Dienstag, 3. November 2015

Wenn Ernährungsfanatismus zur (Anti)-Religion wird ...

Ursprünglich war er "Feind der Agrarindustrie" beschreibt die FAZ den heutigen "Veganerfresser" Udo Pollmer, heute ist er warnt er vor Veganismus und macht sich damit Grüne und Ernährungsberater zu seinen erbitterten Feinden. Damit wurde er zum idealen Gastredner für den traditionellen Herbstmarkt-Frühschoppen in unserem Dorf in Südoldenburg, welches die Region mit der intensivsten Massentierhaltung in Deutschland ist.

Gleich zu Beginn hob er in seiner markigen Rede heraus, dass sich der Veganismus wie der Nebel einer Religion über unser Land gelegt habe, die er nicht nur mit einer rhetorisch gelungenen Rede sondern vor allem mit aufklärenden Fakten widerlegen könne. Mit Zahlen und Fakten "klärte" er uns auf, dass möglichst viel Fleisch höchst gesund, hingegen Salat oder Spargel im Grunde keinen Nährwert hätten sondern nur aus Fasern und Wasser bestünden.

Pollmers Worte wurden also für uns zur besten Unterhaltung, die immer wieder zum Lachen  reizten, und waren zugleich Balsam für die Seelen der vielen anwesenden Landwirte, die von Umweltfanastisten wegen der Massentierhaltung nicht selten als "Tiermörder" und "Unmenschen" beschimpft werden. Sicher dürfen Pollmers Argumente nicht ganz von der Hand gewiesen werden. Die Verteufelung moderner Landwirtschaft ist inakzeptabel, zumal ohne sie das Welternährungsproblem angesichts des Wachstums der Weltbevölkerung unlösbar  bleiben wird.

Was mich allerdings erschrak, war Pollmers Art über Religion zu reden. Nach dem Ende seiner Rede sprach ich ihn darauf an, ob er Religion grundsätzlich ablehnen würde. Pollmer antwortete mir, dass er Relgion für Opium für das Volk halte und zur Verdummung der Leute beitrage. Darauf erwiderte ich ihm, dass ich seine Argumente zum Thema Ernährung durchaus folgen könne aber seine Haltung zur Religion nicht teile. Außerdem bekannte ich ihm, dass ich gläubiger katholischer Christ bin. Darauf hin zählte er mir zunächst eine ganze Litanei herausgerissener Bibelzitate vor, mit denen er mir beweisen wollte, wie falsch die Lehren der Bibel seien. Ich ersparte es mir und ihm, mich auf ein weiteres Streitgespräch über die Religion hineinzulassen.

Am Ende brachte er aber doch noch ein gutes Bibelzitat:  "Nicht das, was durch den Mund in den Menschen hineinkommt, macht ihn unrein, sondern was aus dem Mund des Menschen herauskommt, das macht ihn unrein" (Matthäus 15.11)

Der christliche Glaube lehnt Fleischkonsum nicht völlig ab, fordert aber durchaus zu einer maßvollen Ernährungsweise auf. Maßlosigkeit (Völlerei) gilt als eine der sieben Todsünden, vor denen der christliche Glaube warnt. Also auch der fanatische Gegner der Veganer kann zum Verfechter einer (Anti-)Religion werden, einer Ideologie, die den Glauben an den allmächtigen Gott, der alles erschaffen hat, ausschließt und bekämpft. Maßhalten in Wort und Konsum ist eine der Grundvoraussetzungen, die wir in unserer Gesellschaft für eine Kultur des Miteinanders dringend benötigen.

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