Freitag, 25. Dezember 2015

Was mir an den Weihnachtsbotschaften oft fehlt

Zwei Themen beherrschen die Weihnachtsbotschaften dieser Tage. Die Barmherzigkeit und die Flüchtlingskrise. Die Menschen werden darauf hingewiesen, dass auch die Heilige Familie auf der Flucht gewesen sei. Deshalb sollten auch sie barmherzig gegenüber Flüchtlingen sein, die aus den Kriegs- und Armutsregionen dieser Welt kommen. Um von vornherein Missverständnisse auszuschließen, dieser Aufforderung stimme ich voll und ganz zu!

In direkter Nachbarschaft von mir sind Flüchtlinge untergebracht. Ich begegne ihnen jeden Tag. Es wohnen dort Syrer und Menschen aus anderen Ländern in einem ehemaligen Lehrerhaus. Immer wieder ziehen neue Leute ein und aus. Sie begegnen mir fast täglich vor der Haustür. Eine Frau mittleren Alters läuft stundenlang mit gesenkten Kopf auf und ab. Offenbar ist sie traumatisiert von ihren Erlebnissen in der Heimat und auf der Flucht. Mich macht dies betroffen, oft denke ich über die Frau nach und bete auch für sie, dass es für sie "Weihnachten" werden könnte.

Auch wenn die Flüchtlinge aus den fernen Ländern hier zu essen und trinken und ein Dach über ihren Kopf haben, so bleiben sie doch hier in der Fremde. In einem kalten, dunklen Land. Im Nachbarhaus sind alle Zimmer fast die ganze Nacht beleuchtet, vielleicht hängt auch dies mit den Traumata der Menschen zusammen. Die Auswirkungen des Krieges wirken sich auch hier bei uns in der Fremde auf die Menschen aus. In den Flüchtlingen Menschen zu erkennen, dass ist wirklich notwendig.

Allerdings darf dabei eine andere Tatsache nicht aus den Augen verloren werden: Die geistliche Armut in unserer gottlosen Konsumgesellschaft, in der der christliche Glaube immer mehr verblasst. Viele Menschen haben vergessen, dass ohne Gott Leben sinnlos und hoffnungslos bleibt. Das Glaube Beziehungspflege zu IHM bedeutet. In den Ohren dieser Menschen klingen die Weihnachtsbotschaften in den Medien und aus den Kirchen oft moralisierend. Es fehlt jede Handreichung in den Weihnachtsbotschaften, wie sie den "Draht" zur Kirche finden und das Feuer des Glaubens, der Hoffung und der Liebe in sich neu entfachen können.

Schließlich ist der Kern des Weihnachtsfestes nicht eine moralisierende, sondern eine freudenreiche Botschaft: Gott ist Mensch geworden. Er wartet auf Dich, und auf mich. Er möchte, dass wir IHN in unserer Leben eintreten lassen. Das Weihnachtsevangelium überzeugend in die Welt zu tragen, ist allerdings nicht nur Auftrag der Bischöfe und Pfarrer auf den Kanzeln in den Kirchen. Jeder Christ ist berufen, durch sein Leben Zeuge davon zu sein. Das kann er aber nur, wenn er selbst ganz und gar von der Weihnachtsfreude durchdrungen ist. Wenn wir die Zuversicht ausstrahlen, aus dieser Hoffung, unserem Glauben und der Liebe zu Gott und den Menschen getragen zu sein.

Beten wir darum, dass das Christkind unser Herz berührt und uns verwandelt, so dass wir das Licht der Welt wirklich in die Welt bringen können.

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