Montag, 7. Dezember 2015

Ein Weihnachtspfarrbrief wird zum Spiegel des Zustands unserer Pfarrei

Cover des Weihnachtsbriefes
unserer Pfarrei
Eigentlich hat ein Pfarrbrief eine ganz besonders wichtige Bedeutung. Gerade in Zeiten, in denen nur noch ein Bruchteil der Gemeindemitglieder regelmäßig zur Kirche geht, ist er oft nur der einzige Kanal, über den man fern stehende Angehörige einer Kirchengemeinde erreicht. Umso wichtiger ist es, diesen Kanal auch so zu nutzen, den Menschen eine christliche Botschaft zu vermitteln.

Ich erhielt in den letzten Tagen den diesjährigen Weihnachtspfarrbrief, blätterte ihn durch, und fragte mich danach: was ist hier eigentlich noch daran katholisch? Welche Botschaft sendet er aus? Christlich, und damit natürlich auch katholisch, ist schon mal das Cover mit dem Bild einer Krippenszene.

Möglicherweise ist es ein Foto aus einer der vier wunderschönen Krippen, die in Kürze wieder in allen vier Kirchen unserer Pfarrgemeinde aufgebaut werden. Ein Hinweis darauf fehlt leider im Brief.

Garantiert katholisch ist der geistliche Text auf der ersten Seite, der mit den Namen der Seelsorger unserer Pfarrei gezeichnet ist. Er betrachtet die Glaubenswahrheit und das Festgeheimnis von Weihnachten, dass Gott Mensch geworden ist. Er gibt Zeugnis davon und lädt alle Menschen ein, Jesus im Advent intensiver zu begegnen und ihn im Alltag zum Maßstab des Redens und des Tuns zu machen. Ein sehr gelungener Text!

Auf der zweiten Seite  bedankt sich die Gruppe "Orgel/Hochaltar" dafür, dass Spender der Kirchengemeinde dafür ca, 40.000 Euro an die Pfarrei überwiesen haben und die Orgel nun wieder klingt. Sie erbittet noch weitere 3.500 Euro, damit nun auch der Hochaltar restauriert werden kann.

Die Seiten 3 bis 21 lesen sich wie Jahresberichte von Vereinen und Einrichtungen. Ein Chor plant eine Gospelmesse und sucht weitere Sänger, ein anderer Chor berichtet, dass er für die Weihnachtsmesse übt und der dritte Chor berichtet über seinen Ausflug. Der eine Musikverein berichtet, dass er seit einem Jahr ein eingetragener Verein sei, der nächste Musikverein (es gibt drei davon) berichtet von seinen Auftritten im kirchlichen Dienst.

Am interessantesten war für mich noch der Bericht über die Firmvorbereitung, die im letzten Jahr anders gestaltet wurde. Die Firmlinge besichtigten unsere Kirche und einige besondere Kirchen in unserer Region und bekamen dabei Einblicke in den Raum einer Kirche. Außerdem standen Bibelarbeit und Arbeit im Ehrenamt auf dem Programm der Firmkatechese. Dass in diesem Jahr Diözesanbischof Dr. Felix Genn das Sakrament der Firmung spendete, wurde im Pfarrbrief nur in einem knappen Hinweis erwähnt. Immerhin rundete ein sehr schönes Gebet zur Firmerneuerung diesen Bericht ab.

Weitere Berichte gab es von einer Garten- und einer Pflastergruppe, die Senioren 60+ durften nicht fehlen, und die Kolpingjugend berichtete über ihren Ausflug ins Sauerland. Dieser Urlaub schien durch ausgiebige Freizeitaktivitäten geprägt zu sein, Religiöses im Sinne von Adolph Kolping konnte ich allerdings nicht im Beitrag erkennen.

Im katholischen Kindergarten erlernten die Kinder im Rahmen des Projektes "Kinderprojekt" ihre Wünsche, Ideen und Bedürfnisse gegenüber anderen zu vertreten, aber auch die Meinung anderer zu akzeptieren. Sie schrieben auch einen Brief an den Bürgermeister. Demokratie einzuüben finde ich sehr gut und gehört zum Bildungsauftrag eines jeden Kindergarten. Nur genuin katholisch ist dies nicht.

Am bedenklichsten fand ich allerdings die Antworten in einem Interview eines Mitglieds der Bakumer Kolpingjugend, der zugleich 1. Vorsitzender des BDKJ-Landesverbandes in unserem Offizialatsbezirk ist. Er forderte unter anderem eine "Haltungsänderung zu den Themen Homosexualität, voreheliche Beziehungen und Empfängnisverhütung" und stellte sich damit klar gegen die Lehre der Kirche. Das ist nun gar nicht katholisch mehr.

In den Seiten 22 bis 24 sind Hinweise auf wichtige kirchliche Daten im kommenden Jahr enthalten. Unter anderem plant unsere Pfarrei eine einwöchige Reise nach Rom und wieder eine Wallfahrt nach Kevelaer. Die Seiten 25 bis 30 enthalten die statistischen Daten aller Taufen, Trauungen und Verstorbenen aller vier Gemeindeteile. Und auf den beiden letzten Seiten ist die Gottesdienstordnung zum Jahresende enthalten.

Über die durchaus vorhandenen religiöse Aktivitäten und Angebote unserer Pfarrgemeinde wurde wenig im Pfarrbrief berichtet. Es gab zum Beispiel Rosenkranzandachten. Bibelgebetsabende und anderes mehr. Eine Wallfahrt fand nach Kevelaer statt. Viele Dinge, die mich als Gemeindemitglied interessiert hätten, fehlten in diesem Pfarrbrief völlig. Zum Beispiel ein Bericht über die Visitation durch unserem Offizial Weihbischof Heinrich Timmerevers. Auch gab es kein Wort über den Stand unseres lokalen Pastoralplans und ein Ausblick über die Zukunft unseres Gemeindelebens. Was ist der Antrieb, in meiner Pfarrei, in meinem Dorf katholisch zu leben? Was bewegt uns, katholisch zu sein und nicht einer anderen Glaubens- oder Freizeitgemeinschaft anzugehören? Warum sollten Fernstehende es neu mit unserer Kirche und unserem Glauben versuchen? Solche Gedanken und Impulse vermisste ich ebenfalls.

Viele werfen durchaus einmal einen Blick in ein solches Heft, auch solche, die sonst nicht (mehr) an Kirche interessiert sind. Schade, dass eine gute Gelegenheit damit verpasst wurde. Auf der anderen Seite wird ein solches Druckwerk direkt zum Spiegel des Zustands unserer Kirche in unserer Zeit,

Kommentare:

  1. Jammern auf hohem Niveau, finde ich. Für wen ist denn der Pfarrbrief? Für die, die eh schon über alles Bescheid wissen oder für die, die (noch) entfernt Interesse an eurer Gemeinde haben? Oder für beide? Zusätzlich zum Bloggen gäbe es mindestens zwei weitere konstruktive Möglichkeiten: 1. Leserbrief schreiben, 2. ins Pfarrbriefteam einsteigen.

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    1. Eine Rubrik für "Leserbriefe" fehlt noch in einem Pfarrbrief.🤓 Ob mein Leserbrief dort wohl veröffentlicht würde?

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