Samstag, 21. November 2015

Ein "katholischer Drache" im Internet droht mir mit seinem Anwalt

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Mein Vorbild und Namenspatron
hl. Georg, der Drachentöter
Bild: (C) Gemeinfrei
Genauso lange, wie ich diesen Blog betreibe, habe ich auch einen eigenen Twitter Account, auf dem ich zu speziell zu Glaubensthemen Tweets poste und mich mit Anderen gleichen Interesses vernetze. Gleich zu Anfang lernte ich dadurch einen Nutzer kennen, der nach eigener Aussage einen der "erfolgreichsten katholischen Twitter-Accounts" betreibt. Er hat ca 17.000 Follower und folgt seinerseits ebenso vielen Usern.

In seinen öffentlichen Tweets präsentiert er sich gerne als "traditionalistischer", "rom-treuer" Gläubiger der "heiligen römisch-katholischen Kirche" und als glühender Anhänger der Päpste Benedikt XVI.  und Papst Pius XII, welcher  sich strikt an den Lehren der katholischen Kirche ausrichtet, insbesonders am Katechismus.

Twitter-User, die er für "rechtgläubig" hält, umwirbt er, er retweetet unendlich viele Tweets von ihnen und empfiehlt sie seinen zahlreichen Followern weiter. Selbst durchaus bekannte konservative Publizisten lassen gerne  ihre Tweets von ihm in seiner großen Leserschaft verbreiten. Somit erhält sein Twitter-Account über einen privaten Rahmen hinaus eine öffentliche Relevanz.

Hingegen begegnet er anderen Nutzern, die seinen Glaubensansichten nicht folgen, des öfteren in einem sehr brüsken Ton. Nicht selten beschimpft er seine "Gegner" als "inkompetent" und "dumm" und fordert sie mit harschen Worten zur "Umkehr" und zur Beichte auf. Vor allem jene, dies wagen, seinen Äußerungen zu widerprechen, droht er mit agressiven Worten. Dies alles geschieht öffentlich sichtbar im sozialen Netzwerk Twitter. Zeitweise kommentierte er besonders intensiv Tweets des Grünen-Politikers Volker Beck und dessen Leser. Auch Beck hatte er schon mindestens einmal als jemand, der "keine Ahnung vom Christentum habe", beschimpft.

Auch ich musste des öfteren mit ihm schon unangenehme Erfahrungen sammeln. Zuerst hielt er mich für "rechtgläubig" und umwarb mich, ihn doch zu folgen. Als ich mich dann irgendwann dazu entschloss, stellte ich immer mehr seine kompromisslose Art fest, wie er mit Andersdenkenden umgeht. Er toleriert nicht andere Meinungen und Haltungen zum Glauben. Seine Art des Glaubens ist nach seiner Ansicht Gesetz.

Ich geriet mit ihm darüber immer öfters in einen Streit, bis wir uns gegenseitig blockten. Periodisch hoben beide die Blockade auf, um sich gegenseitig zu beäugen. Twitter ermöglicht jedem Nutzer, sogar blockierte Tweets zu lesen. Jeder Tweet ist öffentlich, solange man einen Account nicht schützt. Erst dann ist er nur für genehmigte Follower zugänglich.

Um Tweets eines Nutzers lesen zu können, der einen blockiert hat, reicht es aus, sich einfach aus Twitter auszuloggen und auf die Profilseite des jeweiligen Nutzers zu gehen. Jeder Tweet wird dann von ihm angezeigt. Egal, wen ein User geblockt hat, jeder Tweet bleibt immer für jeden öffentlich und darf auch kritisiert werden. Selbstverständlich kann man jeden öffentlichen Tweet, insbesondere, wenn andere Nutzer beleidigt oder angegriffen werden, kommentieren oder zumindest an andere Twitter-User weiter verbreiten. Das Recht auf Meinungsfreiheit wird auch nicht beschnitten, nur weil man von einem Nutzer blockiert wurde. Dieses gefällt dem besagten User gar nicht.

Usern, die seine Beleidigungen nicht akzeptieren, hat er schon oft mit einer Meldung bei Twitter oder mit dem Anwalt gedroht. Jeder, der ihn kritisiert, wird sofort geblockt. Er postet, dass er nicht diskutiere sondern blocke. Da ich ihn weiterhin aufgefordert habe, Beleidigungen anderer Nutzer zu unterlassen und entsprechende Tweets geteilt hatte, drohte er mir zuletzt ebenfalls mit seinem Anwalt. "Beim nächsten Kommentar gegen meine Person beauftrage ich meinen Anwalt."

Dies ist insofern pikant, weil er als Lebensrechtler sich immer wieder gegen die staatliche Duldung der Abtreibung ausgesprochen hat. In diesem Fall beruft er sich auf das staatliche Recht und seine Institutionen, die er im Fall der Abtreibung heftig kritisiert.

Sein bisweilen diffamierendes Verhalten ähnelt der Vorgehensweise der früheren "katholischen" Plattform "Kreuz.net", die glücklicherweise nicht mehr im Internet ist. Niemand, dessen Meinung ihm nicht passt, kann davor sicher sein. Besonders bedauerlich finde ich, dass einige katholischen Blogger und Twitter-User seine Beleidigungen und respektloses Verhalten geflissentlich übersehen und zum Teil ihn sogar ihren eigenen Followern weiter empfehlen. Andere katholische Twitteruser, die ihn erfolglos kritisierten, nehmen seine Verhaltensweise fataler Weise hin, ohne sich dagegen zu wenden. Sie haben schlichtweg kapituliert. Niemand konnte unseren "Drachen" bislang dazu bewegen, sein Verhalten zu ändern. Nur ein Watchblog, welches ein Tag lang im Internet online war, hat offensichtlich erreicht, dass er zwischenzeitlich ruhiger wurde. In den letzten Tagen begann er aber wieder damit, harsche und angreifende Tweets gegen andere zu feuern.

Aus meinem Glauben heraus fühle ich mich verpflichtet, einem solchen Treiben entschieden entgegenzutreten. Meinungs- und Glaubensfreiheit haben dort ihre Grenzen, wo andere verletzt und diffamiert werden. Zwar gilt auch für mich grundsätzlich, Twitter-User, die mich blockiert haben, in Ruhe zu lassen. Wenn diese allerdings mich oder Dritte diffamieren, muss man eine Ausnahme machen. Dies ist nicht nur im Rahmen der Meinungsfreiheit das gute Recht eines jeden. Als Christ meine ich zudem, dass man sich dagegen wenden muss, wenn das Gebot der Nächstenliebe und die christliche Botschaft derart mit Füssen getreten und verdreht werden. In einem solchen Fall nehme ich mir meinen Namenspatron, den heiligen Georg, zum Vorbild.

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