Donnerstag, 19. November 2015

Wahlen: Das ZdK legitimiert sich selbst

Beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) wird morgen gewählt. Das Komitee beansprucht, die Vertretung aller deutschen Katholiken zu sein. Gewählt wird der Nachfolger von Aloys Glück. Wenn man lästern wollte, könnte man fragen, ob das der Papst der deutschen katholischen Laien sei. Denn seit Wochen wird über seine Person und Funktion in den kirchlichen Medien allerhand geschrieben. Und über diejenigen, die seine Nachfolger werden sollen. Dabei wird suggeriert, dass alles beim ZdK streng demokratisch ablaufe. Und dass die Kirche im Grunde demokratisch verfasst sei, den Laien eigentliches ein "Mitspracherecht" zukomme.

Keinesfalls will ich dem Zentralkomitee unterstellen, dass bei seinen Wahlen getürkt würde. Formal läuft sicherlich alles korrekt ab. Dennoch sind die beiden Schlussfolgerungen zumindest irreführend. Weder ist die katholische Kirche eine demokratisch strukturierte Organisation noch kann das Zentralkomitee der deutschen Katholiken aufgrund dieser Wahlen legitimieren, die Vertretung aller katholischen Laien zu sein.

Die katholische Kirche ist nicht demokratisch sondern hierarchisch (apostolisch) strukturiert. Den Nachfolgern der Aposteln, den Bischöfen, obliegt die gemeinsame Leitung der Kirche, wobei die Oberhoheit der Kirche vom Papst ausgeübt wird. Sie werden von der Kirche in ihr Amt berufen, nicht gewählt. Eine Laienvertretung ist nicht vorgesehen und in dieser Form ein spezielles Phänomen der Kirche in Deutschland.

Wie kommt es, dass dem ZdK in Deutschland eine so gewichtige Rolle eingeräumt wird? Es gibt kaum eine Ausgabe einer Bistumszeitung, in der nicht aus oder über das ZdK berichtet wird. Auch in den offiziellen katholischen kirchlichen Internetportalen ist das ZdK ständig präsent. Auch in den öffentlichen Medien wird den Positionen des ZdK genauso viel Bedeutung wie von der Deutschen Bischofskonferenz zugestanden.

Ich vermute, dass dies damit zusammenhängt, dass in der deutschen Kirche es so viele Verbände gibt, die in Kirche und Gesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Diese Verbände entstanden im 19. Jahrhundert im Zuge der bürgerlichen Freiheitsbewegung. Im ZdK sind Delegierte von 125 Verbänden vertreten, die ihrerseits 6 Millionen Mitglieder repräsentieren, was immer das heißen mag. 

Hinzu kommen Delegierte der Diösesanräte, die die Pfarreiräte repräsentieren sowie Einzelpersönlichkeiten die in unserer Gesellschaft bekannt und anerkannt sind. Wenn man bedenkt, dass von 23 Millionen Angehörigen der Kirche höchstens 6 Millionen durch die beteiligten Verbände repräsentiert sind und nur ein minimaler Bruchteil der Kirchenmitglieder an den Pfarreiratswahlen teilnehmen, ist auch ein etwaiger Vertretungsanspruch aller Laien also nur sehr schwach begründet. 

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