Mittwoch, 4. November 2015

Im persönlichen Gespräch mit einem Moslem

In unserer Gemeindeverwaltung arbeitet ein agyptischstämmiger Deutscher. Mit ihm hatte ich in den letzten Tagen zu tun, da direkt in meiner Nachbarschaft Syrer untergebracht sind, die aus ihrem Land nach Deutschland geflohen sind. Die Ausländer sprechen kein Wort deutsch, ich verstehe kein Wort arabisch. Arif (deutsch="Gebildeter"), so nenne ich mal unseren Gemeindeangestellten (Name geändert), spricht perfekt Deutsch und fließend Arabisch. Seine Familie kommt Agypten, er selbst aber ist in Deutschland aufgewachsen. Arif war sofort bereit, bei Missverständnissen zwischen den Syrern und mir zu vermitteln. Dabei kam ich mit dem freundlichen und sehr angenehmen Menschen auch ein wenig persönlich ins Gespräch.

Dabei kamen wir auch auf das Thema Religion. Er bekannte mir, dass er gläubiger Muslim ist, ich ihm, dass ich gläubiger Katholik bin. Arif bedauerte, dass in der westlichen Welt der Islam so einseitig dargestellt würde. Nur drei Prozent aller Moslems würden die Terrororganisationen der ISIS unterstützen, der Rest würde sie ablehnen. Er selbst könne die ISIS mit jedem Vers aus dem Koran, der heiligen Schrift des Islams, widerlegen. So sei es streng verboten, zu töten, vor allem Kinder und Frauen. Selbst wehrlose Soldaten im Krieg dürfe ein Moslem nicht töten. Auch Juden und Christen dürfe man auf keinen Fall unterdrücken oder verfolgen.

Christen und Juden würden im Islam als ältere Brüder im Glauben betrachtet. Es gäbe neben Unterschieden auch vieles, was die beiden Religionen Christentum und Islam verbindet. So werde Jesus als großer Prophet verehrt. Sogar Christi Himmelfahrt werde bei den Muslims anerkannt. Jesus sei für Moslems der einzige Prophet, der direkt in den Himmel aufgefahren sei. Allerdings glaube man nicht an die Dreifaltigkeit Gottes und auch nicht, dass der Prophet Jesus tatsächlich am Kreuz gestorben sei. Eine Theorie sei, dass nicht Jesus ans Kreuz geschlagen worden sei, sondern an seiner Stelle Judas, sein Verräter. Der habe dann am Kreuz auch die Worte geschrieen "O mein Gott, warum hast du mich verlassen?"

In Ägypten und anderen Ländern ständen christliche Kirchen direkt neben Moscheen, Christen und Moslems würden miteinander friedlich leben, versuchte er, ein vorgeblich falsches Bild zurecht zurücken. Wir hatten nur eine kurze Zeit für diesen Ausstausch, der mich doch sehr berührte. Dabei sind viele Fragen offen geblieben. Leider blieb uns nur ein kurzer Moment für den Austausch, um einige Fragen zu stellen. Zum Beispiel zur Scharia, dem islamischen Rechtssystem oder die Trennung von Staat und Religion, die in vielen moslemischen Ländern fehlt. Warum ist der Besitz oder die Verbreitung der Bibel oder christlicher Schriften in arabischen Ländern oft streng verboten?

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