandenen Finanzmittel vor allem für die Neuevangelisation ihrer Kirche investieren. Sie muss als erstes ihrem Auftrag gerecht werden, das Evangelium allen Menschen nahe zu bringen, auch jenen, die fern der Kirche stehen. Dies gelingt nur, wenn man nahe an den Menschen ist, mit ihnen "ins Gespräch" kommt. Dies ist die eigentliche Herausforderung für die Kirche.

Link: Pressemeldung Offizialat Vechta: Haushaltsvolumen wird langfristig sinken

Sonntag, 14. Februar 2016

Hirtenwort des Münsteraner Bischofs Dr. Genn zur Fastenzeit

In allen Kirchen des Bistums Münster, so auch in meiner Heimatpfarrei, wurde das Hirtenwort unseres Bischofs Felix Genn verlesen. Es stellt die Barmherzigkeit, wie sie uns von Papst Franziskus verkündet und vorgelebt wird sowie das Heilige Jahr der Barmherzigkeit in den Mittelpunkt. seiner Botschaft. Bischof Felix schlägt uns vor, konkret während der Fastenzeit der Fastenzeit die "Siebenerreihe durchzubuchstabieren, mit der die Kirche das Stichwort 'Barmherzigkeit'  im Verlaufe der Jahrhunderte umschrieben hat." Damit meint der Münsteraner Bischof die sieben Werke der Barmherzigkeit.  Wir könnten uns während dieser Zeit eines dieser Werke vornehmen.

Mittwoch, 10. Februar 2016

Der Exodus aus Ägypten und die Fastenzeit

Passend zum Aschermittwoch betrachte ich gerade das Kapitel 12 im Buch Exodus. Es geht um den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Als Christen lesen wir das alte Testament immer mit dem Blick auf die Heilsgeschichte,  die uns im neuen Testament verkündet wird. Christus, das Lamm Gottes,  gibt sich hin, zur Sühne unserer Schuld, damit wir das ewige Leben erlangen. Er steigt hinab in das Reich des Todes, aber er überwindet den Tod, den wir verdient haben, durch seine Auferstehung. Das 12. Kapitel im Buch Exodus erzählt uns die Befreiung des Gottesvolkes Israel aus dem Sklavenhaus Ägypten. Auch hier spielt das Paschalamm die zentrale Rolle.

Gott befiehlt Mose, dass in jedem Haus des Volkes ein Lamm geschlachtet werden soll. Mit dem Blut sollen die Türpfosten und der Türsturz aller Häuser bestrichen werden. Bei allen Häusern, deren Türen nicht mit dem Blut des Opferlammes bestrichen wurden, wird die Erstgeburt von jeder Familie und ihrs Viehs getötet. Anschließend soll nach genauen Vorschriften das Lamm mit ungesäuertem Brot komplett verzehrt werden. Damit wird der Damm der Unterdrückung des Gottesvolkes durchbrochen und Ägypten entlässt Israel in die Freiheit. Das Paschamahl findet im Neuen Bund seine Parallele in der Eucharistie. 

In dieser Geschichte entdecke ich die Analogie zur Fastenzeit, in der wir jetzt eintreten. Auch wir sollen umkehren. Das heißt, wir sollen uns von Gott heilen lassen, damit wir vom ewigen Tod (verursacht durch unsere Sünden) befreit werden. Statt das Schlachten des Opferlammes sind wir allerdings berufen, das Böse in uns, unsere schlechten Gewohnheiten, die uns von Gott trennen, zu schlachten. Wie schon im Alten Testament sind auch wir aufgefordert, uns ganz an Gottes Geboten auszurichten. Wir sollen bestimmte Handlungen dazu vornehmen. Dazu zählen Almosen, Gebet und Buße. 

Das Heilsgeschehen gipfelt im Paschafest. Heute ist es das Osterfest, in welchem wir die Eucharistiefeier des Jahres feiern, das Fest der Auferstehung des Herrn, der Tag, an dem das Lumen Christi (Licht Christi) alle Finsternis endgültig besiegt. Somit verweist schon das 12. Kapitel im Buch Exodus die Barmherzigkeit Gottes an allen, die an ihn glauben. Die Barmherzigkeit Gottes, die durch den Kreuzestod des göttlichen Paschalammes und die Auferstehung Christi seine Vollendung findet.

Jeden Sonntag erinnern wir uns noch heute an das Paschafest, so wie uns der Herr es im Alten Testament bereits vorschreibt, und es im Neuen Testament uns dessen Geheimnis voll entfaltet wird.

Zusatzbemerkung: dies sind keine Gedanken mit theologischem Anspruch sondern sie sind nur das Ergebnis meiner heutigen Bibelbetrachtung. In diesem Jahr verfolge ich das Projekt, die Bibel von vorne bis hinten komplett zu betrachten.

Abbruch an Aschermittwoch mit Symbolkraft

Irgendwie hat dieses Bild Symbolcharakter am Aschermittwoch. Ein Teilgebäude der mir benachbarten Schule wird am heutigen Tag abgebrochen, damit ein größeres neu entstehen kann. Auch in meinen Gebäuden wird einiges abgebrochen. Beruflich und persönlich wird sich mein Leben ändern. Die Fastenzeit ist eine Zeit, in der man auch innerlich einige Wände einreißen muss, damit die Osterfreude wirklich wachsen kann. Beim Lärm des Abbruchbaggers ein guter Moment, innezuhalten. Und Gott neu zu fragen, wohin die Reise gehen soll.


Dienstag, 9. Februar 2016

Bin ich ein "guter Katholik"? Eine Antwort auf eine unglückliche Satire

Auf katholisch.de, dem offiziellen Internetportal der Deutschen Bischofskonferenz, wurde pünktlich zum Rosenmontag ein "humoristischer" Beitrag über "gute" und "schlechte" Katholiken ins Netz gestellt. Nun kann man geteilter Meinung sein, ob offizielle Kirchenmedien sich überhaupt am Karnevalstreiben beteiligen sollten. Und man kann wirklich geteilter Meinung sein, ob man es unter Humor fassen darf, wenn man sich über Leute lustig macht.

Im Beitrag wurde der "gute" Katholik als jemand beschrieben, der überpünktlich zur Messe kommt, auf beste Kleidung Wert legt und sich gut sichtbar in der Kirche platziert. Er praktiziert Mundkommunion, und dies ausschließlich vom Priester. Natürlich schüttelt er über alle anderen den Kopf, die seine "frommen" Verhaltens- und Glaubensweisen nicht teilen. Der "schlechte" Katholik kommt hingegen auf die letzte Minute, in Jeans, praktiziert Handkommunion usw ...

Ich habe mal überlegt, zu welcher Fraktion ich zähle. Ja, ich komme zum Sonntagshochamt in der Regel immer eine Viertelstunde früher, um noch mein Rosenkranzgesätz zu beten, dass ich jeden Tag bete. Wenn ich mal zur Werktagsmesse gehe, bin ich ebenfalls gerne etwas früher da. Auch lege ich Wert, meinen besten Anzug beim Sonntagshochamt zu tragen, werktags komme ich aber auch in Jeans. Mundkommunion empfange ich nur in besonderen Fällen, sonst Handkommunion. Im Regelfalle sitze ich auf der "falschen" Seite und empfange sie immer von Kommunionhelfern. Meistens sieht man mich allerdings an meinem Stammplatz im Seitenschiff und ich kümmere mich wenig um andere, sondern bemühe mich um Andacht.

Übrigens spendete mir unser Bischof letztens die Kommunion - als Handkommunion (!) - beim Firmgottesdienst in unserer Pfarrei. Summa in Summarum: ich bin also wohl nicht so ein besonders "guter"  Katholik. Aber das hätte ich auch ohne den Beitrag von Katholisch.de gewusst.

Sonntag, 7. Februar 2016

Die Sache mit dem Karneval

Wie viele andere Südoldenburger kann ich mit Karneval nur wenig anfangen. Es gibt wohl ein paar Orte, wo Karneval gefeiert wird. Die wirkliche Karnevalshochburg ist bei uns im katholischen Oldenburger Münsterland nur in Damme. In meinem Dorf wird kein Karneval gefeiert.

Daher betrachte ich das lustige Treiben mit ein wenig Distanz. Gegen Feierei ist nichts einzuwenden, solange der gute Geschmack nicht verletzt, die Würde anderer bewahrt wird und das ganze nicht ausartet. Der eigentliche Sinn des Karnevals scheint gewesen zu sein, vor der Fastenzeit noch mal so richtig ausgelassen zu sein, bevor man sich in Verzicht und Buße übt. Da aber viele Menschen im religiösen Sinne nicht mehr fasten, aber auf die ausgiebige Karnevalsfeierei nicht verzichten wollen, verliert dieser Brauch seine eigentlichen Wurzeln.

Umso mehr irritiert es mich, wenn auf den Fanpages von Bistümern mit Beiträgen wie diesen ordentlich am Karnevalstrubel mitgestrickt wird. Das war einmal ganz anders. Die Kirche erlaubte früher zwar das Feiern des Karnevals, aber beäugte es etwas misstrauisch, damit die Leute es nicht zu extrem trieben. Dagegen scheint heute die einzige Sorge der Bistumsverwaltungen zu sein, dass niemand an den Dom pinkelt. Was man sonst so auf Karneval so macht, überlässt man den Leuten und meidet es, mit dem moralischen Finger die Feierlaune zu vermiesen. 

Den einzigen Strich durch die Rechnung der Karnevalisten machen die Terrordrohung (wie im letzten Jahr in Braunschweig) oder das Wetter, wie jetzt in diesem Jahr. Aber letzteres hindert die Leute nicht daran, ihren Karneval zu feiern. Er fällt deshalb möglicherweise gar nicht aus, sondern wird dann eben kurzerhand in die Fastenzeit verlegt.