Donnerstag, 12. November 2015

Katholische Beerdigung ohne Priester

Bislang ist es in unserer Region Südoldenburg noch die Regel, das Beerdigungen bei uns von einem katholischen Geistlichen geleitet werden. Sehr häufig läutet bei uns um kurz nach 12 Uhr mittags, nach dem Erstummen des Angelus-Geläutes, die monotone Totenglocke weiter. Dies ist die Nachricht, dass wieder eine Beerdigung bevorsteht. In unserer Pfarrgemeinde sterben fast in jeder Woche ein oder mehrere Gläubige, die häufig ihr ganzes Leben treu zu ihrem Glauben und ihrer Kirche standen. Die haben ein würdiges Begräbnis verdient. Daher gibt es bei uns (noch) eine Begräbniskultur, die in Großstädten zunehmend verloren geht.

Es finden bei uns häufig sogar noch recht große Beerdigungen statt. Wenn jemand in einer der vierzehn Bauerschaften unserer 6.000 Seelen-Pfarrgemeinde verstirbt, kommt die ganze Dorfgemeinschaft zu einer Beerdigung. Unser Pfarrer hat daher alle Hände voll zu tun. Zu einer Begräbnisfeier gehört das vorbereitetende Trauergespräch mit den Angehörigen, die Beisetzung am Grab und der Gottesdienst, welcher bei uns immer als Heilige Messe gefeiert wird. Abends vor der Beerdigung kommen Angehörige und Freunde zum Nachbarschaftsgebet in unsere Kirchen, welches allerdings von den Nachbarn selbst gestaltet wird.

Umso erleichterter ist unser Pfarrer, dass nun auch unser indischer Priester in der Lage ist, in deutscher Sprache Bestattungen durchzuführen. Er gab kürzlich  in einem Pfarrbrief bekannt, dass er Beerdigungen in Zukunft im Wechsel mit seinem indischen Mitbruder zelebrieren wird. Nicht wenige Gemeindemitglieder sind pikiert, dass nun auch ein indischer Priester ihre Angehörigen beerdigen wird. Sie wünschen sich, dass ein deutscher Priester ihre Familienangehörigen bestattet. Ich höre so etwas durchaus öfters aus Gesprächen im Dorf heraus.

Wenn ich solche Einwände von anderen Leuten höre, denke ich mir so meinen eigenen Teil: Die Leute werden sich noch wundern. Es dürfte in absehbarer Zeit ganz normal sein, dass Beerdigungen gar nicht mehr von Priestern durchgeführt werden. Eine Beerdigung ist nicht zwangsläufig von einem Priester zu leiten. In Zeiten des Priestermangels können auch Laien durchaus diese Aufgabe übernehmen. Auf katholisch.de wird das Beispiel eines Laien geschildert, der bereits seit mehr als neun Jahren im Auftrag des Bischofs Begräbnisfeiern leitet.

Ich bin auf das Thema durch eine Diskussion im Internet gestoßen worden. Auf einer "katholischen" Internetseite war veröffentlicht worden, dass einem Priester der Wunsch verwehrt worden war, in der außerordentlichen Form des römischen Ritus beerdigt zu werden. Dieser Bericht wurde in anderen Blogs und auf Twitter verbreitet. Die Beerdigung ist ein Thema, dass noch zu viel Ärger führen dürfte.

Kommentare:

  1. Die Katholiken praktizieren doch auch die gewöhnliche Erdbestattung oder? Ich habe nämlich erlebt wie ein Katholiken paar auf einer anderen Art und Weise bestattet werden wollte. Sie haben mich gebeten, ob ich ein Bestattungsunternehmen finden könnte, dass verschiedene Arten anbietet. Im Netz bin ich auf die hier gestoßen: http://www.bestattungen-heidenreich.de/leistungen

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    1. Die traditionelle christliche Bestattungsform ist die Erdbestattung. Sie ist Ausdruck des Glaubens und der Hoffnung, dass der Gläubige einst wieder mit ganzem (neuem) Leib und ganzer Seele wieder vom Tode auferweckt wird. Heutzutage ist auch eine katholische Urnenbestattung möglich. Im Allgemeinen gibt die Kirche aber keinen Segen auf die heute manchmal gewünschten anonymen Bestattungsformen (Seebestattung oder Friedwald, usw.). Sie sind nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar.

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