Samstag, 26. Dezember 2015

Messe in Telugu am 2. Weihnachtstag

In unserem Bistum Münster ist der 2. Weihnachtstag ein Feiertag. In unserer Kirche wird jedes Jahr ein feierliches Hochamt gefeiert. Mit unserer Chorgemeinschaft Cäcilia gestalten wir diese feierliche Eucharistiefeier mit. Eine Predigt gibt es allerdings an diesem Tag nicht. In diesem Jahr zelebrierte unser indischer Pfarrer das Hochamt zum Fest des heiligen Stephanus, des ersten Märtyrers der Kirche. Das hat einen gewissen Reiz, weil in Indien auch heute noch Christen verfolgt werden und die Kirche am heutigen Tag ganz besonders auch der verfolgten Christen gedenkt.

Unser Pfarrer, der aus Indien zu uns gekommen ist, weil es in unserem Land nicht mehr genügend Berufungen zum Priesteramt gibt, begrüßte uns vor der Messe in plattdeutscher Sprache. Nach dem Wortgottesdienst (Kyrie, Gloria, Lesungen, Evangelium, Credo und Fürbitten eröffnete er die Eucharistiefeier mit den Worten, dass er an diesem Tag die Präfation in seiner Muttersprache Telugu halten wolle.

Sowohl die Präfation als auch das Hochgebet sang er in seiner Sprache in einem sehr würdigen und melodischen Gesang, der allerdings für uns alle völlig unverständlich war. Dennoch spürte jeder die Heiligkeit des Momentes, Es geschah genau das gleiche, was weltweit in jeder Messe geschieht: Die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi und seine Gegenwart im allerheiligsten Sakrament durch das Wunder der Wandlung. Die Messdiener(innen) waren nicht ganz sicher, wann sie wohl die Altarklingeln schwingen sollten. Aber als unser Priester die Hostie erhob, wussten wir, dass dies der vergegenwärtigte Christus in der Gestalt der Hostie war, den wir sah.

Die Gegenwart Christi erkennt man beim Brechen des Brotes, fiel  mir analog zur Emmaus-Geschichte ein, als die traurigen Jünger Christus erst beim Brotbrechen erkannten. Ich erinnerte mich an einer sehr feierlichen heiligen Messe in der Londoner Westminster Cathedral und auch an eine Messe in englischer Sprache in einer katholischen Kirche im Bremer Schnoorviertel. Die Universalität unserer Kirche ist in solchen Momenten überdeutlich spürbar. Das Evangelium richtet sich an alle Menschen in der ganzen Welt. Ein Bekannter sagte mir einmal: "Egal, wo du dich auf der Welt befindest, in der Kirche bist du immer zuhause!"

Nach der Messe am zweiten Weihnachtsfest trifft sich unser Chor immer noch kurz zu einem kleinen Frühschoppen, um gemeinsam miteinander noch ein wenig sich zu treffen und ein paar Weihnachtslieder zu singen. Der Priester kam auch dazu und wir unterhielten uns noch ein wenig über die Situation in seinem Land. Er selbst stammt aus Südindien. In Indien gibt es 2 Prozent Katholiken, das sind immerhin ca. 2 Millionen Menschen. Außerdem gibt es Protestanten und freikirchliche Christen. In Südindien sei es relativ ruhig und sicher für Christen, erklärte der Priester. Anders sei dies allerdings im Norden. Besonders gefährlich für die Christen hält er die derzeitige Regierung, die den Spalt zwischen den Religionen eher verschlimmere.

Die Ursache der Religionskonflikte läge nicht in der einfachen Bevölkerung. Sie resultiere aus Machtinteressen politischer Kräfte. Wenige Extremisten würden Gift verbreiten und Hass und Streit schüren.

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