Montag, 30. November 2015

Rosenkranz im Frauenknast

Mit großem Interesse habe ich einen Bericht in der Münsteraner Bistumszeitung "Kirche+Leben" mit der Überschrift "Gesätze gegen die Einsamkeit hinter Gittern" gelesen. Eine Seelsorgerin habe in der Vechtaer Justizanstalt für Frauen die Erfahrung gemacht, dass Rosenkränze bei den gefangenen Frauen hoch im Kurs stünden, heißt es im Zeitungsartikel.

Viele Frauen würden sie sogar fragen, ob sie einen Rosenkranz für sie hätte. Dabei hätten die wenigsten Frauen einen Bezug zur Kirche. In ihrem Leben hätten die Frauen mit Diebstahl, Betrug oder Drogen zu tun gehabt. In Gesprächen mit der Seelsorgerin gehe es dann häufig um Scheitern in ihrem Leben, die Verzweiflung, ihr Leben nicht in den Griff zu bekommen. Besonders für Frauen mit Kindern sei dies oft sehr belastend. Das meditative Gebet des Rosenkranzes könne ihnen da sehr behilflich sein, heißt es im Artikel und eine Alternative zum Fernsehprogramm bieten. Eine Pfarrgemeinschaft habe aus dem Nachlass verstorbener Gemeindemitglieder sogar ungenutzte Rosenkränze gesammelt und dem Frauengefängnis gespendet. Frauen würden auch Rosenkränze selber basteln, die Materialien hätten sie von einer Frauengemeinschaft in der Umgebung erhalten.

Ich finde, dass ist eine sehr erfreuliche Form der Neuevangelisierung, die Schule machen sollte. Wer den Rosenkranz regelmäßig betet, kennt die Ruhe und den Frieden, den man daraus schöpfen kann. Durch das Gebet wird der Same des Glaubens in eine Seele getragen. Wie schon der selige Kardinal John Henry Newmann sagte: "Das Gebet ist das Atemholen der Seele". Ich kann dies aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen. Nachdem ich anfing, wieder zu beten, vertiefte sich mein Glauben. Ich begann mit kleinen Gebeten, dem "Vater Unser". Sehr geholfen hat mir dabei unter anderem das Buch von Bruder Paulus Terwitte "Trau dich anders zu beten".

Schritt für Schritt machte ich die Erfahrung, dass das Gebet mir gut tat, mir neue Kraft und Frieden schenkte. Irgendwann probierte ich auch das Rosenkranzgebet aus und lernte, dass man sich in diesem Gebet tragen und fallen lassen kann. Es muss ja nicht gleich ein ganzer Rosenkranz sein, man kann auch mit einem Gesätz beginnen. Wenn man jeden Tag auch nur etwas betet, dann wächst irgendwann auch eine persönliche Beziehung zu Gott, dem man alles sagen kann, was einen bewegt.  Man muss sich nur trauen, den Anfang zu wagen.

Das hörende Herz: Herr, komm und helf mir sprechen

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