Sonntag, 10. Januar 2016

Sternsingeraktion "Segen bringen Segen sein" - Wenn der Segen nichtmehr ankommt

Flyer der diesjährigen Aktion
Das Fest "Erscheinung des Herrn", oder auch Epiphanie genannt, im Volksmund besser als "Heilige Drei Könige" bekannt, ist eigentlich am 6. Januar datiert. Er zählt eigentlich zu den hohen Feirtagen im Kirchenjahrund ist in vielen Regionen noch ein Feiertag. Leider ist in meinem Bundesland dieser Feiertag "eingespart" worden.  Und so gab es am letzten Mittwochmorgen noch eine Messe in unserer Pfarrei, an der wohl nur ein paar Senioren teilgenommen haben werden.

Die Epiphanie fiel also relativ geräuschlos aus, stattdessen wurde am heutigen Sonntag,  an dem im Festagskalender eigentlich "Taufe des Herrn" gefeiert wird, im Sonntagshochamt die "Aussendung der Sternsinger recht pompös gefeiert wurde. (Siehe dazu den Bericht in meinem anderen Blog.) 98 Sternsinger-Kinder zogen mit Messdienern und Pfarrer in die Kirche ein, in der die Liturgie zum Fest "Erscheinung des Herrn " kindgerecht gefeiert wurde. 

Das bedeutet: Statt den Lesungen gab es für die Kleinen eine Geschichte eines Sternsingerkindes, der zu spät zur Aktion kam, weil er ein Nachbarkind ins Krankenhaus bringen musste. Deren Eltern waren gerade nicht zuhause. Und so kümmerte er sich - verkleidet als Sternsingerkönig - vorbildlich um das Nachbarmädchen im Krankenhaus und erhielt dort viele Spenden von Ärzten und Besuchern. Glücklicherweise hatte das Mädchen nichts Schlimmes, und deshalb konnte er nach kurzer Zeit zu seinen Sternsinger-Freunden stoßen, mit viel mehr Geld, als sie gesammelt hatten. So ist ein vorbildlicher Sternsinger: Er hilft jedem, wenn er kann. Nach dem Evangelium entfiel eine Predigt, die es erklärt hätte. Das fand ich schade.

Bei der Messe war die Kirche nämlich so voll wie selten. Auch Familien, die man im normalen Gottesdienst nie sieht, waren dabei. Das ist eigentlich das Erfreulichste daran. Der Pfarrer erklärte ihnen, warum das Vater-Unser ein so wichtiges Gebet in der Messe sei und noch mehrere Details über die Messe. Allerdings fehlte eine Erklärung, was eigentlich am Fest "Heilige Drei Könige" überhaupt gefeiert wird. Dabei geht es ja nicht um eine soziale Sammelaktion, auch nicht um drei bunte Könige, sondern die Offenbarung des menschgewordenen Gottes, dem die Drei Heiligen Könige nach langer Suche finden und ihm huldigen.

Nach der Messe dürften alle Sternsingerkinder nach vorne kommen, um ihr Sternsinger-Lied vorzusingen. Es roch für mich ein wenig nach Pfadfinderlagerromantik. Aber man muss den Kindern ja etwas bieten, damit sie sich zusammengehörig fühlen. Hatte ich da etwas in den falschen Hals bekommen? Es war ja das Segenslied, welches sie bei jedem Besuch singen sollten. Der Pfarrer segnete sie am Ende der Messe und danach ging es unterwegs auf Tour, für die Kinder. Die Sternsingeraktion ist eigentlich eine Missionsaufgabe. Nur, wie sollen die Kinder sie erfüllen, wenn sie sie offenbar gar nicht mehr richtig kennen?

Die Kinder sollen jedes Haus besuchen und den Segen des menschgewordenen Gottes überbringen. Dazu malen sie als Zeichen "20*C+M+B+16" mit Kreide an die Hauswand und sprechen ein Segensgebet für deren Bewohner. Die geben den kleinen Missionaren eine kleine Spende für den "guten Zweck". Im Grunde ist es eine tolle Aktion, leider kennen den Hintersinn nur noch wenige Leute.  Oft werden Kinder sogar brüst an der Tür abgewiesen, wenn sie klingeln. 

Bei mir waren sie allerdings wohl sehr flüchtig vorbei gezogen. Ich fand vor der Tür nur einen kleinen Zettel (siehe Bild oben),  das Zeichen an der Hauswand fehlte völlig. In den Vorjahren war es an allen Häusern unserer Familie. Am heutigen Sonntag hatte ich es nirgendwo entdeckt. Das finde ich ebenfalls sehr schade.

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