Mittwoch, 13. Januar 2016

Heiratsvermittlung im Alten Testament

Heute bin ich bei meiner Bibellektüre am Kapitel 24 im Buch Genesis angekommen. Abraham ist sehr alt geworden und sendet seinen Knecht aus, eine Frau für seinen Isaak zu suchen. Und zwar soll es eine Frau aus der Verwandschaft in seiner Heimat sein. Der Knecht findet sie an einem Brunnen, es ist die Tochter des Bruders von Abraham. Ein wenig ungewöhnlich ist dies für moderne Zeitgenossen schon. Denn auch die Frau von Abraham war eine Halbschwester von ihm. Offenbar war dies zu seiner Zeit nichts ungewöhnliches, aus der Verwandschaft zu heiraten.

Eindeutig ist aber, dass Abraham für seinen Sohn Issak eine Frau (und nicht einen Mann) sucht und dass die ganze Sache von Gott gelenkt wird. Auch der Brunnen spielt eine große Rolle (Vergleiche Jesus und die Frau am Jakobsbrunnen Joh. 4) Die Vater Betuël und Bruder Laban willigen den Heiratsantrag des Knechtes ein: "Die Sache ist vom Herrn ausgegangen. Wir können dir weder Ja noch Nein sagen. Sie soll die Frau des Isaak werden, wie der Herr es gefügt hat." 

Beide kennen den zukünftigen Bräutigam ihrer Tochter / Schwester nicht, aber sie vertrauen dem Boten, der ihnen den Willen Gottes vorträgt. Auch Rebekka folgt ihrer Berufung, ohne zu zweifeln oder sich rückzuversichern. Die ganze Geschichte ist absolut unromantisch. Der Knecht gibt Rebekka und Ihrer Familie viel Geld und die Zusicherung, dass Isaak der reiche Alleinerbe Abrahams wird und Stammvater einer großen Nachkommenschaft. Nach einer langen Reise in die Fremde wird Rebekka zu ihrem zukünftigen Ehemann geführt, und symbolträchtig treffen auch sie sich an einem Brunnen. Beide sehen sich dort zum ersten Mal. Isaak nimmt sie zu sich und sie wird seine Frau, mehr wird nicht erwähnt. Er gewinnt sie lieb und tröstet sich über den Verlust seiner verstorbenen Mutter. 

So unprätentiös endet die Lovestory, die den Vertretern der zeitgenössischen Ehedebatte so gar nicht passen wird: Ehen werden mit Gott im Bund geschmiedet. Die Eltern sind berufen, für den richtigen Partner zu sorgen. Egoistische Motive verschwinden im Hintergrund, wenngleich Gott das Wohl beider im Blickpunkt hat. Ehe bedeutet Bindung von Mann und Frau. Eine Ehe wird mit Offenheit für die Zeugung von Kindern geschlossen. Alles Punkte, die heute infrage gestellt werden. 

Bemerkenswert ist der letzte Satz des Kapitels. Isaak gewinnt seine Frau nach seiner Heirat lieb. Dieser kurze Hinweis ist ebenfalls wichtig. Anders als bei der heutigen Partnerwahl spielt das Gefühl eine untergeordnete Bedeutung. Die Liebe wächst aus der gottgewollten Bindung und ist mehr als nur eine Bauchsache, die morgen verfliegen kann.

Kommentare:

  1. Frau und Mann: Ja, aber das man sich den Partner von den Eltern suchen lassen sollte... nun ja, das wird vermutlich nicht mehr wirklich funktionieren. Ich denke hier kann man getroßt darauf hoffen das Gott uns zu dem besten Partner lenkt.

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    1. Vollkommen richtig! Hier ging es ja auch um "Heiratsvermittlung im AT". In unserer modernen westlichen Kultur suchen sich Frau und Mann natürlich ihre Partner selber aus. Auf der anderen Seite suchen die Eltern in vielen anderen Kulturen auch heute die Partner für ihre Kinder aus. Einen schlechten Geschmack bekommt das allerdings, wenn es zu "Zwangsverheiratungen" kommt. In der westlichen Kultur wird oft die Nase darüber gerümpft, wenn Eltern so dominant die Wahl des geeigneten Partners beeinflussen. Andererseits scheitern gerade in unseren Gesellschaften viele Ehen. Dies ist ein Indiz, dass auch bei uns nicht alles "Gold" ist.

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