Freitag, 27. November 2015

Christliche Chormusik muss der ars vivendi dienen

Am gestrigen Donnerstag fand die Generalversammlung unserer Chorgemeinschaft Cäcilia statt, der ich seit mehreren Jahren angehöre. Das macht mir viel Spaß und hat meinen Horizont durchaus erweitert. Als ehemaliger Bluesgitarrist hätte ich es nie geglaubt, dass mir es einmal gefallen könnte, in einem klassischen Kirchenchor mitzusingen. Wobei letzteres jedoch bei unserem Chor nicht ganz der Fall ist, weil wir neben kirchlichen Chorälen und Gesängen auch weltliche Lieder singen. Aber was es eigentlich wertvoll macht, Sänger in einem kirchlichen Chor zu sein, brachte unserer Pfarrer in einer bemerkenswerten Predigt in der vorangehenden Abendmesse auf den Punkt.

Unser Pfarrer erinnerte uns, dass die Schrifttexte zum Ende des Kirchenjahres auf die Endlichkeit des irdischen Daseins verweisen. Auch der große Musiker und Komponist Wolfgang Amadeus Mozart habe diese Tatsache in sein Leben bewusst einbezogen. Unser Pfarrer zitierte aus einem Brief von Mozart an seinem Vater:
„Da der Tod der wahre Endzweck unseres Daseins ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, daß sein Bild nicht alleine nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes! Und ich danke Gott, daß er mir das Glück gegönnt hat, mir die Gelegenheit zu verschaffen, ihn als den Schlüssel zu unserer wahren Glückseligkeit kennenzulernen. Ich lege mich nie zu Bette, ohne zu bedenken, daß ich vielleicht (so jung als ich bin) den anderen Tag nicht mehr sein werde. Und es wird doch kein Mensch von allen, die mich kennen, sagen können, daß ich im Umgang mürrisch oder traurig wäre. Und für diese Glückseligkeit danke ich alle Tage meinem Schöpfer und wünsche sie von Herzen jedem meiner Mitmenschen.“
Den Tod als Freund des Menschen zu begreifen, als Schlüssel zur Glückseligeit. Dies sei Ausdruck einer Einstellung, die man als ars moriendi, die Kunst des Sterbens, bezeichnen würde. Hierbei gehe es keineswegs um Weltflucht, viel mehr gehe es um eine Geisteshaltung, sich dem Leben im Wissen des Todes zuzuwenden. Dadurch ergebe sich ein Leben mit mehr Tiefe, mehr Intensität, weil vieles mehr an Gewicht erhalte. Ein solcher Mensch könne sich durchaus mit "kindlicher Freude" den Dingen dieser Welt zuwenden, ohne die Gewissheit des Vorübergehenden, Vorläufigen, zu verlieren.

Vielfach gingen die Menschen heute allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Viele würden ohne den Tod leben wollen, ihm keine eigene Qualität mehr zubilligen wollen. Dies führe dazu, dass das Leben oberflächlicher würde und an Intensität verliere. Die Menschen bräuchten aber eine neue Kunst des Lebens, eine ars vivendi.

Hierzu könne die gehaltvolle Musik, besonders die geistliche Chormusik, einen wesentlichen Beitrag liefern. Er forderte uns Sänger dazu auf, die Texte unserer Lieder zu lesen und auf ihren Gehalt zu überprüfen. Als für die "katholische Liturgie Verantwortlicher" fügte er hinzu:
"Wenn es keine Texte sind, die Gott loben, oder wenn es keine Gebete mehr sind, die sie da singen, dann schmeißen sie diese Lieder aus ihrem frommen Repertoire raus. Denn sie bedeuten nur eine Banalisierung."

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