Donnerstag, 10. Dezember 2015

Der Wert menschlicher Barmherzigkeit

Gestern begann ich, anlässlich des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit, ein wenig in das Geheimnis der Barmherzigkeit einzudringen und erwähnte, dass es dabei viel mehr als um Frömmelei handelt.   Barmherzigkeit drückt sich in einer Haltung gegenüber den Mitmenschen aus, die um die Liebe Gottes für alle Geschöpfe weiß. Dies kann nur gelingen, wenn man selbst sich mit Gott verbunden weiß. Eine Schatzquelle christlicher Spiritualität ist das "Memoriale", das Tagebuch des ersten Jesuiten in Deutschland Petrus Faber. In diesem Buch fand ich eine sehr schöne Betrachtung des Wertes menschlicher Barmherzigkeit. Interessant ist, dass diese Übersetzung nach den Texten des hl. Petrus Faber im Jahr 1963 veröffentlicht wurde, also zum Ende des 2. Vatikanischen Konzils.

Der Wert der menschlichen Barmherzigkeit
"340 An einem anderen Tage in der Oktav des hl. Johannes, als ich einem die Generalbeichte abnahm, ward mir große Erkenntnis zuteil, was es heißt, Lebenden und Toten Barmherzigkeit zu erweisen - so sehr, daß mir bei diesem Gedanken die Tränen kamen; und doch merkte ich noch auf die Anklage meines Beichtkindes. Ich verstand bei die. dem Nachdenken auch, welch wirksame Hilfe zur Erlangung der Barmherzigkeit Gottes es für uns ist, selbst Barmherzigkeit zu üben, und wie leicht wir von Gott ungeschul. dete Gaben erhalten können, wenn wir uns und das Unsere Ihm gegeben haben. Auch wenn wir uns nur in leiblichen Werken der Barmherzigkeit geübt haben, wird Gott sich uns hierin barmherzig erweisen und dann auch in geistlichen Dingen.

[341] Noch wirksamer aber verdienen wir uns Gottes geistliche Barmherzigkeit, wenn wir uns in geistlichen Werken der Barmherzigkeit üben.
Daher kommt es, daß einige, die viel Zeit aufs Gebet verwenden, zuweilen bei allem Trost ihres Geistes das Gewünschte nicht zu finden vermögen, weil sie ihrem Nächsten keine geistliche Barmherzigkeit erweisen. Andere dagegen verwenden aus reiner Liebe zu Gott so viel Zeit auf das Heil der anderen, daß sie, ohne viel zu suchen, großes Erbarmen Gottes für sich finden - nicht nur zur Vergebung ihrer Sünden, sondern auch um mannigfache Gottesgaben zu erhalten. Hier wurde mir die feste Absicht zuteil, alle zu größerer Sorge um die Werke der Barmherzigkeit zu ermahnen und auch dazu, daß einer, der Gott gnädig und nicht nach strengem Recht urteilend sehen will, selbst gütig und gnädig gegen alle sein muß, ohne allzusehr auf Recht und Strenge zu dringen."

Das Buch Peter Faber "Memoriale" erschien 1963 im Johannesverlag

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